Wülfrath : Mit elf Jahren souverän hinter dem Steuer

Bei der Land Rover Experience können elf- bis 17-Jährige am Steuer sitzen und ein Kinderfahrtraining absolvieren. Jedes Jahr gibt es mehr als 600 solcher Touren.

Autofahren? Kein Problem! Auf dem Schoß von Papa Christoph Paliot hat Leo (11) schon als Neunjähriger gesessen. Das Lenkrad in der Hand sind Vater und Sohn zum ersten Mal auf einem Parkplatz herumgekurvt. Im letzten Jahr waren es dann beim Kinderfahrtraining von Jaguar schon ein paar Meter mehr. Allerdings auf gerader Strecke und wohl eher so, wie man auch auf der Straße fahren würde. Und jetzt, bei Land Rover Experience? Es ging steil hoch und noch steiler wieder runter, an Schrägen entlang und durch Wasserpfützen. Am Ende waren alle still im Auto – die Eltern auf der Rückbank und Leo auf dem Fahrersitz.

Dabei war der Junior vor mehr als einer Stunde noch munter plaudernd eingestiegen in den Land Rover Discovery. Tiefergelegt? „Na klar, das ist ja auch die Sport-Ausführung“, hatte er gegenüber seinem Fahrtrainer gleich klargestellt, dass der es hier mit einem Auto-Experten zu tun bekommt. Lenkung, Bremse, Gaspedal – alles kein Problem. Die ersten Meter rollte der Offroader dann auch so zügig los, dass Harry Hemmann den jungen Mann auf dem Fahrersitz fürsorglich „einbremsen“ musste. Als Instruktor weiß er, dass es bei jedem Kinderfahrtraining anders läuft.

Nachdem vor zwei Jahren erstmals elf- bis 17-Jährige bei Land Rover Experience an den Start gingen, stehen mittlerweile 600 Touren im Jahr auf dem Plan. Mal sind es die Kinder und Jugendlichen, denen Hemmann und seine Kollegen die Angst vor dem Auto und dem Gelände nehmen müssen. Oft liegen aber auch bei den Eltern die Nerven blank. Väter, die alles besser wissen? Mütter, die ihre Kinder schon an den nächsten Baum fahren sehen? Ja, das hat es alles schon gegeben.

Hemmann selbst ist passionierter Offroader, schon bei der ersten Camel Trophy-Tour in den 1970er Jahren war er dabei. Sowas stählt vermutlich die Nerven – jedenfalls gerät er auch dann nicht aus der Ruhe, als Leo sich am Ende einer Steigung in einem von vielen tiefen Löchern festfährt. Nach hinten geht es steil bergab, nach vorne läuft es auch nicht: Man ertappt sich als Mitfahrer durchaus dabei, von Schreckensszenarien geplagt zu werden. Derweil klammert sich Mutter Jeannine an der Hand ihres Mannes fest, während der sich an den vorderen Kopfstützen festhält. Und vorne auf dem Fahrersitz: Der coole Leo, der sich vom Fahrlehrer in aller Seelenruhe erklären lässt, was jetzt zu tun ist.

Die anfängliche Angst kann vor Selbstüberschätzung schützen

„Erstmal kriegt man natürlich Angst“, lässt Hemmann durchklingen, dass Befürchtungen keineswegs fehl am Platz sind. Wer sich selbst überschätzt, der könne auch schon mal schnell in der sprichwörtlichen „Pampa“ landen.

Während Leo tapfer weiter hoch und runter fährt, schleicht sich das Gefühl ein, als ginge es eigentlich immer nur „ins Blaue“ oder „ins Grüne“. Nur eben nicht so gemächlich, wie man das üblicherweise von Sonntagsausflügen kennt. Stattdessen hat man hier entweder Himmel oder Bäume vor Augen – allenfalls kippt man noch zur Seite mit Blick auf die Gänseblümchen. Und dann auch noch 110 Prozent Gefälle? Um Himmelswillen – am Steuer sitzt ein Elfjähriger! „Die schaffen das oft besser als geübte Fahrer, die hier auf dem Gelände erst mal alles vergessen müssen, was man sonst so im Straßenverkehr macht“, weiß
Harry Hemmann.

Spätestens jetzt war wohl auch Papa Christoph Paliot klar, dass es einen Unterschied macht, ob man als Beifahrer ein paar Runden auf dem Nürburgring dreht oder in einem Auto sitzt, bei dem der eigene Sohn gerade so über das Lenkrad gucken kann.

Am Ende waren die Eltern stolz auf ihren Sohn und Leo zu Recht ziemlich stolz auf sich selbst. Vor der Rückfahrt nach Berlin bekam er seine Urkunde in die Hand gedrückt und den Eltern gab Hemmann noch schmunzelnd mit auf den Weg: „Achten sie auf ihren Autoschlüssel. Den können sie jetzt nicht mehr einfach so herumliegen lassen“.