Velbert : Luftfilter als Helfer im Schulwinter

Die Ratsfraktion von Velbert anders wünscht sich Luftreinigungsgeräte im Kampf gegen Corona für Schulen, Kitas und Jugendtreffs.

Die für den November ungewöhnlich milden Tage sind wohl vorbei. Das bekommen gerade auch die 232 Schülerinnen und Schüler der neuen Gesamtschule Velbert-Neviges zu spüren. Angesichts des verordneten Stoßlüftens im Kampf gegen die Aerosole in der Corona-Pandemie wird es bei morgendlichen Außentemperaturen von unter zehn Grad in den Klassdenräumen, aber auch auf den Fluren ziemlich frisch. „Wir haben unsere Schüler daher jetzt aufgefordert, dicke Jacken zu tragen und Decken mitzubringen. Wir behelfen uns mit dem Zwiebellook“, sagt Jens Bullmann, der kommissarische Schullleiter an der Maikammer im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung.

Für zusätzliche Sicherheit könnten nach Überzeugung des Pädagogen Luftfilteranlagen sorgen, die nach dem Durchlüften die Zahl die Viruslast in den Aerosolen binnen einer halben Stunde um rund 90 Prozent senken können. Da kommt der Ratsantrag der Fraktion von Velbert anders gerade recht. Die Wählergemeinschaft hat am Montag für die nächste Sitzung des Stadtparlaments (geplant für den 15. Dezember im Bürgerhaus Langenberg) Bürgermeister Dirk Lukrafka den Beschlussvorschlag unterbreitet, „in Klassen städtischer Schulen, Kindertagesstätten und Jugendräumen, die oft genutzt werden, erfolgt schnellstmöglich der Einbau von mobilen Luftfilteranlagen mit HEPA-Filtern, zum Beispiel vom Typ H 14, oder vergleichbaren Anlagen“.

„Wenn wir die bekommen würden, wäre das eine tolle Sache, gerade bei kalten Wintertagen. Doch diese Geräte wollen jetzt alle. Ich befürchte, dass die schnell nicht mehr zu bekommen sind und es bis zur Umsetzung Sommer wird“, sagt Jens Bullmann.

Tonscheid hofft auf
50 Geräte für den Start

Der Antragsteller zeigt sich auf Nachfrage der WZ realistisch: „Wir werden nicht gleich alle Schulen im Stadtgebiet damit ausrüsten können. Aber seitens der Verwaltung wurde uns signalisiert, dass es ein entsprechendes Förderprogramm des Landes gibt, und wenn Velbert unter den ersten Antragstellern ist, sollte es gelingen eine Charge von 50 Stück finanziert zu bekommen“, sagt Velbert anders-Fraktionsvorsitzender August-Friedrich Tonscheid. Ende Oktober hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) für die schwarz-gelbe Landesregierung ein 50 Millionen Euro-Sonderprogramm für die Verbesserung der Lüftungssituation an Schulen in Aussicht gestellt. Tonscheid rechnet für die Gesamtausstattung von Schulen, Kitas und Treffs mit Kosten zwischen 400 000 und 500 000 Euro. „Wir können die Schüler doch nicht eine halbe Stunde im Unterricht in Decken sitzen lassen. Kinder sind unsere Zukunft und für die sollte es uns das wert sein“, so Tonscheid. Auch Velbert könnte seine Corona-Kosten bis 2070, die er auf 100 Millionen Euro schätzt, mit je zwei Millionen Euro pro Jahr abschreiben.

„Zur Sinnhaftigkeit von weiteren Kontaktbeschränkungen für Schüler möchte ich mich nicht äußern“, sagt Jens Bullmann mit Blick auf den ergebnislosen Austausch der  Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Montag. „Nächste Woche wissen wir wahrscheinlich mehr. Ich glaube aber nicht, dass es die Klassenteilung geben wird“, fügt der Gesamtschulleiter hinzu. Für das Homeschooling habe die Schule Konzepte. „Aber eine Zoom-Konferenz ersetzt keinen persönlichen Kontakt. Der erste Lockdown hat den Kindern im Sozialverhalten nicht gut getan“, so Bullmann.

Mit Lüftungsgeräten hat Markus Ueberholz noch keine Erfahrung. „Ich setze auf die guten alten Fenster“, so der Leiter des Langenberger Gymnasiums. „Solche Geräte können eine Alternative sein, wenn uns diese das Land über den Träger zur Verfügung stellt.“ Ueberholz geht davon aus, dass es darauf hinauslaufen wird, dass man sich dicker anziehen wird. „Das hilft tatsächlich. Bei drei bis fünf Minuten Stoßlüften kühlt es nicht so stark aus. Die Kleinen sind sogar ganz scharf darauf, die Lüftungswarte sagen, wann die Fenster wieder geschlossen werden. Die älteren Schüler machen das inzwischen selbständig.“ Kritik gibt es für die Überlegungen, eine Woche früher in die Weihnachtsferien zu starten: „Wir müssen den Schulablauf garantieren, gerade für die Schüler der Q 2, die im nächsten Jahr ihr Abitur ablegen.“

Gabriele Commandeur vom Geschwister-Scholl-Gymnasium würde Luftreiniger nicht ablehnen, wenn sie gestellt würden. „In einer sechsten Klasse wurde durch einen Vater so etwas angeschafft, das läuft dort ganz gut.“ In einem verfrühten Ferienbeginn sieht sie nicht die Lösung der Coronakrise. „Wenn alle Familien zuhause bleiben, ist das eine gute Sache. In der Schule tragen alle Maske, das Ansteckungsproblem ist hier nicht so groß. Im Freizeitbereich ist das anders, da haben wir keinen Einfluss drauf.“