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Nabu Velbert sammelt Müll aus Kinderstube von Molchen

Velbert : Nabu sammelt sieben Säcke Müll aus der Kinderstube von Molchen

Am Panoramaradweg werden vor allem viele Zigarettenkippen achtlos weggeworfen.

Vor wenigen Tagen hat Martin Hankammer, aktiver Amphibienretter der Velberter Gruppe des Naturschutzbunds Deutschlands (Nabu), bei seinem abendlichen Spaziergang auf dem Panoramaradweg Niederbergbahn einige gut mit Regenwasser gefüllte Gräben entdeckt. Da Molche auch gerne kleine Tümpel zum Laichen aufsuchen, inspizierte der passionierte Naturschützer die potenziellen Molch-Lebensräume im Umfeld des ehemaligen Stellwerks am Bahnhof Velbert mit seiner Taschenlampe. Dabei konnte er feststellen, dass die Gräben in der Nähe der Langenberger Straße als Kinderstube für die Aufzucht des Nachwuchses tatsächlich bereits angenommen worden waren.

Molche sind nicht einfach in ein anderes Gewässer umzusiedeln

In die Freude darüber mischte sich allerdings umgehend auch großer Ärger, denn der Bereich sah nicht etwa aus wie ein romantisches Naturparadies. Überall lag reichlich Müll herum, und das, obwohl die Technischen Betriebe Velbert (TBV) entlang der beliebten Fahrradtrasse regelmäßig reinigt. „Nun dürfen Molche, als besonders geschützte Tiere, nicht etwa der Natur entnommen und in ein anderes Gewässer gebracht werden. Sie müssen, wenn keine besondere Genehmigung der Naturschutzbehörden vorliegt, bleiben, wo sie sind. Also hilft nur eine Verschönerungsaktion für das Umfeld: Der Müll muss weg, und zwar dahin, wo er hingehört“, erklärt Barbara Orfeld für den Nabu Velbert.

Ein paar E-Mails und Telefonate später, unter anderem mit den Zuständigen der TBV und Amphibienfreunden des Nabu, waren ein zehnköpfiges Team und der Termin organisiert. „Bestens ausgerüstet mit Zangen, Schutzhandschuhen und Müllsäcken, die die Technischen Betriebe der Stadt unkompliziert zur Verfügung gestellt haben, begann die Reinigungsaktion am vergangenen Samstag, 12. Juni, um 10.30 Uhr zwischen den Radweg-Auffahrten Metallstraße und Sieperstraße“, berichtet Barbara Orfeld. Gearbeitet wurde solange, wie die Kräfte reichten. „Trotz des Bückens und unseres fortgeschrittenen Alters waren schließlich sieben Säcke gefüllt, unter anderem zig Kronkorken, Glasscherben und vor allem jede Menge Zigarettenstummel“, so Barbara Orfeld im Gespräch mit der WZ. Vor allem die achtlos weggeworfenen Hinterlassenschaft des Rauchens sei eine giftige Hinterlassenschaft, sei nicht nur für Molche ein lebensbedrohliches Problem. „Wer Zigarettenkippen für kompostierbar und harmlos hält, der irrt: Die in den Filtern enthaltenen Giftstoffe, wie Schwermetalle, Arsen und das Nervengift Nikotin vergiften das Bodenleben und Wasser. Tiere können auch sterben, wenn sie Zigarettenfilter mit der Nahrung aufnehmen. Die Filter verrotten nur sehr langsam. Vögel nutzen beispielsweise die Stummel auch als Nistmaterial“, erklärt die Naturschützerin.

Passanten hätten am Samstag bekundet, dass sie es toll finden, dass der Nabu den Müll aufsammelt. „Noch besser wäre es natürlich, wenn der erst gar nicht in der Natur landet. Es gibt genug Mülleimer, auch mit Aschervorrichtung, am Panoramaradweg“, appelliert Barbara Orfeld an die Raucher aber auch an alle anderen Velberter und Nutzer. Einerseits habe zwar gerade Corona gezeigt, welchen Erholungs- und Freizeitwert Einrichtungen wie der Panoramaradweg haben. Allerdings ist es im Grünen nur solange schön, wie das Umfeld nicht vermüllt wird. „Hier sind alle Velberter aufgefordert, Selbstdisziplin zu üben“, so Barbara Orfeld abschließend.