Nevigeser wollen ihren Markt retten

Die Politiker sind mit dem Organisator des Nevigeser Marktes unzufrieden. Sie verlangen Mitspracherecht bei der Vergabe der Marktrechte.

Neviges. „Ich bin ein bisschen erzürnt, wie Bürgermeister und Verwaltung mit den gewählten Ratsgremien umgehen“, ärgerte sich Bezirksausschussvorsitzender Rainer Hübinger. Zum 1. April werden die Velberter Wochenmärkte neu vergeben. „Bis dahin haben wir kaum eine Möglichkeit, das Ruder rumzuwerfen“, beschwert sich der SPD-Mann über den Zeitdruck. Die Verwaltung sieht die Vergabe der Wochenmärkte als laufendes Geschäft an, bei dem der Rat kein Mitspracherecht hat, so hatte es zuvor Jürgen Wosimski von den Bürgerdiensten dem Ausschuss mitgeteilt.

Matthias Gohr, SPD

„Der Rat hat ein Recht, sich solche Angelegenheiten zurückzuholen“, pochte Jörg Möller von den Linken auf den Einfluss der Politik. „Wir haben sogar die Satzung geändert, um nach Gewerbeordnung die Marktvergabe durchzuführen“, erinnerte August Friedrich Tonscheid den Anspruch der Volksvertreter. „Warum lässt man uns dumm sterben, Bewerbungen liegen uns nicht vor“, polterte der streitbare Kopf von Velbert anders. „Es gäbe auch die Möglichkeit, den Markt städtisch zu betreiben“, fuhr er fort.

„Genau, das war nur Bequemlichkeit von der Stadt, die Sache abzugeben“, klärte Brigitte Djuric von der SPD auf. Mit der derzeit tätigen Marktgilde sind die Vertreter aller Parteien durchweg unzufrieden: „Es ist immer weniger geworden“, klagt Marlies Ammann (CDU). „Die Marktgilde hat bewiesen, dass sie es nicht kann“, so die Erkenntnis von Matthias Gohr (SPD).

„Am 7. Februar endet das Anhörungsverfahren“, informierte Jürgen Wosimski, der ein Losverfahren unter den Bewerbern für die gerechteste Lösung hält. „Das ist das Verkehrteste, was man machen kann“, entsetzte sich August-Friedrich Tonscheid. „Gerade der Nevigeser Markt ist noch immer der attraktivste in ganz Velbert.“

Helmut Wulfhorst, Werbegemeinschaft

Einstimmig beschlossen die Politiker, dass sie die Entscheidungskompetenz in dieser Sache von der Verwaltung zurückfordern. „Leiten sie diesen Beschluss sofort dem Bürgermeister weiter“, drängte Tonscheid die Rathausmitarbeiter. „So eine Verlosung ist mehr als peinlich, dann können demnächst auch auslosen, wer Bürgermeister wird“, empört sich Helmut Wulfhorst, der zweite Vorsitzende der Werbegemeinschaft Neviges, die sich unter anderen um die Vergabe des Marktes bewirbt.

„Für uns Händler ist der Donnerstag mit dem Markt sehr wichtig, da werden die Kassen gut gefüllt. Wir können nicht zuggucken, wie alles immer weniger wird“, so der Kämpfer für den Nevigeser Handel. „Bis zu 50 Händler können den Markt beschicken, zuletzt kamen an manchen Markttagen gerade mal 15“, hat Wulfhorst nachgezählt. „Es geht nicht nur um unsere Existenz, sondern auch um die der Marktbeschicker.“ Der Vizechef der Werbegemeinschaft glaubt, dass sein Verein einen guten Markt hinbekommt. Man ist auch bereit, viel Zeit zu investieren, um interessante Angebote nach Neviges zu holen. Daneben betont Wulfhorst die bestehenden guten Kontakte: „Wir haben viel Vertrauen bei den Beschickern.“

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