Wülfrath : Offener Brief soll Lösungen schaffen

. „Es reicht!“ Das sagen die Wülfrather Tagespflegepersonen in einem offenen Brief und machen somit auf ihre Situation aufmerksam. „Denn in dieser Zeit wird unsere größte Stärke zu unserer größten Schwäche: Die familiennahe Betreuung und der enge Körperkontakt zu den Kindern“, heißt es in dem Schreiben.

Patricia Große-Menne betreibt die Tagespflege Drachennest und hat den Brief mit ihren Kolleginnen gemeinsam verfasst. Einen Unterschied zum herkömmlichen Alltag sieht die Tagesmutter nicht. „Eine Umfrage unter Kollegen hat ergeben, dass wir zu rund 77 Prozent ausgelastet sind. Das ist kein Unterschied zu der Zeit vor der Pandemie, weil immer mal einzelne Kinder krankheitsbedingt ausfallen“, erklärt die Fachfrau, die sich mehr Sicherheit in ihrem Job wünschen würde.

Nicht nur auf die fehlenden Testungen bei Kindern weist der Zusammenschluss der Wülfrather Tagesmütter hin, auch die finanzielle Belastung ist enorm. „Wir bekommen bei einer Vollzeitstelle 20 Urlaubs- und nochmal zehn Krankheitstage bezahlt. Jeden weiteren Ausfall müssen wir zurückzahlen, wenn dieser nicht mit der Pandemie in Verbindung steht“, erklärt Patricia Große-Menne, die jedoch auf das Kleingedruckte verweist. „Nur wenn eine Quarantäne angeordnet wird, hat man Anspruch auf Ausgleich. Dieser beträgt dann 66 Prozent, obwohl die Fixkosten weiterlaufen. Ich musste meine Einrichtung aber einmal für drei Tage schließen, weil ich auf ein Corona-Testergebnis gewartet habe. Da dieser – zum Glück – negativ ausgefallen ist, habe ich die Tage zurückzahlen müssen.“

Andere Städte haben die Krankheitstage aufgestockt

Andere Städte, wie etwa Monheim, Erkrath und Mettmann, haben bereits Aufstockungen bei den Krankheitstagen vorgenommen. „So etwas würden wir uns auch für unsere Stadt wünschen“, berichtet die Tagesmutter weiter. „Am 1. Oktober vergangenen Jahres haben wir mit dem Jugendamt der Stadt ein Gespräch geführt, Lösungen wurden uns zugesichert. Passiert ist bis heute aber nichts. Wir werden nur vertröstet und man behandelt uns wie kleine Dummchen. Zumindest bekommt man das Gefühl.“

Gerne würden die Tagespflegepersonen gemeinsam mit der Verwaltung Lösungen erarbeiten, ihre Erfahrungen in die Überlegungen einfließen lassen. Mit dem offenen Brief soll der Druck auf das Jugendamt erhöht werden. „Wir haben keine andere Idee mehr, als mit unserem Anliegen an die Öffentlichkeit zu gehen. Daher haben wir den Brief auch in die Sozialen Medien gestellt“, sagt Patricia Große-Menne.

Lächerlich findet sie zudem den Appell von Ministeriumsseite, der Eltern anhält andere Lösungen im persönlichen Umfeld zu suchen und somit die Einrichtungen zu entlasten. „Alternativen im persönlichen Umfeld sind meist die Großeltern. Und die sollen gerade nicht in Anspruch genommen werden“, ärgert sich Patricia Große-Menne, die darauf hinweist, dass die Tagespflegepersonen durchaus gewillt sind zu arbeiten. „Wir wollen unsere Einrichtungen gar nicht schließen, aber wir brauchen Sicherheiten um uns und unsere Familien zu schützen.“

Auch für die Eltern bringt Patricia Große-Menne Verständnis auf. „Denn gerade die Eltern leiden unter enormen Druck, weil viele Arbeitgeber kein Verständnis für die Situation aufbringen. Das bekommen wir in Gesprächen immer wieder mit.“ Am 25. Februar wird es ein digitales Treffen der Tagesmütter aus Wülfrath geben. Bis dahin, so hofft der Verbund, soll die Verwaltung Lösungen schaffen oder mit den Tagespersonen in den Austausch treten. „Denn so wie es ist, kann es nicht weitergehen“, versichert Patricia Große-Menne.

Jugendamtsleiterin Bärbel Habermann bezieht so zum Thema Stellung: „Das Jugendamt steht im regelmäßigen Austausch mit den Kindertagespflegepersonen. Die Kommunalgruppe ist ein Teil der Kindertagespflegepersonen in Wülfrath. Wir legen großen Wert darauf, mit allen Kindertagespflegepersonen im Austausch zu sein. Die Informationen vom MKFFI werden sofort weitergeleitet. Dem Jugendamt ist es sehr wichtig,  die gesamte Kindertagesbetreuung gut zu vernetzen. Unsere Kindertagespflegestellen wurden im Rahmen der Pandemie alle mit kontaktlosen Fieberthermometern und FFP2-Masken ausgestattet, da wir natürlich von der besonderen Situation in der Betreuung von  kleinen Kindern wissen. Wir haben in Wülfrath zwei Kindertageseinrichtungen, die auch jüngere Kinder betreuen. Viele Fragestellungen, die sich aus dem offenen Brief ergeben, unterliegen einer politischen Entscheidung auf Landesebene. Auf kommunaler Ebene bemühen wir uns um Unterstützung dieses wichtigen Teils des Gesamtkonzeptes Kindertagebetreuung.“