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Velbert/Wülfrath: Konjunktur schleicht im Kriechgang voran

Velbert/Wülfrath : Konjunktur schleicht im Kriechgang voran

Die IHK stellte Ergebnisse ihrer Umfrage bei 200 Unternehmen aus dem Kreisgebiet vor. Kfz-Zulieferer befinden sich im Sog des Strukturwandels der Autohersteller.

„Die Konjunktur im Kreis Mettmann befindet sich im Kriechgang: Teilbereiche sind schlecht aufgestellt, andere erleben einen Boom“, beschreibt Markus Stimler die derzeitige Situation im Kreis Mettmann. Der Leiter der Velberter Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Düsseldorf stellte zusammen mit dem Konjunktur-Experten Gerd Helmut Diestler das Ergebnis der aktuellen IHK-Umfrage vor, an der sich rund 200 Betriebe mit 20 000 Beschäftigten beteiligt hatten. „Im Herbst war die Stimmung negativer, jetzt gibt es Hoffnung, dass die Abwärtsbewegung endet. Aber es gibt auch keinen Aufschwung, sondern eher eine Seitwärtsbewegung“, konstatiert der Analyst Diestler.

Der Anteil der Pessimisten hat sich von deutlich mehr als 30 Prozent auf weniger als 20 Prozent verringert. „Man muss nicht Angst haben, dass sich die Wirtschaft schlecht entwickelt“, stellt Diestler fest. Dennoch beschreibt der Fachmann Risiken: „Im Außenhandel gibt es immer wieder Irritationen über Handelshemmnisse. Der Brexit ist im Vergleich zur Aufregung im vergangenen Jahr geschmeidig vonstatten gegangen. Aber noch ist nichts geregelt: Für die Wirtschaft ist das noch nicht ausgestanden. Es wird spannend werden, denn es zeigt sich bereits jetzt, dass ein Dissens entsteht. Das ist ein Risiko für exportorientierte ­Branchen.“

In einer „guten bis sehr guten Verfassung“ sieht Diestler die Binnenkonjunktur, angefangen vom Groß-und Einzelhandel über Bekleidung und Ernährung. Die Bauwirtschaft boomt immer noch. Schloss und Beschlag geht es angelehnt an die Baukonjunktur auch gut, anders sieht es für die in Velbert, Wülfrath und Heiligenhaus stark vertretenden Kraftfahrzeugzulieferer aus. „Die stehen nicht auf der Sonnenseite. Das hängt aber weniger mit der Konjunktur zusammen, es handelt sich vielmehr um ein strukturelles Problem, wenn durch die Elektromobilität weniger Zurüstteile für Motoren und Getriebe anfallen. Hier sind die Erwartungen etwas skeptischer als in anderen Bereichen der Kammer.“ Die Veränderungen der Kfz-Branche wirken sich auf die industrienahe Logistik aus, allerdings nicht auf Personentransport und Online-Handel: „Da brummt das Geschäft.“

Die Veränderungen in der Automobilbranche haben sich noch nicht auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. „Ein bisschen überwiegt der Abbau, gleichzeitig sieht man einen Fachkräftebedarf, aber bei allen Betrieben ist eine leichte Entspannung eingetreten. Nur in der Bauwirtschaft suchen alle Betriebe nach Mitarbeitern.“ Gerd Helmut Diestler erwartet eine leicht wachsende Arbeitslosigkeit, aber er hält die Situation nicht für besorgniserregend: „Wer gut ausgebildet ist, der findet wieder einen neuen Arbeitsplatz.“ Die hohe Zahl der Beschäftigten spiegelt sich im Konsum: „Die Binnenkonjunktur ist intakt.“

Bei der IHK-Umfrage war die Entwicklung durch den Ausbruch des Coronavirus noch nicht absehbar: „Die Epidemie zeigt, wie wenig man vor Ort machen kann. Die Weltwirtschaft ist so verknüpft, dass durch so etwas große Irritationen ausgelöst werden, vor allem wenn Zulieferketten unterbrochen werden. Die Pharmaindustrie im Südkreis könnte durch Corona gewinnen, wenn ein entsprechendes Mittel entwickelt und produziert würde.“