Minikraftwerk auf Rädern

Künstler Sebastian Fleiter will mit seinem Anhänger Ökostrom zum Erlebnis machen.

Wülfrath. Der Mann ist kein Hotelier, und doch ist er Besitzer des „Electric Hotels“. Er beschäftigt sich mit der Erzeugung von Ökostrom, und doch ist er eigentlich studierter Künstler.

Sebastian Fleiter ist ein Mann verschiedener Facetten und Widersprüche. Der 41-Jährige, der in Wülfrath die Grundschule und das Gymnasium durchlaufen hat und aktuell in Kassel ein Atelier betreibt, ist auf jeden Fall eines: sehr erfolgreich.

Mit seinem „Electric Hotel“ hat Fleiter vor einigen Tagen die höchste deutsche Auszeichnung für Kommunikationsdesign, den „Designpreis der BRD in Gold“, gewonnen. „Meine Mission ist es, grünen Strom für die Menschen zu einem Erlebnis zu machen. Im ,Electric Hotel’ ist die Stromerzeugung einfach ein sehr kommunikatives Event“, sagt Fleiter.

Seine Idee: Einen ausrangierten Trailer (amerikanischer Wohnwagen) funktionierte er in ein mobiles Minikraftwerk um, das auf mehrere Arten eigenen Strom erzeugt. Mehrere Solarpanels und zwei Windräder sind auf dem Dach montiert, zudem können ein kleines Wasserpumpspeicherwerk sowie ein Fahrrad Energie erzeugen.

Mit dem Trailer als Anhänger werden Fleiter und sein Team für Messen und Festivals gebucht. Denn das ist das Besondere: Mit dem selbst erzeugten grünen Strom können Handys aufgeladen werden: „Die Leute entdecken so das Thema Ökostrom bei uns ganz von alleine und entwickeln Interesse daran. Außerdem kommt man leicht ins Gespräch, wenn einer auf dem Fahrrad strampelt und die Handys von fünf Leuten auflädt.“

Die Idee dazu kam ihm vor zwei Jahren, als er selbst Besucher eines großen Musikfestivals war. Bereits am ersten Abend des mehrtägigen Festivals machte der Akku seines Smartphones schlapp: „Auf solchen Großveranstaltungen gibt es immer 20 Pommesbuden, die Strom verbrauchen. Doch nirgendwo können die zehntausenden Besucher ihre Handys aufgeladen.“

Das brachte den Künstler auf die Idee mit der mobilen Ladestation, die eigenen Strom erzeugen kann.

Es folgten Monate, in denen Fleiter mit Elektrikern, Ingenieuren und Softwareentwicklern seine Idee umsetzte. Über die Investitionskosten möchte Fleiter am liebsten nicht nachdenken. „Genau weiß ich es nicht, und das ist auch gut so. Viele Teile waren nun mal Einzelanfertigungen“, sagt er. Seiner Schätzung nach beläuft sich alles auf stolze 250 000 Euro. Ein Drittel haben Fleiter und seine Familie, die immer noch in Wülfrath wohnt, investiert. Der große Rest kam von Sponsoren.

Aber warum heißt das mobile Kraftwerk eigentlich Hotel? „Die Leute checken bei uns wie an einer Hotelrezeption für ein paar Stunden ein und geben ihr Handy in unsere Obhut“, sagt Fleiter. Daher war der Name für das Projekt schnell gefunden.

Für dieses Jahr sind keine Veranstaltungen mehr geplant. Doch im neuen Jahr geht es dann wieder los. Pro Messeauftritt muss der Veranstalter für Fleiters Mini-Kraftwerk mehrere tausend Euro bezahlen.

An seinem „Hotel“ will er noch viele Jahre weiter basteln: „Für mich ist das alles auch wie ein kleiner Abenteuerspielplatz. Und was findet man sonst noch auf Spielplätzen? Schaukeln und Wippen. Daraus irgendwie Strom zu erzeugen, wird die nächste Herausforderung.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung