Velbert : Minister soll die Reform aussetzen

Die Nachricht von der Schließung der neonatologischen Intensivstation am Helios Klinikum Niederberg hat auch die Velberter CDU-Ratsfraktion betroffen gemacht. „Damit trifft uns der im Jahr 2013 durch die damalige rot-grüne Landesregierung beschlossene neue Krankenhausrahmenplan mit voller Wucht.

Denn seit mehr als 30 Jahren wird am Standort Velbert eine Versorgung von Schwangeren und Frühgeborenen, die deutlich über eine geburtshilfliche Regelversorgung hinaus geht, angeboten. Dabei wurden stets alle Qualitätsanforderungen erfüllt und auch bescheinigt“, erklärt Fraktionschef Karsten Schneider sein Unverständnis über die Entscheidung in einem offenen Brief an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Man sei stets sehr stolz auf die Arbeit des Perinatalzentrums und die Kinder-Intensivstation gewesen, die sich mit großem Engagement um die Frühchen gekümmert haben. „Damit hat sich Velbert als einziger Klinikstandort im Kreis Mettmann mit einem solchen Angebot einen sehr guten Namen gemacht, der weit über die Kreisgrenze hinaus reicht. Auch aufgrund anderer wichtiger Rahmenbedingungen sind wir der Auffassung, dass es nicht zu einer Aufgabe der Frühgeborenen-Intensivstation kommen darf“, so Schneider weiter.

Mit dem Beschluss zum Verkauf an den Helios-Konzern sei es den Städten Heiligenhaus und Velbert gelungen, das größte Krankenhaus im Kreisgebiet zu erhalten, denn die Städte hätten den notwendigen Neubau nicht stemmen können. Mit der Übergabe sei die Vorgabe einher gegangen, das medizinische Angebot nachhaltig zu verbessern. „Eine Schließung der Vorzeigestation wäre daher kaum vermittelbar, insbesondere auch wegen der baldigen Realisierung der Neubaupläne durch den neuen Träger. Aus unserer Sicht würde es gerade Sinn machen, bei einem solch umfangreichen Neubauvorhaben auf die erfolgreichen Bereiche zu setzen. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf den hebammengeleiteten Kreißsaal, der bei der Gründung im Jahr 2008 einer der ersten seiner Art war. Insgesamt bietet Velbert traditionell damit ein umfangreiches Versorgungspaket rund um die Geburt an“, argumentiert der CDU-Fraktionschef.

Man sei sich bewusst, dass der eingeleitete Strukturwandel in der stationären Versorgung zugunsten weniger „Superkrankenhäuser“ wirtschaftlich betrachtet berechtigt sein mag, gleichwohl verfüge jedes regionale Krankenhaus über eine gewachsene Infrastruktur und sei im Grundgesetz als staatliche Daseinsvorsorge vor Ort verankert. „Wenn solchen Häusern eine der Kernkompetenzen entzogen wird, geht damit eine Verschlechterung der finanziellen Lage einher. Die Folgewirkungen für das Haus, wenn mit der Umsetzung Ihres neuen zweistufigen Modells zur Versorgung von Schwangeren und Früh- und Neugeborenen, Velbert nur noch die geburtshilfliche Grundversorgung anbieten kann, kann ich persönlich nur erahnen“, so Schneider. Auch angesichts der notwendigen Versorgung in der Corna-Krise bittet der Christdemokrat den Minister darum, die Umsetzung der Reform auszusetzen und in Gänze kritisch zu überprüfen.