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Wülfrath: Kontroverse über Zukunft des VHS-Hauses

Wülfrath : Kontroverse über Zukunft des VHS-Hauses

Die Verwaltung hat vier Varianten vorgeschlagen, wie das Gebäude im städtischen Besitz genutzt werden könnte. Vor allem die CDU ist wenig begeistert.

. Das ehemalige VHS-Haus (Wilhelmstraße 189) behalten oder verkaufen? Um diese Frage ging es im Kern bei der gemeinsamen Sondersitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (AWS), des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit, des Jugendhilfeausschusses (JHA) und des Schulausschusses (SchulA) im großen Sitzungssaal des Rathauses. Während sich draußen die Temperaturen nah an die 40-Grad-Marke erhitzten, wurde dieser Wert gefühlt im Sitzungssaal noch bei weitem übertroffen. Grund war, dass die von der Verwaltung geforderten möglichen Nutzungen – wenn die Immobilie in städtischen Besitz bleiben soll – als gut 20 Seiten starkes Dokument erst am Tag der Sitzung kurz vor 14 Uhr an die Ausschussmitglieder elektronisch übermittelt wurden.

Der CDU-Ratsherr und Landtagsabgeordnete Martin Sträßer übte harsche Kritik: „Das ist ein respektloses Verhalten gegenüber den ehrenamtlich tätigen Politikern. Ich bin geneigt, zu Worten zu greifen, die im parlamentarischen Raum nichts zu suchen haben“, wetterte Martin Sträßer in Richtung Verwaltungsbank. Er behalte sich vor, dieses Verfahren kommunalrechtlich prüfen zu lassen. Abgesehen von der späten Zurverfügungstellung der Unterlagen kritisierte die CDU, dass sämtliche Ansätze der Verwaltung auf Grobschätzungen beruhten.

Die Verwaltung schlägt
vier Varianten zur Nutzung vor

Die Verwaltung hatte vier Varianten angeboten. Den von der Stadt favorisierten Umzug der Medienwelt und des Stadtarchivs in das Gebäude, die weniger attraktive Variante, die eine Unterbringung des Niederbergischen Museums vorsieht (der Trägerverein lehnt solche Überlegungen bisher ab), eine Unterkunft für eine Vereins- und Kulturzentrale sowie die Nutzung des gebäudes als Großtagespflege für 30 Kleinkinder. Je nach Variante bezifferte der Technische Dezernent, Martin Barnat, die Sanierungskosten zwischen etwa 1,8 Millionen Euro und rund 2,5 Millionen Euro. Allerdings könnten wahrscheinlich 70 Prozent Fördergelder akquiriert werden.

Der Verwaltungvorschläge gehen von einem Förderzeitraum von 20 Jahren aus und sparen dem Haushalt laut Martin Barnat zwischen 600 Euro – falls dort eine Großtagespflege untergebracht würde – und 1,52 Millionen Euro, wenn eben die Medienwelt einzieht. Die haushalterische Abschreibung beträgt allerdings 57 Jahre. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Effert erinnerte daran, dass auch Fördergelder aus Steuermitteln stammen.

Die CDU beharrte schließlich darauf, den längst gefassten Beschluss, das Gebäude zu verkaufen, endlich umzusetzen. Der CDU-Ratsherr Andreas Seidler bekräftigte, keinen Beratungsbedarf mehr zu haben. Nicht zuletzt, weil ihn die Verwaltungsvorschläge „ratloser machen, als ich es zuvor war“. Dem stimmte auch Axel Effert zu, der ebenfalls „den Deckel draufmachen“ wollte. Die endgültige Entscheidung wird aber am 9. Juli im Rat getroffen.

Dafür hatte wiederum Thomas May (Grüne) gesorgt, in dem er ein Agreement bemühte. „Die Grünen haben noch Beratungsbedarf“. Damit tritt ein Übereinkommen in Kraft, dass Kampfabstimmungen vermieden werden. Wie der Rat wahrscheinlich entscheiden wird, ließen sich die Mitglieder der Ausschüsse nicht anmerken. fest steht, dass die CDU den Verkauf wünscht und die Wülfrather Gruppe die Unterbringung der Medienwelt ablehnt.