Mit Kunst den Weg zum eigenen Ich finden

In den Malkursen von Tina Kreils steht die Auseinandersetzung mit sich selbst im Mittelpunkt.

Mit Kunst den Weg zum eigenen Ich finden
Foto: Dietrich Janicki

Wülfrath. „Sie ist eine engagierte Frau, die begeistern kann“, urteilt Manuel Rohde über Tina Kreil. Der Leiter des Kunstbetriebs an der Bergischen Diakonie Aprath muss es wissen, als Kunsttherapeutin gehört die umtriebige Kreative schon lange zu seinem Team. Ende des Monats startet Tina Kreil im offenen Atelier einen neuen Kursus. Thema ist Aquarellmalerei. Schillernde Lachen und getupfte, gespritzte oder gepustete Farben kennzeichnen die Ergebnisse von Wasser mit Farbe auf Papier.

Das „Unmittelbare und Spontane“ machen das Besondere der Aquarellmalerei aus, erzählt sie. In dem von ihr geleiteten Kursus geht es aber weniger darum, „ausschließlich Techniken zu vermitteln. Wir wollen mit der Farbe spielen.“ Freiheit und Spaß sollen vermittelt werden und eine eher intuitive Herangehensweise. „Sonst entsteht ja wieder ein ’Mein Gott, das kann ich nicht’ mit Versagensängsten.“ Das Gegenteil, Entspannung, soll bewirkt werden. „Ich bin kein Künstler“, sagt die studierte Sozialarbeiterin über sich. In einer Lebensphase, in der es ihr selbst schlecht ging, kam sie über einen Mutter-Kind-Kurs zum Malen. „Den Faden habe ich aufgenommen“, sich in Fortbildungen ausbilden lassen und eine dreijährige Ausbildung zur Kunsttherapeutin absolviert. „Mir geht es aber immer um mehr als bloß rein handwerkliche Betrachtungen. Ich möchte sehen, was ein Bild sagt“, beschreibt sie Kreationen als nonverbales Kommunikationsmittel.

„Raus aus dem Jetzt, keine Begrenzung durch Raum und Zeit“, beschreibt sie ein Arbeitsmotto. Neugierde und Experimentierfreudigkeit zeichnen sie aus, als sie vor Jahren begann, sich für Aufgaben in der Hospizarbeit zu interessieren, heuerte sie zunächst als Praktikantin an. „Ich wusste ja nicht, ob ich das kann.“ Inzwischen begleitet sie regelmäßig Kunstprojekte mit am Franziskus-Hospiz Hochdahl, der zuletzt von ihr mitgestaltete drei Meter hohe Wandelgang, der etwa 300 Farbtafeln auf Leinwand miteinander kombiniert, wird jetzt enthüllt.

Generell ist Tina Kreil an Menschen und ihren Geschichten interessiert. „Es ist schön, miteinander im Gespräch zu bleiben“, eine eigene Interpretation der Dinge reicht bei vielem, in der Kunst ihrer Meinung nach im Besonderen, nicht aus. Dialoge mit ihren Kunst-Schülern mag sie deshalb so besonders gerne, „weil ich die Gründe erfahren möchte, wie er tickt“. Mit Nabelschau hat das nichts zu tun, dafür mit Respekt, „ich habe selbst Notsituationen erlebt“. „Es ist ein Geschenk, wenn jemand sich öffnet.“

Wie hilfreich dabei die kreative Auseinandersetzung mit Farben und Pinsel sein kann, weiß sie nicht allein aus eigener Erfahrung, sondern besonders aus den von ihr initiierten samstäglichen Malnachmittagen in der Diakonie. „Da werden manchmal ungeahnte Schätze gehoben.“

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