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Wülfrath: Küchler: „Kulturabbau ist unzumutbar“

Wülfrath : Küchler: „Kulturabbau ist unzumutbar“

Ilona Küchler ist Fraktionsvorsitzende der Linken in Wülfrath. Im WZ-Sommergespräch brennt ihr ein Thema ganz besonders unter den Nägeln: die Zukunft des Zeittunnels. „Museen sind immer Zuschussbetriebe und eine gesellschaftliche Aufgabe.

Die Stadt sollte den Betrieb nicht allein in die Hände von Ehrenamtlern geben“, sagt die Politikerin, die sich eine andere Lösung als die Gründung einer Genossenschaft wünscht. Auch möchte Küchler weiterhin auf die Expertise von Museumsleiterin Andrea Gellert setzen, deren Zukunft im Zeittunnel nach aktuellem Sachstand von begrenzter Natur ist. „Wir brauchen ihre Erfahrung, um das Museum auch weiterhin attraktiv zu gestalten“, stellt Küchler fest, die große Hoffnungen in den künftigen Stadtrat setzt. „Ich hoffe, dass wir mit einer anderen Stadtratsbesetzung unsere Entscheidung noch einmal überdenken.“

Dass die Stadt bei der neuen Genossenschaft Anteile kaufen möchte, sieht Ilona Küchler nur als symbolische Geste. „Wir sprechen hier von 500 bis 1000 Euro. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, ärgert sich die Fraktionsvorsitzende, die viel lieber Konzepte zur Nutzung entwickeln möchte. „Wir sollten Kultur-Scouts ausbilden, die Museumsführungen anbieten, und vermehrt Schulklassen aus dem gesamten Umkreis ins Museum ziehen.“

Ein weiteres Thema der Linken-Politikerin ist der Wohnungsausbau. „2018 hatten wir in Wülfrath 16,5 Prozent sozialgebundenen Wohnraum zur Verfügung. Das muss ausgebaut werden. Doch in Bezug auf Wohnungsbau regt sich seit Jahren sehr wenig. Die Fläche am Düsseler Tor könnte bebaut werden, und auch der Sportplatz Düssel liegt seit Jahren brach“, sagt Küchler, die sich über die Stilllegung des Sportplatzes ärgert. „Diesen hätte man noch jahrelang weiter nutzen können, wenn die Bebauung so lange dauert.“ Auch soll sich eine Durchmischung von sozialgebundenem und normalem Wohnraum durch alle Stadtteile ziehen. „Das fördert auch den gesellschaftlichen Frieden“, so Küchler, die noch weiter denkt. „Denn wir sollten auch interkommunale Zusammenarbeit fördern. Im Kreis Mettmann bieten wir Wohnraum, den sich die Menschen in Düsseldorf nicht mehr leisten können. Wenn wir hier aber ebenfalls zu teure Wohnflächen schaffen, werden Menschen mit geringen Einkommen immer weiter von Düsseldorf verdrängt. Das darf nicht passieren.“

Schon lange hat die Linken-Politikerin nichts mehr so begeistert, wie die neue Vereinsinitiative „WIR“, die künftig das Gebäude der ehemaligen Volkshochschule beziehen wird. „Das wird ein wahrer Zugewinn, auch für die Fußgängerzone“, stellt Ilona Küchler fest. „Da wir in Wülfrath keine großen Filialisten halten können, ist es wichtig, dass Kunst und Kultur die Menschen in die Stadt zieht.“ Kritik übt Küchler an der „Strategie 22 plus“, die für mehr Zuzug von Bürgern nach Wülfrath sorgen soll.

„Bevor wir uns dieser Aufgabe annehmen, sollten wir uns erst einmal um die Menschen kümmern, die bereits in Wülfrath wohnen. Eine attraktive Innenstadt gehört dazu“, sagt sie.

Auf Kreisebene haben sich die Linken dafür eingesetzt, eine Einschleifung zu schaffen und somit die Circle Line zu installieren. „Wir sprechen von gerade einmal 800 000 Euro Mehrkosten für ein ohnehin millionenschweres Projekt“, erklärt Ilona Küchler, deren Vorschlag mehrstimmig abgelehnt wurde. „Jetzt wird es schwieriger und teurer die Circle Line umzusetzen.“ Die Politikerin spricht sich dafür aus, die Idee der Bewegung „Fridays for Future“, eine Schnellbusverbindung von Wülfrath nach Düsseldorf einzurichten, zu prüfen. „Prinzipiell müssen der Nord- und der Südkreis mehr miteinander vernetzt werden. Wir sprechen immer von Neanderland, können aber selbst unsere Kreisnachbarn nur schwer erreichen.“

Für die Zukunft wünscht sich Ilona Küchler, dass die Diskussionskultur im Stadtrat auf gleichbleibendem Niveau stattfindet. „Wir haben untereinander Respekt für den politischen Gegner. Die Zusammenarbeit ist angenehm, und wir konnten auch Anträge von unserer Fraktion einstimmig durchbringen“, erinnert sich die Politikerin.

Gerne möchte Ilona Küchler die zwei Stadtratsmandate behalten, diese durch ein gutes Wahlergebnis vielleicht noch vermehren. Mit einer Zeitungs-Steckaktion in die Briefkästen wird der Kommunalwahlkampf bei den Linken eröffnet. „Wir haben eine Zeitung aufgelegt, die nur Wülfrather Themen beinhaltet und unsere Sicht der Dinge schildert“, erläutert Ilona Küchler. Die Linken konnten bei ihrer Aufstellungsversammlung 15 von 16 Wahlkreise besetzen.