Wülfrath : Künstlerische Konversation

Seit elf Jahren besucht Anja das offene Atelier im Haus Langensiepen der Bergischen Diakonie. „Der Kunst wegen“, versichert die Besucherin, die aber auch das Miteinander in der kunstschaffenden Einrichtung zu schätzen weiß.

Beim offenen Atelier geht es nicht primär um den Austausch. „Mir gefällt am besten, dass ich hier mit anderen Teilnehmern gemeinsam was schaffen kann. Jeder für sich selbst aber trotzdem zusammen. Und manchmal auch ganz still.“ Indirekt gibt Anja den Ansatz des Offenen Ateliers wieder, das neben zahlreichen Kursangeboten jeweils montags eine offene Atelierzeit anbietet. „In dieser Zeit ist jeder herzlich willkommen“, erläutert Sunci Matijanic. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Manuel Rohde leitet die Diplom Heilpädagogin und Kunsttherapeutin das Atelier inmitten des Diakoniegeländes.

Die integrative Arbeit ist ein Schwerpunkt des Angebotes

Einen wichtigen Schwerpunkt setzen die Beiden auf die integrative Arbeit. „Denn hier ist es ganz egal, ob man ein Krankheitsbild aufweist oder nicht. Die Kunst steht im Mittelpunkt“, weiß die Einrichtungsleiterin. Und so hat auch Anja in den vergangenen Jahren einige Kunstrichtungen für sich entdeckt. Von Malerei mit Acryl, Tusche oder Öl bis hin zur Bildhauerei. Derzeit fertigt sie eine Eule aus Pappmaschee an. Wie sie auf die Idee dazu kam, weiß die Künstlerin nicht mehr. „Die Eule kam mir so zugeflogen“, berichtet sie.

Ihr gegenüber sitzt Dagmar Kern, die ebenfalls gerne die Atelierzeit nutzt um ihre Kreativität auszuleben. Von der Einrichtung ist sie besonders wegen der zahlreichen, ideenreichen Menschen so begeistert. „Ich bekomme hier viele Anregungen für meine Kunst“, verrät Dagmar Kern, die in diesem Jahr zum bereits zweiten Mal einen Kurs zum Thema „Marmorieren“ geben wird. Dass im Haus Langensiepen der Mensch im Mittelpunkt des Bewusstseins steht, ist für Dagmar Kern nicht selbstverständlich. „Eine solche Einrichtung kenne ich im Umkreis kein zweites Mal“, sagt sie.

Natürlich darf das Offene Atelier auch als Ort des Austauschs genutzt werden. „Das untersagen wir hier niemandem. Aber die Menschen reden über sich selbst, wenn sie sich bereit dazu fühlen. Manchmal bieten wir auch Einzelgespräche an“, klärt Sunci Matijanic auf.

„Eine solche Einrichtung kenne
ich im Umkreis kein zweites Mal“

Mit der Kunst haben alle Besucher des Offenen Ateliers einen gemeinsamen Nenner gefunden, der auch gerne der Öffentlichkeit präsentiert wird. So findet jeweils im November die Werkschau statt. Eine Ausstellung, die die Bandbreite der einzelnen Kursschwerpunkte darstellt und die den jeweiligen Künstlern eine Möglichkeit zur Präsentation ihrer erstellten Werke bietet.

Auch werden immer mehr Einrichtungen im Umkreis auf die vielfältige Kunst des Ateliers aufmerksam. „Auch Anjas Werke haben es schon auf den Flur anderer Diakoniegebäude geschafft“, gibt Sunci Matijanic stolz wieder. Für die Nutzer der Bergischen Diakonie ist die Atelierzeit übrigens kostenlos. „Teilnehmer von außerhalb zahlen zehn Euro pro Tag, ermäßigt sind es fünf Euro.“ Auch besteht die Möglichkeit zum Erwerb einer Zehnerkarte für jeweils 90 Euro (ermäßigt
45 Euro).

Mehr von Westdeutsche Zeitung