Velbert/Heiligenhaus : Lockdown wird für Fortbildung genutzt

Corona führt die Volkshochschule beim digitalen Lernen auf völlig neue Wege.

Premiere bei der Volkshochschule (VHS): Rüdiger Henseling und sein Team stellten das Semesterprogramm jetzt online vor. „Unsere erste digitale Pressekonferenz“, sagte der Schulleiter, „in Corona-Zeiten ist alles etwas anders.“ Die Pandemie habe das digitale Lernen auf ein neues Niveau gehoben und viele Prozesse erheblich beschleunigt, mit der Konsequenz, dass auch die Lehrenden im vergangenen Jahr viel gelernt haben. „Es wurde so viel an Digitalisierung aufgeholt, wie ich es gern in den fünf Jahren zuvor gehabt hätte“, so Henseling. Weiterhin groß sei die Nachfrage nach den Angeboten der VHS: „Die Leute nutzen die Zeit für Fortbildung.“

Neu im Kursangebot ist
„Deutlich sprechen mit Maske“

Eine Bilanz zog Verwaltungsleiter Marcus Nüse: Mit 20 000 Unterrichtsstunden – davon 9500 im vergangenen Semester – blieb man 2020 ein Stück hinter den sonst etwa 26 000 Stunden pro Jahr zurück, was vor allem der Schließung von Präsenz-Veranstaltungen im Frühjahr geschuldet war. Ab April seien rund 50 Kurse in die VHS-Cloud verlegt worden. Für das neue Semester wurden 400 Kurse mit 12 300 Stunden aufgelegt, fast so viel wie in der Vergangenheit: „Wir wollen positiv in die Zukunft blicken und möglichst viel anbieten“, so Nüse. Wie realistisch die Planung sei, werde sich zeigen. 30 Kurse werden direkt online in der VHS-Cloud angeboten, einige auch als Präsenz- und Online-Kurs. Dabei räumte Henseling mit dem Vorurteil auf, dass Ältere mit dem Computer Schwierigkeiten haben: Die seien oft viel fitter als die Jüngeren, die sich zwar leichter in den sozialen Medien bewegten, auf komplexeren Pfaden aber oft abstürzten.

Die Bedeutung von Familienbildung zu Corona-Zeiten unterstrich Susanne Wege. Sehr gut angenommen werde das mit Beginn des ersten Lockdowns eingeführte Elternsofa, bei dem sich Eltern von zu Hause aus mit Fachkräften und anderen Eltern austauschen können, so die Programmverantwortliche. Neue Präsenzangebote sind unter anderem ein Theaterkurs für Jugendliche mit Dozenten des Wuppertaler TiC, ein Stimmtraining „Deutlich sprechen mit Maske“ und ein Zeichenkurs „Urban Sketching“ in Langenberg.

Auch im Bereich Sprachen wurde die Digitalisierung vorangetrieben, berichtete Anna Herrmann. Das breitgefächerte Angebot umfasst neun Sprachen, darunter neue Anfängerkurse in Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Chinesisch, teilweise in Präsenzform, teilweise nur online, oder auch gemischt. Wie im abgelaufenen Semester werden Online-Kurse auch von vielen Interessenten weit außerhalb von Velbert gebucht. Ein umfangreiches Angebot wartet auch in den Bereichen Beruf, Gesundheit und Kultur.

Eine Herzensanliegen sind Henseling die Integrationskurse. Weil durch den Auszug der Polizei zusätzliche Räume zur Verfügung standen, konnten die Kurse auf mehr Räume mit kleineren Teilnehmerzahlen verteilt werden. Sieben Kurse wurden zum Abschluss gebracht, 19 laufen aktuell. Damit bleibe die VHS einer der größten Anbieter der Region. Allerdings beklagte der Schulleiter hohe bürokratische Hürden von Bund und Land, die weit weg seien von der Arbeit vor Ort: „Viele gute Ideen scheitern an den starren Vorgaben.“

Auch die Nachfrage nach Schulabschlüssen sei weiterhin hoch. Wegen der zur Zeit geltenden Einschränkungen musste der Kursstart am 28. Januar allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Gleiches gilt für alle Kurse, die planmäßig bereits in den nächsten Tagen gestartet wären. Die Anmeldung ist per E-Mail an info@vhs-vh.de oder unter Telefon 02051/94 960 möglich; aktuelle Informationen und das komplette Programm gibt es unter:

vhs-vh.de