Neviges: Das Osterfeuer - vom heidnischen Brauch zum christlichen Symbol

Velbert : Vom heidnischen Brauch zum christlichen Symbol

Die Stadt Velbert hat 14 Osterfeuer genehmigt, davon finden am kommenden Wochenende allein acht in Neviges statt.

Feuer übte schon immer eine besondere Faszination auf den Menschen aus, vielen altertümlichen und heidnischen Kulturen waren die Flammen, die sich wie ein lebendiges Wesen gebärden, heilig. Eine besondere Tradition stellten die Frühlingsfeuer dar, mit denen der Sieg des Lichtes über den Winter gefeiert wurde. In etlichen Regionen sind die Frühlingsfeuer bis heute in unterschiedlichster Ausprägung erhalten geblieben. In der christlichen Kirche soll das Osterfeuer um das Jahr 750 zum Brauch geworden sein, es steht als Symbol für das Lichtwerden durch die Auferstehung Jesu.

In der katholischen Kirche gehört es heute zur Liturgie der Osternacht: Die Messe beginnt vor dem Gotteshaus mit dem Entzünden eines kleinen Feuers, das anschließend geweiht wird. An den Flammen wird die Osterkerze entzündet, die der Priester, gefolgt von der Gemeinde, mit dem dreimaligen Ruf „lumen christi!“ – Licht Christi! – in die bis dahin dunkle Kirche trägt.

Die Osterfeuer sind in Neviges beliebte Treffpunkte

Auch in Neviges gehören Osterfeuer zum lange gepflegten Brauchtum. Sie werden zumeist am Samstag, einige auch am Sonntag entzündet und sind, ob mit oder ohne religiösen Hintergrund, gut besuchte Treffpunkte (siehe Kasten). Ein Feuer mit langer Tradition veranstalten am Ostersonntag die katholischen Pfadfinder auf dem Marienberg – „mindestens seit 25 Jahren“, schätzt deren Kuratin Ann-Christin Daldrup. Davor lag das Brauchtum in den Händen des Pfarrjugendausschusses, und wer noch weiter zurückgehen möchte, müsste wohl die alten Nevigeser fragen. Eine Woche vor Ostern ziehen die Pfadfinder los, um mit Bruder Konrad Holz für das Feuer auf dem Berg zu sammeln. Einen beträchtlichen Teil hat der Franziskaner, der den Marienberg gärtnerisch betreut, bereits im Laufe des Jahres zusammengetragen. „Es ist zugleich auch ein Waldputz“, erläutert Daldrup, denn dabei werden die Äste und Zweige gesammelt, die die Winterstürme herabgerissen haben. Auch die trockenen Weihnachtsbäume aus Wallfahrts- und Pfarrkirche kommen auf den Holzstapel, der am Karsamstag aufgeschichtet wird. Am Sontagabend ziehen die Besucher den Marienberg hinauf – Pfadfinder mit ihren Angehörigen, Gemeindemitglieder, Nevigeser und auch viele Ex-Nevigeser, die das Osterfeuer als Treffpunkt schätzen. Um die 200 Besucher sind es alljährlich, schätzen die Pfadfinder, je nach Wetter mal mehr, mal etwas weniger. Der erfahrene Teilnehmer hat ein Taschenmesser dabei, um einen Ast für das Stockbrot zu schneiden, eine Tasse für den Tee, den die Pfadfinder ausschenken – für das leibliche Wohl sorgt der Förderverein mit einem Grill – und eine Taschenlampe, um im Dunklen sicher wieder den Berg hinabzusteigen.

An einem kleinen Feuer
backen sich Kinder Strockbrot

Um 18 Uhr wird für die Kinder ein kleines Feuer für das Stockbrot entzündet, um 18.30 Uhr treffen sich die Kleinen außerdem zur Ostereiersuche. Um 19 Uhr wird schließlich das eigentliche Osterfeuer entzündet: Zuvor haben Pfadfinder eine Fackel an der Osterkerze in der Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis entflammt, um sie danach gemeinsam mit den Franziskanern auf den Marienberg zu tragen. Nach einem Gebet und der Segnung wird schließlich das Feuer mit der Fackel entzündet – in diesem Jahr mit Sicherheit ein höchst emotionaler Moment, ist es angesichts der bevorstehenden Schließung des Klosters wohl das letzte Mal, dass die Franziskaner die Flamme des Osterlichtes auf den Marienberg bringen.

Erst am frühen Morgen werden die letzten Besucher hinabgehen nach Neviges, während die Pfadfinder an der inzwischen gelöschten Feuerstelle Nachtwache halten und sicherzustellen, dass das Feuer nicht wieder aufflammt: „Am Montag muss schließlich alles wieder abgebaut sein“, sagt Ann-Christin Daldrup.

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