Neviges : Kindermode statt Kontoauszüge

Maria Tasci hat sich in der ehemaligen Filiale der Volksbank einen Traum erfüllt.

Vor einem Monat hatte der Leerstand in den einstigen Räumen der Volksbank ein Ende: Maria Tasci hat den Sprung in die Selbständigkeit gewagt und an der Schaesbergstraße „Mary’lou“, ein Fachgeschäft für Kindermode eröffnet.

Ein Jahr nach der Deutschen Bank hatte auch die Volksbank im Bergischen Land im Juli 2020 ihre SB-Filiale Neviges aufgegeben: „Die Auslastung der Automaten stand leider nicht mehr im angemessenen Verhältnis zum Aufwand für die Bereitstellung“, erläutert Kristina Hellwig, Leiterin der Volksbank-Unternehmenskommunikation. Man habe nach geeigneteren Standorten in Neviges gesucht, allerdings seien die Anforderungen an die Sicherheit in den vergangenen Jahren immer stärker gestiegen, so dass die Volksbank nicht mehr in Neviges vertreten ist.

Nun stehen dort, wo früher Geldanlagen verkauft und Kreditverträge abgeschlossen wurden, auf rund 200 Quadratmetern Ständer mit schicken Kleidchen, modische Sets aus Oberteil und passender Hose, Regale mit Pullovern, dazu Schuhe, Accessoires wie Haarspangen oder Armbändchen – alles, was das Herz kleiner Damen höher schlagen lässt. Die Abteilung für Jungs ist ein bisschen kleiner, aber auch dort findet sich ein pfiffiges Angebot für den Alltagsgebrauch wie für den festlichen Anlass. Die meisten Sachen stammen aus Griechenland, erläutert die Nevigeserin und Tochter der im Dorf bekannten griechischen Gastronomen „Elisabeth und Lefti“: „Wir haben jeden Sommer groß in Griechenland eingekauft, weil die Kindersachen dort viel schicker sind als hier“, berichtet die erfahrene Mutter zweier zwei und vier Jahre alter Söhne aus eigener Erfahrung. So entwickelte sie mit ihrer Mutter Elisabeth vor über einem Jahr die Idee, Kinderkleidung aus Hellas zu importieren und ein Geschäft für Kindermode zu eröffnen. Mit der Anmietung der ehemaligen Bankfiliale und der Eröffnung Anfang Dezember setzte die 30-Jährige das Projekt in die Praxis um, nachdem zuvor die ganze Familie bei der Einrichtung des Geschäftes mitgeholfen hatte. Auf einen professionellen Ladenbauer verzichtete Tasci: „Das war mir gerade am Anfang viel zu teuer.“ Sie kaufte stattdessen bei einem schwedischen Möbelhaus ein: „Da kann man auch schnell mal was erweitern.“

Zuvor hatte sich Tasci persönlich bei Lieferanten in Thessaloniki umgeschaut, wollte zum Beispiel wissen, wie die Verarbeitung aussieht: „Wir möchten etwas anbieten, was schick ist, was nicht jedes Kind trägt, etwas Alternatives zur Stange beim Klamottendiscounter, aber zu bezahlbaren Preisen“, wobei das Angebot sich an Kinder vom Baby bis zum 15-jährigen Teen richtet. So liefen die ersten Tage nach der Eröffnung sehr gut an: „Vor allem die Sets waren gut gefragt“, so Tascis Erfahrung.

Das Sortiment wird auch
über Instagram angeboten

Dann kam der Lockdown, und das Geschäft musste nach nur wenigen Tagen für Kundenverkehr schließen. Das bedeutet aber nicht das Ende des Verkaufs - die Jungunternehmerin bietet ihr Sortiment auch über Facebook („Mary’lou“) und Instagram („marylou_kindermode“). „Das klappt ganz gut“, berichtet sie, freut sich vor allem, dass die Nevigeser sie auch online toll unterstützen. Die Bilder für das Internetangebot schießt sie selbst, hat dafür ein ehemaliges Büro im hinteren Bereich zum Fotostudio umgebaut. Außerdem sei ein Online-Shop in Vorbereitung. Dank des abgetrennten Vorraums, der früher die SB-Terminals beherbergte, ist eine kontaktfreie Abholung zu vereinbarten Zeiten (Telefon 02053/493 01 02) problemlos möglich.

Natürlich hofft Maria Tasci, dass sie bald wieder regulär öffnen kann. Unter den gegebenen Umständen ist sie aber auch froh, dass sie mit einer festen Anstellung noch ein zweites berufliches Standbein hat und der Start in die Selbständigkeit kein Sprung ins eiskalte Wasser war. So ist ihre Mutter, die Tascis Begeisterung für das Geschäft teilt und sie nach Kräften unterstützt, fest eingespannt: Sie übernimmt im Laden, wenn die Tochter in ihrem Job arbeitet.