Wülfrath : Mehr Tiere während Corona vermittelt

Der Kooperationsvertrag mit dem Tierheim Velbert steht auf dem Prüfstand und wird eventuell demnächst überarbeitet.

Ein eigenes Tierheim besitzt die Stadt Wülfrath nicht, weshalb eine Kooperation mit einer nahgelegenen Einrichtung unabdingbar ist. Nicht zuletzt, um Fundtiere gut untergebracht zu wissen. Eine Aufgabe, die im kommunalen Pflichtbereich liegt. Vier Hunde wurden allein im vergangenen Jahr im Stadtgebiet gefunden. „Zum Glück konnten diese Tiere wieder allesamt an ihre Besitzer übergeben werden“, berichtet Anne Jänicke, Schriftführerin des Tierschutzvereins Velbert-Heiligenhaus. Das Tierheim an der Langenberger Straße in Velbert ist Kooperationspartner von gleich vier Städten. Neben Wülfrath werden auch die Bereiche Haan, Heiligenhaus und Velbert betreut. Um entlaufenen oder ausgesetzten Tieren zu jeder Zeit ein sicheres und warmes Domizil bereitzustellen, besitzen die Ordnungsbehörden der jeweiligen Städte Zugangsschlüssel zur Einrichtung, die an normalen Tagen um 18 Uhr schließt.

Nicht nur Hunde, auch Katzen wurden im vergangenen Jahr halterlos in Wülfrath aufgegriffen. „Das waren fünf Tiere, die wir anderweitig weitervermitteln konnten“, so Anne Jänicke, die ein bisschen auf die finanziellen Strukturen des Vereins eingeht. Dieser finanziert sich zu großen Teilen durch Spendengelder. Vermittlungsgebühren wiederum decken die Haltungs- und Betriebskosten nicht einmal ansatzweise. „Es handelt sich dabei lediglich um eine Schutzgebühr“, erklärt die Schriftführerin, die ebenso wie der weitere Vorstand ehrenamtlich tätig ist.

Auch Bürgermeister Rainer Ritsche hat sich vor seiner Wahl einen Überblick verschafft und das Tierheim besucht. „Ich bin von der Arbeit der Mitarbeiter vor Ort wirklich begeistert“, erinnert sich Ritsche im Gespräch mit der WZ, dem es eine Herzensangelegenheit ist, dass die Arbeit des Vereins auf fundierten und sicher finanzierten Säulen steht. Anfang Mai gab es daher mit Vertretern aller Städte eine Gesprächsrunde. Ziel: Eine einheitliche Finanzierungsbasis für alle Kooperationsverträge schaffen. „Denn noch besteht mit jeder Kommune ein individueller Vertrag“, so Ritsche. Weiterhin soll ein Sachverständiger prüfen, ob das Gebäude, ein altes Bauernhaus, für den Bedarf noch sachgemäß ist. „Oder, ob ein Neubau auf lange Sicht nicht die bessere Alternative wäre“, ergänzt der Bürgermeister, der dann auch in den politischen Reihen für die Entscheidung werben möchte.

Derweil kämpft sich das Tierheim durch die Pandemie-Zeit. Feste, die ansonsten einen Großteil der Spendeneinnahmen bringen, müssen derzeit ausfallen. „Wir bekommen natürlich auch weiterhin Spenden, aber diese Feste fehlen in der Kasse“, ist sich Anne Jänicke sicher.

Tierheim kann derzeit nur nach Anmeldung besucht werden

Normalerweise hat das Tierheim viermal in der Woche geöffnet. Aktuell kann die Einrichtung nur mit vorheriger Anmeldung betreten werden. Und so bleiben auch die Spendendosen im Tierheim nahezu leer. 100 000 Euro muss das Tierheim aus Eigenmitteln finanzieren. Auch Mitglieder haben aufgrund der Pandemie bereits ihre Mitgliedschaft kündigen müssen. Unterstützung vom Land gab es in Form von Futterkostenbeihilfe. Und auch aktuell läuft ein Förderprogramm. Die Bürokratie hinter den Anträgen ist jedoch umfangreich.

Anne Jänicke kann in der Krisenzeit jedoch ein ganz anderes Phänomen beobachten. Denn während sich die Arbeitswelt mittlerweile immer mehr ins Homeoffice verlagert, wird der Wunsch nach einem Wegbegleiter auf vier Pfoten immer größer. „Die Nachfrage nach Hunden, aber auch nach Katzen, ist wirklich enorm“, kann das Vorstandsmitglied berichten. In den Sozialen Medien stellen die Mitarbeiter die neuen Tiere vor und auch auf der Homepage werden für die Suchenden gut sichtbare Steckbriefe der zu vermittelnden Tiere erstellt. Bei den Anfragen wird vom Team allerdings genau gefiltert, wer die Verantwortung für ein Tier- auch nach der Krise- übernehmen kann. „Dafür stellen sich die Interessierten im Vorfeld vor, das geschieht aktuell meist per Mail“, so Jänicke.

Bei den Hunden ist die Kontaktaufnahme unkompliziert. Ein Gassi-Termin wird vereinbart, Tier und Menschen können sich gegenseitig „beschnuppern“. Für Katzen oder andere Kleintiere werden Termine im Tierheim vereinbart. Damit jede Fellnase ein sicheres Zuhause findet.