Messerattacke im Saunaclub: Opfer belastet Angeklagte

Messerattacke im Saunaclub: Opfer belastet Angeklagte

Nach Massenschlägerei sollen zwei Angreifer mehrfach auf den Mann eingestochen haben. Jetzt begann der Prozess vor dem Landgericht.

Velbert/Wuppertal. Bei der brutalen Messerattacke auf dem Parkplatz eines Velberter Saunaclubs war das Opfer schwer verletzt worden. Der blutige Kampf unter Gästen hatte einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Im Prozess um versuchten Totschlag fügt sich nun das Puzzle zusammen. Vor dem Landgericht in Wuppertal sagte der Verletzte gegen die beiden Angeklagten aus. Der Mann benannte alle Beteiligten auf stummen Sicherheits-Videos des Clubs. Er erläuterte die Zusammenhänge und was gesprochen wurde.

Den Videos zufolge wurde die schwere Tat womöglich durch einen banalen Streit ausgelöst, im Gedränge der Umkleide. Diese erste Auseinandersetzung führte zu einer Massenschlägerei zweier Gästegruppen im und vor dem Club, gut eine Stunde vor der mutmaßlichen Tat. Womöglich spielten dabei rassistische Einstellungen eine Rolle. Laut Staatsanwaltschaft griffen die beiden Angeklagten (24 und 27 Jahre alt) am Morgen des 16. April vergangenen Jahres ihr Opfer an und stachen vielfach auf es ein. Sie hätten sich gerächt für mutmaßliche Aktionen dieses Mannes bei der genannten Schlägerei.

Der Angegriffene gab einen Schlag zu, einen rechten Haken wie mit der Ramme ins Gesicht eines Gegners. Der Getroffene ging zu Boden und blieb bewusstlos liegen. Umgekehrt bestätigten die Angeklagten, in welchen Szenen der Videos sie zu sehen sind. Einer habe sich mit einem Gürtel bewaffnet.

Das Opfer berichtete, er sei weggelaufen, als die beiden Angeklagten bei ihrer Vergeltung hinter ihm her waren. Der Ältere habe ihn zu Fall gebracht: „Ich habe gefleht. Es hat nichts geholfen.“ Der Verletzte, ein Zwei-Meter-Mann, kräftig wie ein Bodybuilder, berichtete mit leiser Stimme, um Fassung bemüht, von den tiefen Stichen seiner Gegner. Er könne nicht mehr arbeiten, leide unter schmerzenden Narben und Unbeweglichkeit. Die Angeklagten führten an, sie hätten ihre Freunde und sich in der Umkleide durch eine neunköpfige Gruppe bedroht gesehen. Der 27-Jährige sagte den Richtern: „Das waren so Farbige. Also, ich bin selber Ausländer, aber Sie wissen, was ich meine.“

Der Vorsitzende wies das zurück und stellte fest: Schon die Grundannahme sei falsch. Anders als das dunkelhäutige Opfer waren in der anderen Gruppe, bestehend aus Franzosen, überwiegend Weiße. Diese Männer flüchteten vor dem Haus in ein Waldstück und versteckten sich dort. Das belegen Videoaufnahmen. Dass diese Gruppe eine Stunde später überhaupt noch da war, habe wohl einen einfachen Grund, sagte der Richter: „Die hatten ein Problem. Deren Autoschlüssel war im Club.“

Vor dem Haus allerdings stolzierten die Angeklagten herum. Sie sollen Messer dabei gehabt haben, die auf den Bildern nur zu erahnen sind. Der Richter verwies auf diese Video-Szenen und stellte klar: „Diese Männer dort vor dem Haus haben keine Angst. Die verbreiten Angst.“ Die Angeklagten haben erklärt, sie hätten große Mengen Alkohol und Kokain konsumiert gehabt. Das Gericht allerdings verwies auf das Video: Die Männer konnten sich problemlos anziehen, boxen und laufen. Und sie hätten eine Stunde Zeit gehabt, sich zu beruhigen. Wäre keine Übermacht da gewesen, dann wäre gar nichts passiert, bekräftigte der ältere Angeklagte und sagte: „Dann hätte es ein Männergespräch gegeben und fertig.“

Das Gericht wird am 28. Februar weiter verhandeln.

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