Neujahrskonzert der Kreissparkasse: Von New York nach Wülfrath

Neujahrskonzert der Kreissparkasse: Von New York nach Wülfrath

Die WZ schaute hinter die Kulissen der traditionellen Veranstaltung und traf den Überraschungsgast, Opernstar Everett Suttle.

Wülfrath. Vor den geschlossenen Türen zum großen Saal des Paul-Ludowigs-Hauses im Wülfrather Stadtteil Rohdenhaus wird das Raunen und Rauschen immer lauter. 500 Menschen sind schon ganz ungeduldig und warten darauf, dass sich die Türen öffnen. Drinnen lassen sich auf der Bühne die Sängerinnen und Sänger nicht beirren.

Die letzte Zugabe wird schon mal angetestet. Zum ersten Mal sind die sechs Könner gemeinsam auf der Bühne — und juxen und albern, als würden sie seit Jahren gemeinsam auftreten. „O sole mio“ — was für ein Spaß. Und mittendrin jemand, der gar nicht im Programm zu finden ist. Eine Überraschung. Und was für ein Hochkaräter.

Everett Suttle ist der Koloss mit dem tiefschwarzen Bart und der hohen Stimme. Ein Tenor — eben noch in New York, jetzt in Rohdenhaus — und am nächsten Tag zurück in den „Big Apple“. Sein Auftritt bei den Neujahrskonzerten der Kreissparkasse Düsseldorf sagt viel über diese Reihe, die sich seit 26 Jahren hält. „Ein Glücksfall und so nicht zu planen“, kommentiert Karl-Heinz Nacke Suttles Gastspiel.

Nacke sitzt bei der letzten Probe auf einem Stuhl in der siebten Reihe. In 60 Minuten geht’s los. „Was für ein Profi“, sagt er anerkennend. Auf der Bühne üben Everett Suttle und Morenike Fadayomi (Sopran) ein Duett aus der Verdi-Oper La Traviata. Innig. Versunken. Bezaubernd. Operndirektor Stephen Harrison begleitet das Duo am Flügel. Sparsam. Er kann zwischendurch sogar eine SMS auf seinem Smartphone kontrollieren.

Wie kommt man an so einen Künstler wie Suttle, der schon auf allen großen Operbühnen gestanden hat? „Mailand, Paris, ich war über all“, sagt der dunkelhäutige Opernstar, der aus LaFayette, im US-Bundesstaat Georgia stammt. Über die „gute Freundin“ Fadayomi kam der Kontakt zustande. „Sie habe einen Freund zu Besuch, ob er nicht auch auftreten könnte“, erinnert sich Nacke an ihre Offerte. „Da überlegst Du nicht lange.“

Suttle genießt diesen Rahmen in Rohdenhaus. „Du spürst hier einfach eine Wärme und Herzlichkeit“, sagt er. Da spiele es keine Rolle, ob es die Met ist oder das Paul-Ludowigs-Haus. Mit den anderen Künstlern gibt es keine Probleme. Das Trinklied aus La Traviata ist schon bei der ersten Probe eine Riesengaudi. „Das ist doch schön, wenn die Arbeit Spaß macht“, sagt er. Und Spaß haben dann die 500 Besucher in Rohdenhaus auch.

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