Mit Licht und Sauberkeit gegen Ratingens Angsträume

Mit Licht und Sauberkeit gegen Ratingens Angsträume

Dunkelheit und Dreck machen Bürgern ein ungutes Gefühl. Aber mehr Licht und mehr Sauberkeit kosten mehr Geld.

Ratingen. Das Problem ist erkannt, gebannt ist es nicht. Wo Menschen leben, ist Müll. Und wo Dunkelheit herrscht, wächst die Furcht. Wo Müll und wenig Licht zusammenkommen, wo optische Verwahrlosung Raum greift, entstehen sogenannte Angsträume.

Dort, wo regelmäßig Kriminelle das Regiment übernehmen, versucht die Polizei Ordnung zu schaffen. Wo die Angst jedoch nur empfunden wird, ist die Stadt selbst gefordert, mehr Sicherheitsgefühl zu erzeugen. Also weg mit dem Müll, her mit mehr Licht.

Seit knapp einem Jahr bemüht sich der Baubetriebshof als Teil des Projektes Integration und Prävention am Grünen See, um den Berliner Platz und an der Eissporthalle mehr Sauberkeit zu schaffen. Wie nötig das ist, zeigt die Zwischenbilanz, die jetzt auf die Reise durch die politischen Gremien geschickt worden ist.

Demnach haben Mitarbeiter des Baubetriebshofes insgesamt 390.000 Kilogramm Müll und Unrat entfernt. Um den Berliner Platz mussten die Leute bis zu dreimal täglich zu Besen und Schaufel greifen, um zu entfernen, was Passanten achtlos weggeworfen hatten.

Wo sich viele Menschen draußen aufhalten, liegt nachher viel Müll herum. Das hat nach Überzeugung der städtischen Integrationsbeauftragten Zeliah Yetik nichts mit dem Wohnviertel um den Berliner Platz zu tun. "Ich komme aus Duisburg. Ich weiß, was schwierige Viertel sind. Der Berliner Platz gehört nicht dazu", sagt sie.

In vielen Städten ist heute zu sehen, was der Chicagoer C. R. Shaw mit seiner Broken-Window-Theorie gemeint hat, die er 1929 verfasste. Er vertrat die Ansicht, dass Verwahrlosung, beispielsweise zerbrochene oder blinde Fenster, Verwahrlosung nach sich zieht. Ebenso verhält es sich mit Müll, den irgendwer auf Plätzen oder im Wald hinterlässt. Es dauert nicht lange, bis noch mehr Abfall dort liegt.

Sauberkeit ist das eine, Licht ist das andere Kriterium, das aus Städten lebenswerte Städte macht. "Wir haben viele dunkle Ecken, wo subjektiv Angst entstehen kann", sagt Barbara Arndt, die Leiterin des Ordnungsamtes.

Das bedeute freilich nicht, dass es in diesen dunklen Ecken auf jeden Fall mehr Kriminalität gebe. Aber es sei eben ein ungutes Gefühl, an schlecht ausgeleuchteten Straßen mit vielen Hauseingängen über den Bürgersteig zu gehen.

Das, sowie Unterführungen und dunkle Flächen sind die Angsträume, denen das Projekt Integration und Prävention zuleibe rücken will. "Wir wollen Plätze ausleuchten, ehe sie zu Angsträumen werden", sagt Arndt. Dabei gehe es nicht zuletzt um Lebensqualität. "Aber das wird ein steiniger Weg", sagt sie. Denn es gehe auch um Geld.

Tatsächlich neigen Städte aus Kostengründen heute eher dazu, die Beleuchtung ganzer Straßenzüge in der Nacht abzuschalten. Aber dem hält Barbara Arndt die Meinung vieler Klimaforscher entgegen, die Mitteleuropa mediterranes Wetter voraussagen.

Das hätte zur Folge, dass sich die Menschen auch in Ratingen immer länger draußen aufhalten - und dafür mehr Licht brauchen und mehr Müll hinterlassen.

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