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Nevigeser Friedhofsaktion motiviert weitere Helfer

Velbert-Neviges : Friedhofsaktion motiviert weitere Helfer

Freiwillige säuberten an der Siebeneicker Straße wieder verwilderte Gräber.

Lärmend führt Stephan Schnautz das rotierende Messer der Motorheckenschere durch das dichte Grün. Als der Hausmeister der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde das abgeschnittene, dichte Efeu zur Seite schiebt, kommt eine Mauer und ein kleiner Treppenaufgang zum Vorschein. Hier war einmal ein Grab, die Liegezeit ist lange abgelaufen, keine Angehörigen kümmern sich mehr darum. Im Laufe der Jahre wucherte die Grabstätte von beiden Seiten her zu.

Nach zwei erfolgreichen Säuberungsaktionen hatte die Gemeinde jetzt wieder Freiwillige gesucht, die für ein bis zwei Stunden den Wildwuchs entfernen, der sich besonders auf den Gräbern des Friedhiofs an der Siebeneicker Straße in Richtung des Hangs breit macht. Eigenes Arbeitsgerät und Handschuhe konnten mitgebracht werden oder wurden gestellt. Bei Björn Gottschalk aus Tönisheide traf der Aufruf auf offene Ohren: „Ich bin einfach gekommen, um zu helfen“, so der gelernte Altenpfleger und zieht mit der Harke das Unkraut zusammen. „Zuhause mach ich ja auch Gartenarbeit.“ Heike Otto-Schuch hat eine besondere Beziehung zu dem Friedhof: „Hier liegen meine Männer: Vater, Bruder und Ehemann. Ich möchte mich auf dem Friedhof wohler fühlen, deshalb mache ich mit. Viele reden immer nur und lassen ihren Frust raus, ich mache etwas“, so die Nevigeserin, die mit ihrer Mutter die Ruhestätten der Angehörigen in Ordnung hält und nun auf einer unbekannten Grabstelle tätig geworden ist.

Nach der zweiten Aktion 2020 waren Heike Otto-Schuch einige der frisch hergerichteten Stellen sofort aufgefallen. „Als zwei Friedhofsgärtner vorbei kamen, habe ich mich bei denen bedankt. ,Nein, das waren wir nicht’, antworteten die und berichteten von der Freiwilligenhilfe. Toll, dass es so etwas gibt, da mache ich doch gerne mit.“

Mitarbeiter der Friedhofsgärtnerei Jung-Schiller kümmern sich um den Abtransport des Grünschnitts, ebenso decken sie die frisch gesäuberten Flächen mit Rindenmulch zu. „Wir hatten mal überlegt, diese abgelaufenen Gräber mit Rasen einzusäen, aber aufgrund der Stufen und Treppen ist das Mähen sehr umständlich“, beschreibt Dietgard Reith die Situation. Die Tatsache, dass viele Gräber verwildern, liege daran dass sich die Bestattungskultur verändert hat. Viele Menschen möchten nach ihrem Tod ein Urnengrab, um Angehörige nicht mit Grabpflege und Kosten zu belasten. Die evangelische Gemeinde hat auf den Trend mit einem Kolumbarium reagiert, im Frühjahr wurde eine gestaltete Urnenanlage im Stil eines Bauerngartens vorgestellt. Die Nachfrage nach einer letzten Ruhestätte dort ist groß: „Von den 30 Plätzen sind bereits zehn belegt, das Angebot kommt gut an“, stellt Presbyterin Dietgard Reith nach einem halben Jahr fest.