Messdiener bringen Narren in Stimmung

Beim „Hardenberger Glockengeläut“, dem Karneval zur Kaffeezeit, feierten die Jecken ebenso ausgelassen wie beim Kinderkarneval.

Neviges. Eine telefonische „Live-Schaltung“ aus der „Glocke“ direkt ans Krankenbett — das gab es wohl noch nie. Bärbel Scheffels sollte gestern eigentlich die Kinderkarnevalsveranstaltung moderieren, doch hohes Fieber zwang sie zur Bettruhe. Co-Moderatorin Claudia Beumer fand einen Ersatz in der Tochter Amelie Scheffeles. Die zückte prompt ihr Smartphone, die kleinen Narren im Saal zündeten gleichzeitig die erste Rakete. Das zeigte Wirkung am Donnenberg: „Ihr seid sooo lieb“, war die Kranke vollkommen gerührt, „da werde ich gleich wieder gesund — ich wünsche Euch viel Vergnügen.“

Foto: Ulrich Bangert

Das sollten die kleine Hexen, Prinzessinnen, Cowboys und Indianer haben. Als Erstes marschierten die „Roten Funken“ der Pfarrgemeinde ein. „Könnt ihr noch eine Zugabe geben oder seid ihr aus der Puste?“, wollte Claudia Beumer wissen.

Kinderprinz Till I.

Und wie die Mädchen konnten! Gleich drei Tänze legten sie auf die Bretter der Bühne und kamen anschließend zu einem der Höhepunkte: Sie geleiteten mit sichtlicher Freude das Kinderprinzenpaar in den Saal. Die Tollitäten Till I. und Viktoria I. finden das Regieren wunderbar: „Jetzt kann ich so lange aufbleiben und Fernsehen gucken, wie ich will“, so der kleine Prinz, der sowieso immer schon wissen wollte, ob man vom vielen Fernsehschauen wirklich viereckige Augen bekommt. Viktoria delegierte das lästige Aufräumen an ihren Vater. Dazu kamen weitere Gebote ans Volk: „In der Schule sind die Fächer Mathematik und Deutsch sofort aus dem Stundenplan zu streichen!“ Für diese Forderung gab es lebhafte Zustimmung der närrischen Untertanen. Als die Tollitäten mit ihren Funken auszogen, flogen die ersten Kamellen. „Auf diese Bonbons habe ich mich besonders gefreut“ bekannte der Cowboy Leandro (7). Benjamin, der als Ironman daherkam, gefiel alles gut. Besonderen Eindruck haben die Funkenmariechen auf die Mädchen gemacht.

Forderung des Kinderprinzenpaares

„Die haben gut getanzt“, war Vampir-Dame Zora begeistert. Die Achtjährige war so toll geschminkt, dass man meinen konnte, dass die Blutstropfen in Gesicht echt seien. Die kleinsten Akteure, die Jungen und Mädchen aus der katholischen Kindertagesstätte, begeisterten ebenfalls. Mit ihren gesungenen Grüßen aus dem Zwergenland animierten sie einen Teil der Zuschauer zum Mitklatschen. Gelegenheit zum Singen und Tanzen gab es noch mehrfach, so bei den Auftritten von „Music‘s cool“ oder den Messdienern.

Die Ministranten erwiesen sich bereits einen Tag zuvor, beim „Hardenberger Glockengeläut, dem Karneval zur Kaffeezeit“, als Stimmungsmacher. Selbst als sich die ersten Bier- und Sektgläser zu den Kaffeetassen gesellt hatten, wollten die Senioren bei ersten Karnevalslieder nicht so richtig in Schwung kommen. Die Messdiener Jan Helbig und Marcel Weihs kamen nach der Begrüßung von der Bühne, hakten sich ein und schunkelten — „echte Fründe stonn zesame!“ Den Dom wollte man in Köln lassen, vom Nevigeser Pendant wurde nicht gesungen. Es gab viel zu lachen: Die „Schwarzen Männer“ die bereits im Kolpingkarneval gefeiert wurden, durften ebenso wenige fehlen wie die Show der Messdiener. Im Laufe den Nachmittags wurden „Heinz Erhard“ sowie „Helmut und Loki Schmidt“ begrüßt.

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