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Pfarrer Breitbarth: „Alles war gut — ich bin zufrieden“

Pfarrer Breitbarth: „Alles war gut — ich bin zufrieden“

Am Mittwoch wird Pfarrer Rolf Breitbarth verabschiedet — eine Bilanz.

Wülfrath. Entspannt, mit sich im Reinen und lächelnd: So sitzt er in dem alten Sessel. Umgeben von Büchern in einem sonst fast leeren Büro. Auszugsstimmung in der alter Pfarrer-Wohnung in der Ellenbeek. Bald zieht er auch dieses letztes Zimmer leer. Pfarrer Rolf Breitbarth. Er geht in den Ruhestand. Am Mittwoch wird er von seiner Gemeinde verabschiedet. „Alles war gut. Ich bin zufrieden“, sagt er — und blickt zurück.

Früh, sagt der 65-Jährige Familienvater (vier Kinder), habe er sich für die Theologie entschieden. Der Pfarrer seiner Gemeinde und dessen Umgang mit den Menschen, habe ihn geprägt. „Er konnte mit Arbeitern reden, hat sich den sozialen Problemen gestellt und Gottes Wort so umgesetzt“, sagt er. Seine Hoffnungen, als Pfarrer ähnlich aufzutreten und Menschen mit Worten zu erreichen, „hat sich erfüllt“, sagt er nun — 37 Jahre nach seiner Ordination.

Auch Breitbarth war Pfarrer in Brennpunkten — wie in Langerfeld, seiner ersten Station als Seelsorger. In dieser Zeit kam er 1990 mit einem Hilfstransport nach Rumänien. Dieses Elend, sagt er heute, könne er nie vergessen. „Den Geruch der Kinderheime habe ich heute noch in der Nase.“

1994 kam er nach Wülfrath — in die Ellenbeek. „Wie ein Neustart“, erinnert er sich, sei es ihm vorgekommen. „Sogar die Kirche wurde ja neu gebaut“, sagt er — und lächelt. Früher, fügt er an, sei er ein Pfarrer gewesen der Lehrpredigten gehalten habe. „Ich wollte auch Wissen vermitteln.“ Er habe sich aber zum Seelsorgerprediger verwandelt. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbebegleitung habe unter anderem dazu geführt. Die Wülfrather Hospizarbeit hat er mitinitiiert.

Als Seelsorger sei er „aktiver Zuhörer“ für die Menschen gewesen, die mit Problemen zu ihm kamen. „Ich hatte die Hoffnung, dadurch zu erfahren, was hinter den Worten steckt“, sagt er.

Als positivstes Erlebnis seiner „Karriere“ bleibt ihm das Kenia-Projekt, das er als Superintendent mit Kirchenkreis begleitet hat, in Erinnerung. Die Gründung einer Schule dort, das Straßenkinderprojekt: „Es ist eine glückliche Erfahrung zu erleben, wie aus Widerständen Vertrauen erwächst“, sagt er.

Die negativste Erfahrung, die „ich nie machen wollte“ stammt aus Wülfrath — und das nicht im Beruf, sondern im Zuge der Diskussion um den Stadthallenabriss. „Wie da Macht eingesetzt wurde, um einen Menschen wie Thomas Gerhold, der das Vorhaben kritisiert hatte, zu schädigen, hätte ich nie für möglich gehalten.“

Mit „voller Freude“ wolle er jetzt die anstehende Zeit mit seiner Frau gestalten. „Wir hatten viele Jahre nicht viel Zeit füreinander“, sagt Breitbarth. Und in der Hospizgruppe will er sich wieder engagieren. „ Breitbarth: „Ja, in die Kantorei trete ich auch ein. Ein toller Chor.“ Am Mittwoch singt er in seinem Abschiedsgottesdinst.