Neviges: Die erste Zigarette bei der Klassenfahrt

Neviges. : Die erste Zigarette bei der Klassenfahrt

Einschulung vor 60 Jahren: Ehemalige Schülerinnen und Schüler der evangelischen Burgfeldschule tauschten jetzt beim Wiedersehen in Neviges Erinnerungen aus.

Gestern vor 60 Jahren war ein großer Tag für viele kleine Menschen: Der erste Schultag. Während die Jungen und Mädchen den Ranzen schulterten und mit einer großen Schultüte im Arm ihren ersten Gang in den neuen Lebensabschnitt antraten, hatte Dietmar Knopf keine Zuckertüte in der Hand. „Ich hatte drauf verzichtet, dafür bekam ich einen bestimmten Spielzeug-Lkw, da hatte ich länger was von“, blickt der Nevigeser im Gespräch mit der WZ zurück. Fast auf den Tag genau trafen sich die Kinder wieder, die damals an der evangelischen Volksschule am Burgfeld in drei Klassen eingeschult wurde. Die Zusammensetzung wurde im Laufe der Zeit ordentlich durchmischt. „Nach vier Jahren gingen einige auf weiterführende Schulen, andere Kinder kamen zu uns, weil die Landschulen in Windrath und in Nordrath aufgelöst wurden“, erinnern sich Claudia Kaufmann und Dietmar Knopf, die das Wiedersehen im Parkhaus Seidl organisiert hatten.

„Leider sind die Lehrer nicht gekommen“, bedauerten die Ex-Schüler. Die Schulmeister waren damals sehr streng, körperliche Züchtigung war durchaus üblich. Claudia Kaufmann kann sich gut daran erinnern, dass Lehrer Eichert im Radiergummi werfen sehr treffsicher war. „Der Rohrstock wurde häufig benutzt, gerne wurde mal auf die Hand gehauen. Ich weiß das, ich lüge nicht“, bekräftigt Dietmar Knopf. „Es herrschte Zucht und Ordnung, deutscher Drill, aber nicht so kasernenhaft, die Lehrer versuchten schon, auf jeden einzeln einzugehen“, so der ehemalige Schüler, der viel Verständnis für die damaligen Pädagogen aufbringt.

„Die hatten alle aus dem Krieg ihre Traumata mitgebracht. Ich mache denen keinen Vorwurf, von Misshandlungen kann überhaupt keine Rede sein.“ Der 1959-ziger Jahrgang war etwas ganz besonderes: „Wir waren die ersten Volkschüler, die neun Klassen durchmachten, außerdem kamen wir in den Genuss der so genannten Kurzschuljahre.“

An mehrtägige Klassenfahrten kam man sich nicht erinnern. „Das war den Lehrern wohl zu viel Arbeit“, so Claudia Kaufmann. Tagesfahrten gab es schon. Schloss Burg war so ein beliebter Ausflugsort, wo man in die Geschichte des Bergischen Landes eintauchte. Die Klasse von Achim Peter hatte sich ein anspruchsvolleres Ziel gesetzt: „Wir fuhren nach Brüssel ins Atomium – das war eine coole Sache.“ Das 102 Meter hohe Bauwerk wurde im Rahmen der Expo 58 gebaut: Neun begehbare Kugeln stellen ein Eisenkristall dar.

Trotz der strengen Erziehungen überwiegen positive Erinnerungen

Noch aufregender als der Besuch dieses Symbols des Atomzeitalters war für die Teenager die Fahrt in die belgische Hauptstadt. „Ich habe dabei zum ersten Mal die ,Bravo’ gelesen“, erinnert sich der heutige Langenberger Achim Peter an die denkwürdige Fahrt. „Und wir haben in den Waggons das Rauchen angefangen.“ „Ich habe es mir gleich wieder abgewöhnt“, entgegnet Dietmar Knopf froh. „Das war ein fürchterliches Kraut, was da geraucht wurde. „Ernte 23 und Rothändle, so hießen die damals angesagten Marken.“

Trotz der strengen Erziehung überwiegen die positiven Erinnerungen: „Aus jedem von uns ist etwas geworden.“ Im Laufe der Zeit sind neun Ex-Schulkameraden verstorben, die jüngste wurde nur 30 Jahre alt. Die meisten Teilnehmer kamen zum Klassentreffen aus Neviges und Umgebung, auch aus Bad Neuenahr reiste eine ehemalige Mitschülerin an. „Eine hat es nach Griechenland verschlagen, die war gerade zu Besuch in Neviges, musste aber vorige Woche schon zurück“, erzählte Organisator Knopf.