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Neviges: Passion Christi und Ostern neu erfahren

Neviges : Passion Christi und Ostern neu erfahren

Die evangelisch-reformierte Gemeinde lädt zur Meditation in ihren Ostergarten ein. Auf dem Kreuzberg erzählen 14 Stationen den Leidensweg von Jesus Christus.

Wegen der Corona-Pandemie sind an Ostern keine Gottesdienste möglich. Dafür gibt es in diesem Jahr in Neviges gleich an zwei Stellen die Möglichkeit, unter freiem Himmel die Geschichte von Leid, Schmerz und Überwindung des Todes nachzuempfinden. Seit 132 Jahren lädt der Kreuzberg mit seinen 14 Stationen zum Beten und zur inneren Ruhe ein. Ausschlag gebend für die Errichtung der Anlage unweit des heutigen Mariendoms war ein unaufmerksamer Bahnbeamter in Langenberg, wie Heimatforscher Gerd Haun weiß. „Pilger aus Steele wollten mit dem Zug bis Langenberg reisen, um anschließend zu Fuß zu dem Gnadenbild zu pilgern. Der Zug fuhr allerdings durch bis Neviges, die Gläubigen trafen viel zu früh ein. Um sie zu beschäftigen, kamen die Franziskaner auf die Idee, sie singend und betend auf einen Rundweg über die benachbarten Felder zu schicken.

Einrichtung einer Andachtsstätte wurde konsequent verfolgt

Die Verlegenheitslösung stieß auf eine positive Resonanz, die Einrichtung einer Andachtsstätte wurde konsequent verfolgt, Gräfin Leonie von Ansembourg schenkte dem Kloster das Gelände. Während die überlebensgroße Kreuzigungsszene noch original aus Anfangszeit stammt, wurden die Bildtafeln nach dem Zweiten Weltkrieg durch Reliefs des Kölner Bildhauers Toni Stockheim ersetzt.

Bis Montag gibt es in Neviges eine zweite Anlaufstelle, um sich mit dem Leiden Jesu und der Auferstehung auseinanderzusetzen: Der Außenbereich des evangelischen Gemeindehauses an der Siebeneicker Straße ist seit Gründonnerstag der Ostergarten. Die Protestanten wollten das wichtigste Fest der Christenheit nicht nur digital feiern. Die Idee eines Ostergartens wurde innerhalb von zehn Tagen umgesetzt. „In Videokonferzenzen haben wir das Projekt vorgestellt und in Whatsapp-Gruppen ausgearbeitet“, beschreibt Presbyterin Dietgard Reith das Vorgehen unter Einhaltung des Kontaktverbotes in Zeiten von Corona. Der engagierte Ideengeber René Görtz begeisterte die kreativen Köpfe in der Gemeinde zur Mitarbeit an den meditativen Stationen. „Ostergärten sind in evangelischen Gemeinden nicht neu, aber meistens finden die drinnen statt, was jetzt nicht sein kann.“

Am Anfang des Weges dürfen die Besucher einen Stein in die Hand nehmen. „Damit spürt man das Gewicht und kann nachempfinden, wie schwer der Leidensweg Jesu war“, erklärt Jugendleiter Görtz. „Dieser Kreuzweg soll die Ostergeschichte mit den persönlichen Erfahrungen, die jeder gemacht hat, verbinden“, ergänzt Pfarrer Detlef Gruber.

Auf die Trepe setzen und das
Bild auf sich wirken lassen

Es beginnt mit einem gedeckten Tisch zur Einladung zum Abendmahl in der Gemeinschaft zu Gott. Es folgt die Enttäuschung im Garten Gethsemane: Während Jesu mit Inbrunst betet, fallen seine Jünger in tiefen Schlaf. Dann der Schmerz, den der König der Juden erleidet, als ihm die Dornenkrone auf den Kopf gestülpt und er verhöhnt wird. „Es geht dabei auch um den inneren Schmerz“, so Detlef Gruber. „Dann kann man sich auf die Treppe setzen und dieses Bild auf sich wirken lassen“, schlägt René Görtz vor. Ein abstraktes Kunstwerk mit schwarzen und vielen roten Pinselstrichen. „Schwarz ist die Schuld, die vom Blut Jesu reingewaschen wird.“

An der fünften Station darf der Stein vom Eingang wieder in einen Eimer gelegt werden: „Schuld, Schmerz, Enttäuschung – für alle diese Dinge ist Jesus gestorben und macht alles gut.“ Abschließend wird eine Tür durchschritten, es darf Ostern werden. „Wir erhalten ein neues Leben“, soll dieser Schritt verdeutlichen, der mit vielen Blumen und hellen Farben betont wird. Zum Schluss liegen kleine Tütchen mit einem Sinnspruch und einem Teelicht bereit.