Neviges: „Mutter hat frei“ wagt den Neustart

Neviges : „Mutter hat frei“ wagt den Neustart

Ende März musste der Verein die Kinderbetreuung plötzlich einstellen. Doch im August soll es weitergehen.

. Die Bauklötze liegen in der Ecke, die Kinderschuhe stehen nicht mehr vor den Räumen des Kinderbetreuungsvereins „Mutter hat frei“. Ausgerechnet im 50. Jahr seines Bestehens musste der Verein seine Tätigkeit Anfang März einstellen. Die Erste Vorsitzende Sabrina Hirt macht veraltete Strukturen und den Abschied zweier Erzieherinnen dafür verantwortlich: „Besonders der plötzliche Weggang unserer Mitarbeiterinnen aus persönlichen Gründen hat uns wie der Blitz getroffen. Quasi von einem Tag auf den anderen standen wir ohne Personal da. Es war uns einfach nicht möglich, so schnell einen Ersatz zu finden.“

Rechtliche Rahmenbedingungen bereiten Kopfschmerzen

Die personelle Situation ist nicht das einzige Problem. Die nicht mehr zeitgemäßen Vereinsstrukturen und neue rechtliche Rahmenbedingen haben dem Vorstand Kopfschmerzen bereitet: „In 50 Jahren Vereinsgeschichte hat sich eine Menge Papier angehäuft, das gesichtet und sortiert werden muss“, berichtet Kassenwartin Britta Paskowski. „Nachdem Sabrina Hirt, Yvonne Tewes und ich im November 2018 den Vorstand übernahmen, hatten wir uns einen ersten Überblick verschafft und standen vereinsrechtlichen und anderen juristischen Hürden gegenüber.“ Die Einstellung der Betreuung mit der sofortigen Kündigung waren unausweichlich.

Doch das ist nicht das Ende der 50-jährigen Vereinsgeschichte: Ein Wirtschaftsprüfer hatte die Finanzen unter die Lupe genommen und gab sein Okay für die rechtssichere Weiterführung, jetzt wird sich der Verein mit einer aktuellen Satzung neu aufstellen. Ziel ist nicht nur die Wiederaufnahme der Kinderbetreuung, sondern auch die Erweiterung des Angebotes. So wird geprüft, ob „Mutter hat frei“ an drei anstatt bisher zwei Tagen öffnet, zumindest sollen die Betreuungszeiten verlängert werden.

Unterstützt wird der Verein durch das „Domizil“. Das Altenheim hatte bereits 2015 den Verein durch eine Spende gerettet, 2017 hat wurde das Burgfeld die neue Heimat für die acht Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren. „Wir haben dort zwei kleine Räume und ein kleines Badezimmer, das jetzt auch noch kindgerecht ausgestattet wurde“, lobt Hirt, die selbst als kleines Kind bei „Mutter hat frei“ spielte, damals im evangelischen Gemeindezentrum in Siepen.

Im Juni soll das Jubiläum gefeiert werden. „Aufgrund der augenblicklichen Situation wissen, wir noch nicht, wie wir das begehen.“ Jetzt ist man auf der Suche nach zwei ausgebildeten Erzieherinnen, es können gerne auch Männer sein, die auf Minijobbasis die Kinderbetreuung von 8.30 bis 12 Uhr an zwei bis drei Tagen übernehmen wollen. „Zum 1. August soll es wieder losgehen“, so Hirt zu den Plänen des Vorstands.

Frank Behrend, der Geschäftsführer des Domizils, wünscht den Bemühungen den Vereinsvorstand viel Erfolg. „Dann kommt endlich wieder Leben in die Bude“, freut er sich. Das ist für die alten Leute, die die Tagespflege besuchen, ein tolle Sache, die Kinder sind für die eine echte Bereicherung.“ Gerne denkt er daran zurück, wie gemeinsam für Weihnachten gebastelt wurde oder wie im vergangenen Jahr zusammen Ostereier gesucht wurden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung