Velbert : Klimaschutz: Schon vieles erledigt

Bei einer Sondersitzung hat der Verwaltungsrat der Technischen Betriebe über zahlreiche Anträge zum Thema diskutiert.

Die Liste der Eingaben, die vornehmlich von den Grünen gestellt wurden, war lang und reichte von der Forderung nach Maßnahmen gegen das Artensterben und für Insektenschutz, über Ersatzpflanzungen, die Anlage von „Wildniswald“ und Patenschaften für öffentliche Bepflanzungen bis zur Aufforderung, künftig nur noch hitze- beziehungsweise trockenrobuste Baumarten anzupflanzen und ein Mobilitätswendekonzept aufzustellen. Bevor die Mitglieder des Gremiums in die Beratungen einstiegen, stellte Bernhard Wieneck vor, was von Seiten der TBV bereits in Sachen Klimaschutz unternommen wurde. Außerdem hatten die Geschäftsbereiche vorab umfänglich Stellung zu den Anträgen bezogen.

Stichwort Blühflächen: „Das Thema ist nicht ganz neu“, sagte TBV-Chef Sven Lindemann. So haben die TBV zu Jahresbeginn das Anlegen von Wildblumenwiesen aufgenommen, wurden rund 1300 Quadratmeter Fläche Intensivrasen mit regionalem Saatgut umgewandelt: „Anzahl und Fläche der Wildblumenwiesen werden 2020 deutlich erhöht“, so Lindemann. Dafür vorgesehen sind zum Beispiel der Deckel auf dem Tunnel Birth, in Neviges der Stadtgarten. Zudem sollen auf diesen Arealen weitere Insektenhotels aufgestellt werden.

Zum Thema Pestizide sagte Lindemann, dass die schon seit fünf Jahren nicht mehr eingesetzt werden: „Wir arbeiten mit Kehrbesen und Schaber.“ Zur Idee, sogenannten „Wildniswald“ anzulegen, äußerte sich Forstwirt Peter Tunecke skeptisch: Der Wald in Velbert sei durch eine große Anzahl von Klein- und Kleinstparzellen, eine enge Verzahnung mit der Bebauung oder privatem Wald und nicht zuletzt durch eine Vielzahl von Verkehrswegen wie Straßen, Bahn, öffentlich genutzte Zuwegungen der Anlieger und Schulwege einerseits sowie durch zahlreiche Strom-, Licht-, Telekomunikations-,
Gas-, Wasser- und Abwasserleitungen andererseits gekennzeichnet. Bei Einhaltung der erforderlichen Sicherheitsabstände kämen lediglich winzige Inseln von zum Teil nur wenigen Hundert Quadratmeter als Wildniswald in Frage, die weit entfernt wären von den definierten Mindestgrößen im Hektarbereich. Eine Realisierung wird daher nicht als sinnvoll angesehen.

Stadt will Baumscheiben und mehr öffentliches Grün schaffen

Einstimmig angenommen wurde der Vorschlag, Patenschaften für sogenannte Baumscheiben und öffentliche Bepflanzungen einzurichten. Stadt und TBV sollen zeitnah ein entsprechendes Konzept erarbeiten. Auch das Thema Verkehr nahm in der Sitzung einigen Raum ein. So werden die noch im Stadtgebiet vorhandenen Quecksilberdampflampen (HQL) sukzessive gegen energieeffiziente LED-Leuchten ausgetauscht. Die rund 2300 HQL-Lampen machen über ein Viertel der Velberter Straßenbeleuchtung aus. Über die Hälfte der Leuchten ist bereits getauscht, die Maßnahme soll bis 2021 abgeschlossen sein. Von 76 Ampeln in TBV-Regie sind Dreiviertel auf LED-Technik umgerüstet. Unter den Pkw der TBV gibt es inzwischen die ersten Elektrofahrzeuge, der Umstieg der Lkw – zum Beispiel Müll- oder Streufahrzeuge – auf elektrischen Antrieb ist zur Zeit nicht absehbar. Verärgert zeigte sich der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Dirk Lukrafka, über einige der Forderungen, etwa die nach der Anpflanzung klimarobusterer Baumarten. Das geschehe längst: „Wenn Sie so etwas beantragen, sprechen Sie unseren Leuten die Fachkompetenz ab“, tadelte der Bürgermeister und verwies auf die anwesenden Mitarbeiter aus den Bereichen Grün und Forst: „Die haben das studiert, die haben jahrelange Berufserfahrung, das ist ihr Job!“ Die Aufstellung bereits angelaufener Maßnahmen, die Anträge zum Thema Klimaschutz und die Stellnahmen der TBV können im Ratsinformationssystem der Stadt eingesehen werden.

www.velbert.de