Ortstermin am stillen Örtchen

Verein will, dass die öffentliche Toilette wieder in Betrieb genommen wird. Am Dienstag wurde vor Ort diskutiert.

Tönisheide. „So schlecht sieht es hier gar nicht aus.“ Monika Hülsiepen, Vorsitzende des örtlichen Bürgervereins, war positiv überrascht, in welchem Zustand sich die seit geraumer Zeit geschlossene öffentliche Toilette an der Nevigeser Straße befindet. Der Bürgerverein (BV) hatte Mitglieder des Bezirksausschusses zum Ortstermin am Örtchen geladen, um auszuloten, mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen Tönisheide wieder zu einer öffentlichen Toilette kommen könnte.

Und es zeichnet sich eine Lösung ab: Hülsiepen kennt jemanden, der die Toilettenanlage neben dem geschlossenen Kiosk betreiben und in Schuss halten würde — für überschaubare Summen.

Es sind nicht die neuesten Fliesen, die Boden und Wände verkleiden, aber WC- und Waschbecken sind intakt, beide Toiletten (für Damen und Herren) behindertengerecht angebracht und mit Haltegriffen versehen, die Spülung funktioniert berührungsfrei mittels Lichtschranke. „Mit ein bisschen Farbe und gründlich durchputzen — dann ist das hier doch wieder ganz ordentlich“, bringt es ein BV-Vertreter auf den Punkt.

Andreas Sauerwein, Leiter des städtischen Immobilienservice, schätzt die Renovierungs- und Umbaukosten — unter anderem für eine Tür mit Münzschloss — auf „unter 10 000 Euro“. Das seien jetzt ganz andere Planungsvorgaben. Mit seiner bisherigen Kalkulation hatte der Immobilienservice viel Kritik geerntet: Rund 95 000 Euro sollte ein neues öffentliches WC kosten — ganz aus Edelstahl gebaut, vandalismushemmend und selbstreinigend. Dass eine solche Summe eine Stadt, die sich im Haushaltssicherungskonzept befindet, nicht aufbringen kann, lag auf der Hand.

So ganz überzeugt war Sauerwein von der Begeisterung der Bürgervereins-Vertreter nicht. „Das muss schon genau geprüft werden. Wir wollen nicht anschließend der Depp sein, wenn das Ganze nicht funktioniert.“

Nach wie vor ungeklärt seien auch die nicht unerheblichen Betriebs- und Reinigungskosten. Eine professionelle Firma würde gut 12 000 Euro jährlich kosten. Der Pächter des angrenzenden Kiosk hatte 5500 Euro für Reinigung und Betrieb des Klos erhalten. Monika Hülsiepen hegt die Hoffnung, dass der potenzielle Betreiber es auch für diese Summe machen würde.

Doch auch da bremste Sauerwein: „Eine solche freiwillige Aufgabe müsste anderswo eingespart werden.“ Der Leiter des Immobilienservice sagte zu, in der kommenden Sitzung des Bezirksausschusses am 17. April die neue Faktenlage und die daraus erwachsenden Möglichkeiten darzustellen.

Einig waren sich Bürgervereins- und Bezirksausschuss-Vertreter darin, dass Tönisheide nach wie vor dringend eine öffentliche Toilette brauche. Die Bushaltestellen in der Ortsmitte, der neue Panoramaradweg in der Nähe — das seien Gründe genug. Und auch Ausschussvorsitzender Rainer Hübinger stellte fest: „Hier sieht’s gar nicht so schlimm aus.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung