Musikschule: Eltern besorgt über Zentralisierungs-Pläne

Musikschule: Eltern besorgt über Zentralisierungs-Pläne

Eine Befragung des Elternbeirats hat ergeben, dass ein Standortwechsel abgelehnt wird.

Velbert. Die Diskussion um eine Zusammenlegung Velberter Kultur- und Bildungseinrichtungen hat am Mittwoch im Kulturausschuss neue Früchte getragen. Zum Nachtragshaushalt 2013 hatte die Stadtspitze angeregt, die Kosten für Volkshochschule, Bücherei und Musikschule durch eine „Zentralisierung“ um rund 400 000 Euro pro Jahr zu senken. Der Begriff sei irreführend, gestand Beigeordneter Holger Richter ein.

„Bei der Bücherei geht es nur um die Verlagerung der Verwaltung, die drei Standorte wollen wir erhalten“, erläuterte Ulrich Stahl, Leiter des Fachbereichs Kultur. Bei VHS und Musikschule sei eine zentrale Stelle jedoch durchaus von Nutzen, weil beide Einrichtungen auf diverse Gebäude verteilt sind (siehe Kasten).

Mitglieder des Kulturausschusses sahen ein Mobilitätsproblem: „Es gibt eine große Unruhe in der Stadt, weil viele Leute sagen: Ich schicke mein Kind nicht mit der Geige oder gar dem Cello von Langenberg nach Neviges“, sagte Wigrid Wohlmann (CDU). Ähnlich empfand es Esther Kanschat (Grüne): „Fünfjährige Kinder müssen von ihren Eltern zur Musikschule gefahren werden. Denen kann man nicht sagen: Nimm mal den Bus, husch, husch!“

Volker Seitz, Vorsitzender des Elternbeirats der Musikschule, ist in dieser Situation. Er wohnt mit seiner Familie an der Eichholzstraße: „Ich habe vier Kinder, die die Musikschule besuchen. Mein 17-jähriger Sohn fährt zur Hardenbergschule, aber meine drei jungen Töchter gehen in Velbert-Mitte zum Musikunterricht.“ Seitz hat in den Osterferien eine Befragung durchgeführt, an der sich 335 Eltern beteiligten. Sie ergab, dass 95 Prozent einen Standortwechsel ablehnen und 76 Prozent ihre Kinder bei einer solchen Änderung abmelden würden.

Nachdem das David-Peters-Haus in Neviges wegen Schimmelbefall nicht mehr genutzt werden konnte, wurden Teile des Unterrichts seit 2011 unter anderem in die Hardenbergschule verlagert. Dort könnte die Musikschule nach Überlegungen der Verwaltung ihre künftige Basis erhalten. Eine Festlegung auf Ortsteile soll nun jedoch aus dem Entwurf entfernt werden.

Volker Seitz hatte zunächst einen offenen Brief an Bürgermeister Stefan Freitag geschrieben, auf den er am 5. April eine Antwort erhielt: Darin weist Freitag darauf hin, dass mit der anstehenden Beschlussfassung des Rates „lediglich ein Prüfauftrag an die Verwaltung verbunden sein wird.“ Sie müsse ein Konzept erstellen, „wie eine Zentralisierung der Musik- und Kunstschule, VHS und Stadtbücherei erfolgen könne. Nach der Beschlussfassung werde ich Elternschaft, Förderverein und Lehrerkollegium kontaktieren, um in die Diskussion gemeinsamer Lösungsvorschläge einzusteigen.“

Der Stadtrat tagt dazu am 23. April. Bis dahin will der Elternbeirat jedoch nicht warten. Seitz hat für Donnerstag, 18. April, eine Versammlung einberufen. Sie soll durch eine Podiumsdiskussion ergänzt werden, zu der neben Stefan Freitag auch Kämmerer Sven Lindemann und die Leiterin der Haaner Musikschule eingeladen sind. Die Versammlung beginnt um 18 Uhr im Haus Kaiserstraße 12.

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