Nachfolger mit Herzblut gesucht

Renate Weisemann gibt ihr Café Schwan zum Jahreswechsel in neue Hände. Für die Gäste soll sich aber kaum etwas ändern.

Wülfrath. Schwanenstraße, das ist seit Jahrzehnten die Straße mit dem Café — und das soll auch so bleiben. Nur die Zeit mit Renate Weisemann geht zu Ende. Zum Jahreswechsel möchte die 67-Jährige ihr Lokal an einen neuen Betreiber abgeben. „Es macht mir nach wie vor Spaß, aber ich merke, dass ich an meine Grenzen stoße“, sagt die Wuppertalerin im Gespräch mir der WZ. Zudem wolle sie sich in Zukunft mehr um ihren kranken Mann kümmern.

In zehn Jahren machte Renate Weisemann das Café Schwan wieder zu einer festen Adresse. Der Start sei nicht leicht gewesen, sie habe sich die Kundschaft erst wieder neu aufbauen müssen, erinnert sich die Chefin. „Meine Vorgängerin hatte ganz eigene Vorstellungen“, sagt Weisemann. „Sie wollte ein Wiener Café in Wülfrath etablieren.“ Das habe aber nicht funktioniert, so dass der Betrieb nach einem Jahr ohne Erfolg wieder die Türen schloss.

Dann schlug Weisemann zu, die bis dahin die einzigen Gastronomie-Erfahrungen im Schülercafé an einem Wuppertaler Gymnasium gesammelt hatte. „Da habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das macht“, berichtet Weisemann. Organisationstalent hatte sie bereits vorher als Chefsekretärin bewiesen, unter anderem zehn Jahre in der Unternehmensleitung von Vorwerk.

Doch die Arbeit im Café sollte Weisemann eigentliche Berufung werden. Es passte besser zu ihr. „Weil man mehr mit Menschen in Kontakt kommt und weniger am Schreibtisch sitzt.“ Auf das Café Schwan à la Renate Weisemann hatte Wülfrath gewartet. Unter anderem punktete die gemütliche Lokalität in der Altstadt durch gutbürgerliche Küche zum Mittag. Das passte zu Wülfrath. „Wir haben eine Lücke entdeckt und diese ausgefüllt“, sagt Weisemann nicht ohne Stolz.

So ein Umbruch wie vor zehn Jahren soll es mit dem kommenden Wechsel nicht noch einmal geben — schließlich rollt der Rubel. „Das Café Schwan bleibt so, wie es jetzt ist“, sagt Weisemann, die in diesen Tagen viele Stammkunden beruhigen muss. „Das ist ja eine Institution und die soll es auch bleiben.“ Sie sei bereits mit drei konkreten Interessenten im Gespräch. Für sie kommen nur Nachfolger infrage, für die ein Café mehr ist, als eine Geldanlage. „Ich suche auf jeden Fall das Herzblut“, sagt Weisemann.

Für Weisemann, das weiß sie jetzt schon, wird der Übergang in den Ruhestand eine Herausforderung. Daher will sie zunächst noch im neuen Café mithelfen, auch um es dem neuen Betreiber leichter zu machen. Und dann? „Ich werde mir neue Aufgaben suchen. Zum alten Eisen gehöre ich noch nicht“, sagt sie. So möchte die Gastronomin in Zukunft mehr Zeit in den Garten stecken und öfter wandern. „Vielleicht werde ich auch gemeinnützig tätig sein“, sagt Weisemann.

Wie es an der Schwanenstraße 4 weitergeht, das wird Renate Weisemann weiterverfolgen. Jeden Dienstag trifft sie sich weiterhin mit ihrem Frauenstammtisch am altbekannten Ort. Als Gast.

Weisemann blickt zwiegespalten auf ihren baldigen Abschied. „Ich bin auch froh, etwas Ballast abwerfen zu können“, sagt sie. An ihrem Fazit zu ihrer Zeit in Wülfrath ändert das trotzdem nichts: „Das waren eigentlich für mich die schönsten zehn Jahre hier.“