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Knorr-Bremse Wülfrath: Betriebsrat kritisiert Konzern

Wülfrath : Betriebsrat widerspricht Konzern-„Tatsachen“

Ein sogenannter „Faktencheck“ ging an die Medien, nicht aber an die Arbeitnehmer.

Der Betriebsratsvorsitzende Ahmed Yildiz ist schwer zu erreichen an diesen Tagen. Als es am Dienstagabend endlich klappt, beteuert er, den „Faktencheck“, in dem der Konzern Argumente auflistet, die aus dessen Sicht für eine Schließung sprechen, nicht zu kennen: „Ein Journalist hat uns am Tag der Demonstration darauf angesprochen. Dem Betriebsrat ist dieses Papier bis heute (Dienstag) nicht zugegangen.“ So habe man sich die Kommunikation mit Knorr-Bremse nicht vorgestellt, sagt er und Verärgerung schwingt mit.

Betriebsrat hat Sachverständige und Gutachter eingeschaltet

Im „Faktencheck“, datiert auf Samstag, 13. Juli, wird ganz klar der Bezug zur Demo in Wülfrath am selben Tag hergestellt. Es würden „Fehlinterpretationen über die Sachverhalte kursieren“. Deswegen „möchten wir Sie gerne über die folgenden Tatsachen informieren.“ Zunächst einmal wird beteuert, dass es Knorr-Bremses vorrangiges Ziel sei „möglichst viele Mitarbeiter in Beschäftigung zu halten beziehungsweise zu vermitteln“. Im folgenden Text werden ziemlich aggressiv angebliche Behauptungen – wohl der Arbeitnehmer – wiedergegeben, um ihnen dann „Tatsachen“ entgegenzustellen.

Beispiel: „Behauptung: Es bestehen noch volle Auftragsbücher bis zum Jahr 2026. Tatsache: Der letzte Großserienauftrag von Ford läuft in diesem Jahr aus. Weitere Nischenaufträge laufen für hydraulische Zahnstangenlenkungen und Lenkungskomponenten. Diese betreffen aber nur ein Zehntel des Jahresumsatzes und können den Standort weder vom Ertrag noch von der Beschäftigungssituation her auslasten. Würde die Fertigung der Nischenaufträge auch ohne den Großserienauftrag fortgeführt, würde sich ein negatives Ergebnis in sechs- bis siebenstelliger Höhe pro Jahr ergeben.“

Betriebsrat Yildiz widerspricht schon, als er die Behauptung hört: „Von vollen Auftragsbüchern war nie die Rede, nur von gebuchten Aufträgen bis 2026. Wie umfangreich diese sind, wissen wir nicht, weil uns diese Fakten bisher nicht mitgeteilt worden sind. Uns ist bewusst, dass wir nicht alle 360 Mitarbeiter halten können, gehen aber davon aus, dass es noch Arbeit für etliche von ihnen gibt.“ Aus diesem Grund haben Betriebsrat und IG-Metall „Betriebsprüfer, Gutachter und Sachverständige eingeschaltet, die beweisen werden, dass der Erhalt des Werkes bis 2026 betriebswirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt Yildiz. Auch Rechtsexperten habe man verpflichtet.

Zurück zum Faktencheck der Konzernspitze: „Behauptung: Knorr-Bremse hat nicht in Wülfrath investiert und damit den Standort ausbluten lassen. Tatsache: Knorr-Bremse hat von 2016 bis 2018 substanzielle Investitionen am Standort getätigt. Neben strategischem Management-Support wurden auch zusätzliche Ingenieure eingestellt, um das Innovationsmanagement und die Entwicklung zukunftsfähiger Produkte zu stärken. Darüber hinaus wurden Investitionen in hoher einstelliger Millionenhöhe in neue Produktionsanlagen und F&E-Ausrüstung getätigt.“

Yildiz interveniert: Das habe auch niemand behauptet. – Ja, der Konzern habe investiert, und zwar das Geld der Arbeitnehmer. „Die Belegschaft hat zwei Jahre lang auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet, damit in den Standort investiert und dieser zukunftssicher gemacht wird. Jeder Mitarbeiter hat auf rund 5000 Euro verzichtet, macht insgesamt rund drei Millionen Euro. Dieses Geld wollen wir jetzt zurück haben.“ Im Nachhinein fühle man sich getäuscht und werde für den Standort kämpfen.