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Wülfrath: Linie 601: Aufruf zum WSW-Ticket-Boykott

Wülfrath : Linie 601: Aufruf zum WSW-Ticket-Boykott

Seit dem Jahr 2001 wird immer wieder der Austausch mit Linienbetreibern, Verwaltungen, Vereinen und Verbänden darüber geführt, wie das Busnetz in Wülfrath zu verbessern ist. Stets im Fokus dabei die Linie 601 der Wuppertaler Stadtwerke, die den bisher einzigen S-Bahnhof in Aprath weiterhin nur einmal stündlich in jede Fahrtrichtung bedient.

„Völlig unzureichend, um mehr Menschen auf die Schiene zu bekommen“, urteilte der Bürgerverein Wülfrath 2017 und unternahm unterstützt von der BUND-Ortsgruppe einen neuerlichen Anlauf, um zu einem zweiten Bus pro Stunde zu kommen. Auch bei der Stadtverwaltung, die anfangs mit Blick auf die zusätzlichen Kosten stets abgewunken hatte, fand man diesmal Gehör. Doch nicht beim Konzessionär, der WSW mobil. Für das Unternehmen sind Aufwand und Ertrag nicht in Einklang zu bringen. Und auch kleineren Mobilitätslösungen versagten die Wuppertaler ihre Zustimmung. Nun wollen Bürgerverein und BUND den Druck auf die WSW erhöhen: Sie rufen Wülfrather zum Boykott des ­Ticketkaufs über die WSW mobil auf.

„Ich besitze ein Bären-Ticket, das mich 1080 Euro im Jahr kostet. Mindestens zehn Prozent dieser Summe bekommen die Verkehrsbetriebe. Wenn ich 100 Menschen davon überzeugen kann, ihr Monatsticket künftig bei der Rheinbahn oder EVAG zu kaufen, fehlen den WSW schon gut 10 000 Euro“, erklärt Götz-Reinhardt Lederer vom BUND. Er ist sich bewusst darüber, dass der Boykott bei einem Schülerticket nicht so einfach funktionieren wird.

Was Lederer, aber auch Adelheid Heiden und Ilona Fenko vom Bürgerverein Wülfrath so ärgert, ist Folgendes: Am 6. Juni 2019 lehnten die WSW gegenüber dem Verkehrsausschuss des Kreises Mettmann die Einrichtung eines zweiten Busses pro Stunde wegen zu geringer Fahrgastzahlen beim bestehenden Angebot ab. Im zuständigen Ausschuss für Umwelt und Ordnung in Wülfrath gab es dafür nur ein Kopfschütteln. Verwaltung und Politiker konnten das Verhalten der WSW nicht nachvollziehen. Die WSW verwechselten Ursache und Wirkung, weil ein schlechter Anschluss natürlich weniger Fahrgäste anlockt. Aus dem Gremium kam daraufhin der Vorschlag, den zweiten Bus wenigstens zur Probe einzurichten. Diesen griff die Stadt auf, zuletzt auch in Form einer vorerst auf zwei Jahre befristeten Taxi-Bus-­Linie. Erfolglos.

„Wir waren entsetzt, als WSW mobil sich weigerte, die Konzessionsaufgaben dafür zu übernehmen. Wer, wenn nicht der WSW? Welches Verkehrsunternehmen soll das denn sonst übernehmen?“, fragt Götz-Reinhardt Lederer. Immerhin fahren drei WSW-Buslinien auf Wülfrather Stadtgebiet. „Die in einer E-Mail an die Stadt am 17. Oktober 2019 übermittelte Begründung mit dem Verweis auf die Risiken für den bis Ende 2026 laufenden Dienstleistungsvertrag und den ,signifikant hohen zusätzlichen Aufwand bei WSW mobil, der mit dem bestehenden Personal nicht abzubilden ist’ können wir nicht nachvollziehen“, so Lederer. Immerhin habe die WSW 90 Buslinien und 15 Anruf-Sammel-Taxis (AST) zu verwalten. „Da scheint der Aufwand für eine zusätzliche Linie überschaubar.“

Deshalb wandten sich Lederer, Heiden und Fenko am 20. Juli schriftlich an den WSW mobil-Chef Ulrich Jäger mit der Bitte, die Position zu überdenken. „Eine Antwort haben wir bis heute nicht erhalten“, so Lederer am Dienstag. Sollte diese noch kommen, sei am Inhalt auch die Wülfrather Stadtverwaltung sehr interessiert.

Götz-Reinhardt Lederer geht fest davon aus, dass es bei 5000 Ein- und Auspendlern in Wülfrath pro Tag, jeweils rund 550 Pendler gibt, die man bei einem verbesserten Angebot fest für den ÖPNV gewinnen kann. „Und dabei habe ich die Düsseler schon rausgerechnet, die ja bald über einen eigenen Regiobahnanschluss verfügen werden.“ Der zweite Bus zu den Gleisen in Aprath ist für den BUND-Mann auch dann noch sinnvoll, weil die bessere Anbindung Studenten den Weg mit der S 9 zu den Unis im Ruhrgebiet erleichtere, mit dieser S-Bahn der Wuppertaler Hauptbahnhof dann genauso zügig wie mit dem Schnellbus 69 zu erreichen sei, aber darüber hinaus zudem bequem auch Hagen.

Der Stadt Wülfrath geht es um eine kurzfristige Verbesserung

Auf WZ-Anfrage teilte die Stadt Wülfrath mit, dass sie nochmals im Juni dem Kreis Mettmann „die prekäre Situation der Busanbindung am/zum S-Bahnhof Aprath“ geschildert und um Unterstützung gebeten habe. Der Stadt gehe es um eine kurzfristige Verbesserung nach dem Motto „zu jeder Bahn ein Bus“. Der Kreis habe Hilfe zugesagt und will Gespräche mit weiteren Verkehrsunternehmen, aber auch mit der Bezirksregierung Düsseldorf, führen. Auch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) soll informiert werden. „Ergebnisse wurden der Stadt für September in Aussicht gestellt.“

Alternativen zur höheren Taktfrequenz stellen für die Stadt weiter eine Taxibuslinie oder ein On-Demand-Verkehr dar. Für alle Varianten gilt, dass zusätzlich Geld für die bestellte Leistung in die Hand genommen werden muss. Die Kosten für den zweiten Bus auf der Linie 601 beziffert Lederer mit 50 000 Euro jährlich. „Sobald eine Lösung steht und deren Kosten bekannt sind, wird der zuständige Ausschuss darüber beraten“, so die Verwaltung.