Velbert : Nevigeser Religionsgeschichte erwandern

Drei neue Entdeckerschleifen des Neanderland-Steigs im Stadtgebiet vorgestellt.

Vor einer Woche herrschte noch kältestarrender Winter, jetzt locken Sonnenschein und vorfrühlingshafte Temperaturen: Kurz vor dem Wandersaison-Start wurde der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus über die neuen Routen informiert. Der Neanderland-Steig führt in 17 Etappen über 240 Kilometer durch das Neanderland, verläuft entlang von Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten, passiert Badeseen und Moore, Heidelandschaften, ausgedehnte Forste und Naherholungsgebiete – eine naturnahe Möglichkeit, den Kreis Mettmann als Wander- und Urlaubsregion zu entdecken, wie es in der Beschreibung des kulturhistorischen Wanderwegs heißt. Entlang der Route gibt es die Entdeckerschleifen: Zwischen zwei und 19 Kilometer lange Rundwege, die das Wanderangebot seit 2018 ergänzen und zu Halbtages- und Tagestouren entlang der besonderen Sehenswürdigkeiten der Städte einladen. Gut 20 dieser Schleifen gibt es in neun der zehn kreisangehörigen Gemeinden inzwischen, weitere sind in Planung. Mit nunmehr sieben zählt Velbert aktuell die meisten Rundwege.

Angesichts der Pandemielage verzichtete VMG-Geschäftsführer Olaf Knauer im Ausschuss auf die ausführliche Darstellung, zumal die Flyer der neuen Routen für sich sprechen: Historisch wie geografisch ins Herz von Neviges führt der 4,9 Kilometer lange Weg „Protestanten und Franziskaner“. Startpunkt der auf 90 Minuten Dauer angelegten Tour mit einer Höhendifferenz von 96 Metern und der Schwierigkeitsstufe „mittel“ ist der Pilgerparkplatz an der Bernsaustraße. Neben der Altstadt mit evangelischer Stadtkirche stehen der Mariendom und die Wallfahrtsgeschichte im Mittelpunkt der ersten Meter. Über den Kreuzberg geht es vorbei an Schloss Hardenberg und längs der Bahnlinie bis zum Zwingenberger Weg. Durch naturbelassene Landschaft führt der Weg entlang des jüdischen Friedhofes und östlich des Marienberges zurück zur Ortsmitte.

Ebenfalls neu ist die elf Kilometer lange Entdeckerschleife „Biohöfe im Windrater Tal“, die am Restaurant „Bergische Schweiz“ an der Donnerstraße startet. Dreieinhalb Stunden sollte man für die mittelschwierig eingestufte Tour kalkulieren, die eine Höhendifferenz von immerhin 312 Metern aufweist. Ziel sind zunächst die in biologischer Landwirtschaft geführten Höfe mit ihren Erzeugnissen und die Windrather Kapelle. Über Nordrath, Deilbachmühle und Bemberg geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Die dritte Tour „Vom Kleineisen zur Sicherheit“ begibt sich auf die Spuren der Velberter Industriegeschichte. Durch die Innenstadt führt der Weg über Offerbusch und Herminghauspark in den Langenhorster Wald auf den einstigen Schleppweg und damit zur Geschichte von Erz- und Kohleförderung. Über Hefel und Zechenweg erfolgt die Rückkehr in die Moderne ins Industriegebiet Röbbeck. Die mittelschwere Strecke ist 9,8 Kilometer lang und überwindet 140 Höhenmeter, die Dauer der Wanderung ist mit drei Stunden angesetzt.

„Die Flyer zu den Entdeckerschleifen gibt es bei den Kommunen und zum Download auf der Homepage des Neanderland-Steigs“, erklärt Arne Jährling vom Team Tourismus des Kreises Mettmann. Im Netz finden sich Beschreibungen der Etappen und Hinweise zu Sehenswertem am Weg, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten (siehe Kasten). Auf der Velberter Seite fehlt allerdings gerade die Tour „Senderberg und Kletterwald“, weil der Verlauf zurzeit überarbeitet wird, so Jährling. „Die Schleifen werden sehr gut angenommen. Das lässt sich an hohen Downloadzahlen ablesen“, freut sich der Touristiker. Einen deutlichen Schub habe die Corona-Pandemie gebracht, wohl weil es die Leute in Lockdown-Zeiten verstärkt in die Natur ziehe. Auch Velberts Wirtschaftsförderer hatten dies festgestellt.