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Mit ausgeklügelter Mechanik hält die Prunkkasse Diebe fern

Mit ausgeklügelter Mechanik hält die Prunkkasse Diebe fern

Wie aufwendig der Mensch versuchte, sein Hab und Gut zu schützen, erläutert Ulrich Morgenroth anhand von besonderen Exemplaren des Museums.

Velbert. Am Sonntag, 5. Januar, um 15 Uhr gibt es die nächste öffentliche Führung im Schloss- und Beschlägemuseum an der Oststraße. Für die WZ hat Museumsleiter Ulrich Morgenroth schon einmal einige besonders interessante Exponate der Ausstellung herausgesucht.

Ein Vorläufer der heutigen Schließungen war das Stoßriegelschloss, das schon rund 2500 Jahre vor Christus in Ägypten gebräuchlich war. Museumsleiter Morgenroth erläutert an einer Rekonstruktion, wie der Türriegel mit einem an beiden Enden gelochten Stab samt Lederschnur betätigt wird. „Das hat was vom Nippel durch die Lasche ziehen“, sagt der Museumsleiter schmunzelnd. Vor 150 Jahren erstmals in altägyptischen Gräbern als Beigabe entdeckt, gaben die teilweise reich verzierten Stäbe zunächst Rätsel auf: „Sie wurden sogar für Lockenwickler gehalten.“ Erst 1902 brachte eine Expedition ins heutige Äthiopien die Erklärung - die Bewohner der Region nutzten noch immer dieselbe Schließtechnik wie die alten Ägypter.

Aus dem 15. Jahrhundert stammt die massive, aus handgeschmiedeten Blechen gefertigte Tür, die einst in Schloss Ambras bei Innsbruck die Reichtümer der Schlossherren schützte. Dabei hatte das eiserne, etwa 1430 entstandene Ungetüm selbst schon einen unvorstellbaren Wert: „Eisenwaren wurden erst ab etwa 1870 erschwinglich, als die Entwicklung der entsprechenden Produktionsverfahren eine Massenfertigung ermöglichte“, erläutert Morgenroth.

Allein um das Eisen für die rund 200 Kilogramm schwere Tür zu verhütten, waren tausend Kilogramm Holzkohle erforderlich: „Das ist ein Würfel mit 15 Metern Kantenlänge, für den wiederum das Holz von 22 ausgewachsenen, 40 Jahre alten Bäumen benötigt wurde.“ Dafür war die Alarmanlage inklusive: Die Scharniere kreischen markerschütternd auf, als Morgenroth die Tür öffnet. „Wenn das Türblatt nur bewegt wurde, hat das jeder sofort gehört.“ Eine gleichartige Tür sei heute noch in Haus Kemnade in Hattingen in Betrieb, ergänzt Morgenroth.

Wie eine Schatzkiste sieht dagegen die Prunkkasse aus dem 18. Jahrhundert aus. Der reich verzierte Deckel beherbergt eine filigrane Mechanik: „Bei diesem Exemplar wurden mit einem einzigen Schlüssel 26 Schließungen betätigt“, so der Museumsleiter. Mittels Federdruck waren die zahlreichen Hebelchen so austariert, dass das Schloss bequem zu öffnen war. Das wuchtige Schlüsselloch in der Mitte der Truhenfront führt in die Irre: Ein kleiner Schieber im Deckel verbirgt die tatsächliche Öffnung.

Etwa 500 Jahre waren Truhen wie die Prunkkasse gängiger Aufbewahrungsort für Wertgegenstände, bis zwei Erfindungen im 19. Jahrhundert ihr Ende zugunsten solider Tresore einläuteten: „Das waren der Schneidbrenner und das Papiergeld“, erläutert Morgenroth. Für das neue Werkzeug war das geschmiedete Blech kein ernsthaftes Hindernis mehr — und die Einführung von Papiergeld erforderte eine feuerfeste Aufbewahrungsmöglichkeit.