Velbert : Laura Braun und die Folgen des Klimawandels

Musik- und Kunstschule Velbert präsentiert das Hörspiel „2025 – Schönes Wetter! Schöne Scheiße!“.

Wie jedes Jahr wollte das Ensemble „SpielArt“ der Musik- und Kunstschule Velbert auch im vergangenen Mai ein Theaterstück auf die Bühne der Vorburg von Schloss Hardenberg bringen. „Doch auf dem Weg dorthin mussten wir ausgerechnet an einem Freitag, den 13. im März feststellen, dass wir nicht mehr zusammen werden proben können. Wir haben länger diskutiert, was wir noch machen können. Eine Hörspiel-Produktion wollte ich immer schon mal machen. Aber kann die funktionieren, wenn wir uns nicht mehr zur Aufnahme in einem Studio treffen persönlich können?“, erinnert sich Theaterpädagogin Ute Kranz im Gespräch mit der WZ. Doch die Bedenken in der neunköpfigen Truppe im Alter zwischen 16 und 25 Jahren ließen sich ausräumen. Unter Coronabedingungen enstand das dreiteilige Hörspiel „2025 – Schönes Wetter! Schöne Scheiße“, das es zum Download bei Spotify und auf Youtube gibt.

Inspiriert von dem 2009 erschienen Roman „Euer schönes Leben kotzt mich an“ der Britin Saci Lloyd, der allerdings im London des Jahres 2015 spielt, entwickelte Ute Kranz mit ihren Theaterschülern und befreundeten Ensembles aus dem Bühnenstück kurzerhand ein Hörspiel, dessen Handlung allerdings bei Beibehaltung der Original-Namen der Charaktere die Zuhörer dazu einlädt, mit ins Bergische Land des Jahres 2025 zu reisen.

Inhaltlich geht es um das Leben von Laura Braun in einem Jahr, in dem alles anders wird. Die Welt ist durch den Klimawandel eine andere geworden: Die Regierung versucht, mit einer „Rationierung“ drastisch das Treibhausgas CO2 einzusparen. Jeder Mensch hat jetzt ein CO2-Konto, von dem alles abgebucht wird, was an Kohlendioxid verursacht wird. Laura, die mit ihrer Freundin Claire in der Punkband „Dirty Angels“ spielt, will sich nicht unterkriegen lassen: weder von ihren Eltern oder ihrer Schwester und auch nicht von Tom Meister und seiner kriminellen Familie, einem jungen Schurken, dem die Umwelt und alle Menschen egal sind. Laura will weiter Punk machen. Außerdem ist ins Nachbarhaus ein toller Typ eingezogen. Gibt es einen Weg, ihn auch mit der Rationierung kennenzulernen?

Den Stoff habe ihr kurz nach seinem Erscheinen eine Kollegin aus Dortmund ans Herz gelegt. „Ich finde, Saci Lloyd hat düstere Zukunftsvisionen, die ziemlich real sind. Auch mein Ensemble, jeder darf mitbestimmen, war begeistert. Doch wir können hier natürlich keinen Fluss wie die Themse über die Ufer treten lassen. Aber, dass die Kanalisation angesichts zu vieler versiegelter Flächen den Sturzregen nicht mehr packt, das hat es ja 2018 auch in Wuppertal schon gegeben, überflutete City-Arkaden inklusive“, so Ute Kranz.

Sie habe dann erst einmal eine Szene für die Probeaufnahmen umgeschrieben. „Dass ich auch Dramaturgin bin, hat mir dabei arg geholfen. Jeder hat seinen Part gesprochen und Rebecca Schäfer, die sonst die musikalische Leitung bei unseren Aufführungen hat, fügte diese Aufnahmen zusammen. Obwohl alle unterschiedliche Mikrofone nutzten, hat das auf Anhieb ganz gut geklappt. Und so ging’s weiter“, erklärt Ute Kranz. Weitere Ensembles wurden als Unterstützung hinzugezogen. Dazu gehören das Theater „MiniArt“ der Musik- und Kunstschule sowie die Ensembles „Drama Hilinci“ aus Heiligenhaus und aus Wuppertal das „junges börsenensemble“, die allesamt von Kranz betreut werden. Auch Ehemalige aus dem Theater und den Musikunterrichten beteiligten sich. „Auch für die Bühnenversion hätten wir reifere Stimmen gebraucht, für die Politiker, die dort alle als Puppen zu sehen gewesen wären. Und als alte Punk-Frau ist die Heiligenhauserin Jutta Friese-Gockel eingesprungen“, verdeutlicht die Hörspiel-Autorin. Umgesetzt wurde das Hörspiel schließlich von 30 verschiedenen Personen zwischen 14 und 26 Jahren vom heimischen Mikrofon aus. Dabei wurde nicht nur gesprochen, sondern natürlich auch mit Rebecca Schäfers Know-how für die passende Musik gesorgt und die einzelnen Ausschnitte zu einem Ganzen zusammengeschnitten.

Die Klickzahlen sind ganz gut angelaufen. Über Youtube wurde der erste Teil des Velberter Hörspiels bis Freitagnachmittag bereits 234 Mal abgerufen, Teil 2 war bis dahin 66 Mal und der dritte Teil 20 Mal gefragt. Jedi Episode dauert 45 Minuten. „Wir hoffen natürlich, dass sich über die neuen Kanäle das Interesse an unserer Arbeit noch vergrößern lässt. Vor gut 25 Jahren haben wir mit ,Gameboys in der Stadt’ noch CDs produziert, aber keiner der jungen Leute hat heute mehr einen CD-Spieler, alles wird gestreamt oder heruntergeladen. Gerade jetzt in der Pandemie wollen wir weiter für die Menschen da sein, ihnen niederschwellig, ohne Eintritt, Kultur anbieten“, sagt Ute Kranz und verspricht, dass die Musik- und Kunstschule Velbert ihr Podcast-Angebot kontinuierlich ausbauen wird.