Wülfrath: „Müssen um jede Gewerbefläche kämpfen“

Wülfrath : „Müssen um jede Gewerbefläche kämpfen“

CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Effert will auch dem Schuldenberg entgegensteuern.

. „Die VHS in das ehemalige VHS-Gebäude zurückzuholen ist Schilda.“ Axel Effert, Fraktionsvorsitzender der CDU, hat sich mit der vergangenen Ratssitzung noch nicht abgefunden, wie im Sommergespräch mit der WZ deutlich wird. „Das Dezernat III, das sich ansonsten immer über eine Überlastung beklagt, behauptete, dass die Planungen keine Arbeit machen, weil die Stadt das Gebäude unbedingt behalten will. Das ist eine Dreistigkeit“, ärgert er sich. Axel Effert zweifelt auch die erforderliche Summe in Höhe von 2,5 Millionen Euro zur Ertüchtigung des Gebäudes an. „Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2017, wir würden garantiert bei drei Millionen Euro plus x landen“, sagt er. Zudem sei es mit einer einmaligen Investition nicht erledigt. Man dürfe die Folgekosten nicht außer Acht lassen.

Die einzig vernünftige Lösung sei der bereits beschlossene Verkauf. Das gelte auch für das ehemalige Rathaus an der Wilhelmstraße 76, das die Stadt ebenfalls nicht verkaufen möchte. „Das ist ein Hobby der Verwaltung. Es kostet Zeit, Geld und Nerven“, betont der CDU-Fraktionsvorsitzende. Für das ehemalige VHS-Gebäude gebe es Interessenten, die „bestimmt Ideen haben“. Auch das alte Rathaus an der Wilhelmstraße 76 „wird einer kaufen, der Visionen hat. Aber das Risiko tragen nicht wir“. Die VHS selbst brauche eigentlich gar keine Räume in Wülfrath, außer ein Büro. In den Schulen und anderen städtischen Immobilien sei genug Platz für Kurse.

In Bezug auf den Wohnungsmarkt sieht der Ratsherr die Rolle der GWG kritisch. „Warum macht ein städtisches Unternehmen privaten Investoren und Hausverwaltern Konkurrenz?“ Die GWG, die einen großen Bestand an Wohnungen besitze, solle sich auf ihr Kerngeschäft beschränken, der Eigenverwaltung. „Wir sind mit dieser Meinung aber alleine“, weiß Axel Effert. Ebenso mit der beharrlichen Forderung, an der Kastanienallee einen Investor für Wohnungen zu suchen, statt dort Flüchtlinge unterzubringen. „Wir haben das noch nicht aufgegeben.“

Lhoist könnte Flächen selbst vermarkten, Hauptsache Gewerbe

In Bezug auf dringend benötigte Gewerbeflächen sagt Axel Effert „wir müssen um jede Fläche kämpfen, die wir bekommen können“. Er hat auch die Flächen im Blick, die nach einem Rückzug von Knorr-Bremse freiwerden würden. „Ich glaube nicht an Wunder. Es steht für mich fest, dass die abwandern“, so der Fraktionsvorsitzende. Bei den Neuplanungen seien beide Gebäude zu berücksichtigen, auch das momentan leerstehende. Das Bahnhofsareal habe Potential, wenn nur die Feuerwache dort untergebracht werde und nicht der Bauhof. Zudem könne das Areal des jetzigen Feuerwachenstandorts bis zum Zeittunnel für Gewerbe genutzt werden. Von Lhoist müssen laut Axel Effert nicht unbedingt Grundstücke gekauft werden, wenn das Unternehmen dies kategorisch ablehnt. „Lhoist könnte Flächen selbst vermarkten, Hauptsache Gewerbe.“ Aber: „Wir werden höchstwahrscheinlich nur kleine, junge Unternehmen anlocken, die sich noch entwickeln müssen.“

Die Änderung des Regionalplans, die mehr Siedlungsflächen in Wülfrath vorsieht, ist für den Christdemokraten zu begrüßen. „Die Ausweisung als allgemeine Siedlungsfläche heißt dabei erst einmal gar nichts. Die Kommune entscheidet.“ Wenn man die Chance habe, mehr zu bekommen, als man wollte, sollte zugegriffen werden. Außerdem ginge nicht alles von jetzt auf gleich. „Die Planungen sind für 30 Jahre angelegt. Wer weiß schon, was alleine in zehn Jahren ist?“, fragt er rhetorisch. Um den Zuzug macht sich Axel Effert keine Sorgen. „Die Leute aus Düsseldorf, Ratingen und anderen Städten werden händeringend Häuser und Wohnungen suchen. Ein klassischer Mittelständler kann sich in Düsseldorf kein Haus kaufen. Wir haben den Mittelstand als Neubürger im Blick. Er sorgt für gute Einkommenssteuerbeiträge.“

Bei der aktuellen Klimadebatte kann sich Axel Effert nicht mit der absoluten Priorisierung abfinden. „Der hohe Schuldenstand der Stadt ist ebenso wichtig. Wir hinterlassen unseren Kindern und Enkeln einen Schuldenberg, wenn wir nicht gegenlenken.“ Das sei zwar ein trockenes Thema für Jugendliche, aber aktuell viel wichtiger.

Das Projekt Bürgerbus ist für Axel Effert „tot“. „Eine zeitlang hat man niemanden für nix bekommen, heute lassen sich Menschen für Projekte begeistern, die sechs bis acht Wochen lang dauern.“ Das gelte für Fahrer von Bürgerbussen nicht. Und: Leider sei man in Sachen ÖPNV von Wuppertal abhängig, also werde es wohl auf eine Lösung mit einem Taxi-Unternehmen hinauslaufen.

Und wie steht es um die Wahl des Bürgermeisters im kommenden Jahr? „Die CDU wird sich in den nächsten Wochen entscheiden, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellt. Ich hoffe natürlich, dass wir dies tun“, so Axel Effert. Erst im Anschluss an diese Entscheidung könne über geeignete Kandidaten parteiintern gesprochen werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung