Linke wünscht mehr Leben in der Stadt

Zeittunnel, Leerstände in der City, neuer Wohnraum, familienfreundliches Wülfrath - diese Themen würde die Fraktionschefin der Linken gerne so bald wie möglich anpacken.

Wülfrath. „Der Erhalt des Zeittunnels liegt mir am Herzen, die Debatte darum sollte endlich beendet werden.“ Ilona Küchler, Ratsfraktionsvorsitzende der Linken, beginnt das Gespräch mit der WZ überraschend. Sie spricht nicht sofort Kernthemen der Linken an, sondern ihre Wünsche über ein kulturelles Angebot in Wülfrath, das auch Touristen anziehen soll. „Wir haben in dieser Beziehung eigentlich nur den Zeittunnel und den Panoramaradweg als Attraktion für Auswärtige“ so Ilona Küchler weiter. Sie macht sich zudem für die Einführung einer Mobilitätskarte stark. Diese soll Eintrittskarten für Veranstaltungen, Museen und Ausstellungen mit Tickets für den öffentlichen Nahverkehr verbinden. Das Thema wurde bereits im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung diskutiert. „Kultur kostet Geld, ist aber ein wichtiges Stück Lebensqualität“, sagt Ilona Küchler.

Die Leerstände in der Innenstadt bedrücken auch die 56-Jährige. „Als wir im Jahr 2000 nach Wülfrath gezogen sind, gab es an jeder Ecke eine Kneipe, da war richtig Leben in der Stadt“, erinnert sich Ilona Küchler. Das Problem hätten fast alle Kommunen, echte Lösungen aber nicht. Sie hofft darauf, dass etwa die Cafés ein Grund für die Menschen sind, in die Stadt zu kommen. „Wir müssten auch Wegweiser aufstellen, die darauf hinweisen, was geboten wird. So wäre es zum Beispiel nicht mühsam, vom Panoramaradweg in die Innenstadt zu kommen und dort eine Pause einzulegen.

Ilona Küchler, Fraktionschefin der Linken, über das Wesen der Politik

Natürlich liegen der 56-Jährigen die Kernthemen der Linken sehr nahe, wie zum Beispiel bezahlbares Wohnen. „Die städtebauliche Planung muss endlich in die Richtung gehen, dass mehr geförderter Wohnraum entsteht, nicht nur preiswerter, den sich trotzdem viele Familien nicht leisten können“, sagt Ilona Küchler. Aus diesem Grund ist sie nicht glücklich über die geplante Bebauung auf dem ehemaligen Sportplatz Düssel. „Dort sollen überwiegend Einfamilienhäuser entstehen, wir brauchen aber eine Mischung“, sagt die Linken-Chefin. Aber am liebsten sähe sie dort einen Bolzplatz.

In Bezug auf die Quartiersentwicklung, zum Beispiel in der Ellenbeek, sieht Ilona Küchler die Stadt in der Pflicht. Diese müsse eine Lösung auf die Frage finden, wie man es anstellen kann, dass auch alte Menschen dort Einkaufsmöglichkeiten bekommen. In der Ellenbeek hatte im Frühjahr der Rewe-Markt geschlossen, damit gibt es dort keinen Nahversorger mehr.

Die Spiel- und Freiflächenplanung sieht Ilona Küchler kritisch: „Dabei werden vor allem Spielflächen eingedampft, das ist der falsche Weg.“ Ihre Partei unterstütze zum Beispiel den Erhalt des Spielplatzes am Mautweg. Dieser war von vielen Anwohnern in der gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfe- und Schulausschusses gefordert worden. Insgesamt brauche Wülfrath mehr Spielplätze, wenn es eine familienfreundliche Stadt sein möchte.

Beim Thema Unterbringung von Flüchtlingen spricht die Fraktionsvorsitzende der Linken mit Blick auf die Kastanienallee von einer „annehmbaren Lösung“. Man müsse aber dringend darauf achten, dass Schutzräume für Frauen geschaffen werden und für alle Bewohner eine Privatsphäre ermöglicht wird. „Diese Menschen haben Traumata, die können sich entladen“, warnt Ilona Küchler. Eine deeskalierende Umgebung sei daher wichtig.

Auf die Frage, was ihrer Meinung nach denn nun schnellstmöglich in Wülfrath umgesetzt werden soll, hat Ilona Küchler eine klare Antwort: „Schnellstmöglich geht in der Politik gar nix, es braucht kleine Schritte, um etwas zu verändern.“