Wülfrath : Kosmetiker ziehen zum Landtag

Die Kosmetikbranche ist wütend, weil ihr Lockdown auf unbestimmte Zeit verlängert wird – mit einem Appell richtet sie sich an die Landespolitiker.

. Ab dem 1. März dürfen Friseure wieder ihre Läden öffnen. Ein Segen, nicht nur für den Berufsstand sondern auch für zahlreiche Kunden. Bestürzung ruft diese Entscheidung jedoch bei der Kosmetikbranche hervor, die von dieser neuen Regelung nicht profitiert. Kosmetikstudios müssen auch weiterhin geschlossen bleiben. Um diesen Unmut zur Schau zu stellen, treffen sich am kommenden Freitag gleich 120 Vertreter des Kosmetik-Berufszweiges vor dem Landtag in Düsseldorf, um der dortigen Politik einen Appell vorzutragen.

„Die Lage ist dramatisch: Die Corona-Krise bedroht den Bestand der professionellen Kosmetikstudios mit über 175 000 Selbstständigen und Beschäftigten in Deutschland. Rund 50 Prozent der Unternehmer stehen kurz vor der Insolvenz. Ihre Hoffnung auf eine Corona-konforme Öffnung ihrer Studios und Praxen wurde mit der ungewissen Verlängerung des dritten Lockdowns zunichtegemacht. Dabei erbringen auch die Beschäftigten der Kosmetikbranche wichtige gesellschaftsrelevante, gesundheitspräventive Dienstleistungen“, heißt es in der Pressemeldung des Berufsverbandes.

Auch Monique Schiemann ist von der weiteren Schließung betroffen. Seit 20 Jahren ist sie selbstständige Kosmetikerin, hat ihr Studio „Skin deep“ an der Robert-Bosch-Straße in Wülfrath. „Ich finde für diese Regelung keine Worte mehr. Es nervt nur noch, wie mit uns umgegangen wird“, ärgert sich die Unternehmerin, die seit dem 1. November vergangenen Jahres durchweg geschlossen hat. Ihre Mitarbeiterin befindet sich in Kurzarbeit, sie selbst lebt von ihren Ersparnissen. „Es geht dabei um meine Altersvorsorge, die ich nicht bereit bin aufzugeben“, so Monique Schiemann weiter.

An der Demonstration in Düsseldorf wird die Wülfratherin aus Zeitgründen nicht teilnehmen können, ihre Gedanken sind jedoch bei ihren Kolleginnen und Kollegen, die zur Landeshauptstadt ziehen. „Wir behandeln in unseren Praxen auch Krankheitsbilder und bieten nicht nur Entspannungsbehandlungen an. Das ist vielen Menschen nicht bewusst. Meine Stammkunden können es nicht erwarten, dass ich endlich wieder öffne.“ Nach dem ersten Lockdown hat Monique Schiemann in neue Geräte investiert, die von den Kunden selbst bedient werden können. „Ich stelle die Geräte nur an und befinde mich danach nicht einmal mehr im selben Raum. Doch selbst diese Investition hat nichts genutzt, wir mussten trotzdem schließen.“

Ksenija Knaus ist in der dekorativen Kosmetikbranche aktiv. Im vergangenen Jahr hat sie sich als Make-up Artist selbstständig gemacht und versucht ein finanzielles Standbein aufzubauen. „Was mir verloren geht, ist besonders die Zeit. Gerade in den ersten Monaten und Jahren muss ich mich mit kostenlosen Auftragsjobs bekannt machen. Mir ist bereits ein ganzes Jahr verloren gegangen“, ärgert sie sich. Finanzielle Auswirkungen hat der Ausfall nur bedingt. „Denn mein Mann arbeitet in einem systemrelevanten Beruf und kann die Kosten auffangen“, ergänzt die Wülfratherin.

In die Zukunft blickt Ksenija Knaus trotzdem mit reichlich Skepsis. „Viele Termine für dieses Jahr wurden schon wieder abgesagt und auch Hochzeiten, für die ich gerne gebucht werde, finden nicht statt. Das erschwert die Situation.“ Großes Mitgefühl bringt sie für ihre Kollegen in der Kosmetikbranche auf. „Ich kann den Unmut sehr gut verstehen und hoffe sehr, dass schnelle Lösungen geschaffen werden, damit auch die Kosmetikbranche wieder öffnen darf.“