Neviges: Piraten erleiden mit Antrag Schiffbruch

Neviges : Piraten erleiden mit Antrag Schiffbruch

Der Bezirksausschuss lehnte die Umsiedlung von Geschäften aus der Innenstadt zum Rosenhügel mit deutlicher Mehrheit ab.

. Heftiger Gegenwind blies den beiden Vertretern der Piratenpartei im Bezirksausschuss ins Gesicht. Sie hatten in einem Prüfantrag angeregt, den Einzelhandelsstandort am Rosenhügel zu stärken, Geschäfte aus der City sollten dorthin umziehen. Bereits vor der eigentlichen Sitzung ließ in der Bürgerfragestunde Helmut Wulfhorst (Werbegemeinschaft Neviges) seinen Ärger raus: „Das ist absoluter Schwachsinn.“ Der engagierte Kämpfer für den Einzelhandelsstandort Neviges verwies unter anderem darauf, dass man sich dazu entschlossen hat, altersgerechtes Wohnen in Neviges zu bieten. „Da kann man keine Nahversorgung am Rosenhügel aufziehen.“

Bevor der vorgezogene Tagesordnungspunkt von den Ausschussmitgliedern besprochen wurde, legte Thomas Küppers von den Piraten dar, warum sie diesen Prüfantrag stellten. „Hinter dem Rosenhügel ist ziemlich viel Platz, da kann man was machen“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Ratspartei, der auf ein Gutachten des Kreises verwies, das bei der Planung des Rosenhügel den Abzug der Laufkundschaft aus der Innenstadt voraussagte. „Wir möchten, dass die Stadt mitprüfen soll, was wir für die Händler tun können, wir wollen die Besitzer nicht enteignen“, so Küppers. „Wir haben in Neviges alle größeren Läden und die Laufkundschaft verloren.“

Ulrich Weber, sachkundiger Bürger der Piraten, sprach von Schadensbegrenzung und dass man Neviges neu denken müsste. „Der Bürger hat das Recht, dass alle Optionen geprüft werden.“ „Das ist so falsch, das Gegenteil könnte nicht richtig sein“, polterte August-Friedrich Tonscheid (Velbert anders). „Wir haben Geld zur Verfügung gestellt, da ist ein Hoffnungsschimmer in der interfraktionellen Runde. Das zum jetzigen Zeitpunkt vorzuschlagen, ist kontraproduktiv. Markthändler sprachen mich an, dass sie ein solchen Antrag nicht für möglich gehalten hätten und fragten: ,Können Sie mir sagen, was die rauchen?’“

Marlies Ammann (CDU) stimmte zu: „Wie gesagt, wie haben ein Innenstadtkonzept, da haben wir lange drum gerungen.“ Ausschussvorsitzender Rainer Hübinger (SPD) dachte an einen Aprilscherz, und seine Parteikollegin Brigitte Djuric bezeichnete den Antrag als so was von unsinnig, das habe sie selten erlebt. Esther Kanschat von Bündnis 90/Die Grünen konnte in dem Ansinnen in gewisser Weise eine logische Konsequenz erkennen. „In dem Gutachten stand eindeutig drin, dass ein solches Versorgungszentrum Kunden aus der Innenstadt zieht. „Das wurde einhellig im Ausschuss und Rat beschlossen, aber nicht von uns“, so die Grüne, die sich dennoch hinter die anderen Redner stellte: „Wir wollen die Innenstadt beleben. Lasst uns abwarten, was das Innenstadtkonzept bringt.“ Jörg Möller von den Linken pochte ebenfalls auf das Handlungskonzept: „Wie kann man nur so blöd sein, jetzt einen solchen Prüfantrag zu stellen.“ Thomas Küppers zeigt sich von dem heftigen Gegenwind enttäuscht: „Ich hatte gehofft, dass innovativer gedacht würde.“ Er erinnerte sich daran, dass die Stadtplanerin Heike Möller gesagt habe, man müsse sich davon verabschieden, dass man ein Neviges wie vor 30 Jahren wiederbekommt.

Der Velberter Planungsdezernent Jörg Ostermann kündigte an, dass die Verwaltung das Positive in Neviges herausstellen werde. „Wir haben mit den beschlossenen Sofortmaßnahmen für Schwung in der Politik gesorgt, damit man den Belangen der Nevigeser gerecht wird“, sagte er. Ostermann möchte ein „Wir-Gefühl“ nach vorne bringen. Dazu wünscht er sich, dass der Piratenantrag umgedreht wird: „Wie kann die Leute dazu bringen, vom Rosenhügel in die Innenstadt zu gehen?“

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