Wülfrath : Der harte Poker um Gewerbeflächen

Die Verwaltung hatte sich um eine Fläche im Bereich Stammeshaus bemüht. Eigentümerin ist die Firma Lhoist. Verkaufen will sie nicht, höchstens verpachten. Davon hält die Stadt nichts.

. Das Thema Gewerbegebiete ist ein Kernpunkt, wenn es um die Zukunft Wülfraths geht. An diesem Punkt sind sich Politik und Verwaltung einig. Da die Stadt kaum über geeignete Flächen verfügt, ist der Blick Richtung „Großgrundbesitzer“ Lhoist logisch. Sehr konkret wurden die Bemühungen der Verwaltung zum Beispiel bei einer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (AWS) am 13. September 2016. In der Ausschussunterlage steht, dass Lhoist der Stadt schriftlich zugesichert habe, eine Fläche an der Rohdenhauser Straße im Bereich Stammeshaus, die zuvor auf Betreiben der Verwaltung von der Bezirksregierung Düsseldorf von einer Zweckbindung befreit wurde, als Gewerbe- oder Industriegebiet zur Verfügung zu stellen. Wie ist der aktuelle Stand?

„Im Rahmen der Aufstellung des Regionalplans haben Verwaltung und Rat der Stadt Wülfrath im Jahr 2016 die Voraussetzungen für die dringend benötigte Entwicklung von Gewerbeflächen an der Rohdenhauser Straße im Bereich Stammeshaus geschaffen. Dafür sind an anderer Stelle des Stadtgebietes Gewerbeflächen in der gleichen Größenordnung entfallen, die aufgrund der Topografie und der Eigentumsverhältnisse schwerer zu entwickeln gewesen wären. Mit dieser Flächenausweisung ist der Regionalplan im März 2018 von der Bezirksregierung Düsseldorf bekannt gemacht worden“, so die Antwort der Verwaltung.

Die neuen Flächen befänden sich im Eigentum der Firma Lhoist. Der Rat der Stadt Wülfrath habe die Darstellung der neuen Gewerbeflächen befürwortet, da Lhoist als Eigentümerin im Vorfeld der Regionalplanänderung schriftlich zugesagt habe, die Flächen der Stadt Wülfrath für eine Gewerbeflächenentwicklung zur Verfügung zu stellen. „Über die konkreten Bedingungen der Entwicklung dieses Bereichs haben nach der Regionalplanänderung mehrere Gespräche zwischen der Stadt Wülfrath und Lhoist stattgefunden. Diese haben bisher noch nicht zu einem Ergebnis geführt“, sagt Bürgermeisterin Claudia Panke.

Demnach beabsichtige Lhoist die Flächen nicht zu verkaufen, sondern nur längerfristig zu verpachten, wodurch sie für die von der Stadt Wülfrath benötigte Gewerbeflächenentwicklung ungeeignet seien. Aufgrund der topografischen Voraussetzungen sei mit erhöhten Erschließungsaufwendungen zu rechnen. Zudem sei der Verwaltung aus Gesprächen mit grundstückssuchenden Gewerbetreibenden bekannt, dass interessierte Unternehmen überwiegend auf der Suche nach Erwerbsflächen sind, um eine langfristige Investitionssicherheit zu haben.

Ohne Einigung sollen „neue Flächen identifiziert werden“

„Da die Flächen im Bereich Stammeshaus im Rahmen der Regionalplanänderung ihre durch Zweckbestimmung festgelegte ursprüngliche Beziehung zum Kalkabbau verloren haben, liegt deren Entwicklung allerdings nun in der Planungshoheit der Stadt Wülfrath. Falls keine Einigung mit Lhoist zu erzielen ist, wird die Stadt Wülfrath in Abstimmung mit dem Kreis auf die Bezirksregierung zugehen müssen, um andere geeignete Flächen zu identifizieren. Die Darstellung von Gewerbeflächen im Bereich Stammeshaus wird in diesem Fall voraussichtlich aufgegeben“, so Claudia Panke abschließend.

Wie sieht Lhoist die Situation? „Das Werk Flandersbach hat als Rohstofflieferant für viele Industrien in unserem Land eine überragende Bedeutung. Die Sicherung vorhandener und Erschließung neuer Lagerstätten ist zugleich auch Zukunftssicherung unseres Standortes und bedeutet Perspektive für die Stadt Wülfrath und die gesamte Region. Wir begrüßen die Ansiedlung neuer Gewerbe, weil dies zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Wülfrath beiträgt. Daher stehen wir nach wie vor zu unserem Angebot, verfügbare Flächen – wie beispielsweise im Bereich Stammeshaus – zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel durch langfristige Verpachtungen.

Diese schließen auch Industrie-Ansiedlungen nicht prinzipiell aus“, so die Stellungnahme des Unternehmens. Weiter: „Welche Grundstücke aus dem Eigentum von Lhoist, die unsere eigene Standortsicherung nicht berühren, für die Nutzung als Gewerbeflächen in Frage kommen, muss im Einzelfall geprüft werden – eine konkrete Anfrage, zum Beispiel eines Unternehmens, liegt uns derzeit aber nicht vor. Einem konstruktiven Austausch dazu steht nichts im Wege.“

Die Firma Lhoist will keine Erbpachtverträge abschließen

Auf Nachfrage sagt Christian Zöller, Leiter Politik & Bürgerdialog von Lhoist, das Unternehmen wolle keine Erbpachtverträge abschließen, sondern „normale Pachtverträge, die von den Vertragspartnern ausgehandelt würden. Das Geschäft von Lhoist sei langfristig angelegt. Man könne solche Gebiete wieder selbst nutzen, wenn es nötig würde. Daher behalte man die eigenen Flächen lieber „in der Hand“.

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