Kein Wasserspiel für Neviges

Zu teuer: Der Verein Kinderstadt verabschiedet sich von dem Plan des „Navigisa-Brunnens“ .

Neviges. Der lange geplante Bau des Navigisa-Brunnens auf dem Platz Im Orth ist vom Tisch. Das Projekt sei nicht finanzierbar, teilte der Verein „Kinderstadt Neviges“ jetzt mit. Allein die bronzene Brunnenplatte hätte je nach Angebot zwischen 107 000 und 143 000 Euro gekostet, so der Vorstand. Deshalb sei „schweren Herzens“ das Aus per Beschluss besiegelt worden, sagte Vorsitzende Christiane Windgassen.

Rückblick: Schon vor einigen Jahren hatte der Nevigeser Künstler Reiner de Bruyckere die Wasserlandschaft mit stilisiertem Schloss Hardenberg im Mittelpunkt entworfen. Im Rahmen des Ende 2008 vorgestellten Entwicklungskonzeptes sollte das interaktive Wasserspiel den vorhandenen, maroden Brunnen ersetzen, der Platz als Ausgangspunkt der Achse Innenstadt-Dom-Schloss komplett neu gestaltet werden.

Doch schon die Suche nach einer Gießerei für die fast drei Meter große Platte erwies sich als schwierig. Nach diversen Vereinfachungen und Änderungen des Entwurfs — wegen sicherheitstechnischer Aspekte war auch der Tüv zu beteiligen — sollte der Abguss in mehreren Teilen erfolgen. Die Kostenvoranschläge, die dazu eingeholt wurden, machten indessen alle Träume zunichte: „Dass es so teuer wird, haben wir nicht erwartet“, klagte Christiane Windgassen. Vor dem Hintergrund schmerzhafter Einschnitte in den städtischen Haushalt sei eine derartige Ausgabe jedoch nicht zu rechtfertigen: „Wir schließen das Freibad in Langenberg und stecken dann eine solche Summe in einen Brunnen? Das steht in keinem Verhältnis“, sagte Windgassen und fügte hinzu: „Davon abgesehen haben wir das Geld nicht.“ Allein mit der Förderzusage der Jubiläumsstiftung der Sparkasse für den Brunnen — veranschlagt waren etwas über 40 000 Euro — und den vereinseigenen Mitteln wäre die erforderliche Summe jedenfalls nicht zu stemmen.

Auch TBV-Chef Ralph Güther bedauert das Scheitern des Projektes. Jetzt soll schnellstmöglich die Technik des alten Brunnens überprüft und instand gesetzt werden. Die Pläne zur Umgestaltung des Platzes — sie sahen unter anderem eine Verlagerung des Brunnenstandortes vom Zentrum in eine Ecke des Platzes vor — würden damit erst einmal ad acta gelegt: „Für die Leitelemente müssen wir uns jetzt etwas einfallen lassen“, sagte Güther. Sie waren zugleich Gestaltungselemente des neuen Platzes.

Für Reiner de Bruyckere bedeutet die Entscheidung eine große Enttäuschung: „Das tut mir sehr leid für Neviges, hier wird eine Chance vertan.“ Mit dem Brunnen wäre ein Anknüpfungspunkt zwischen realem Schloss und Innenstadt entstanden, wäre der Grundriss der alten Wasserburg hinein in die City geholt worden. Der Ortsname Neviges ist abgeleitet von Navigisa, der Bezeichnung des Hardenberger Bachs, der einst Wassergräben und Teiche am Schloss speiste.

Der Verein will unterdessen nicht untätig bleiben: „Wir haben noch eine nennenswerte Summe an nicht zweckgebundenen Spendengeldern, die wir für den Brunnen eingeplant hatten. Diese werden wir jetzt zeitnah für andere Projekte in Neviges einsetzen“, erklärte Alexandra Gräber, zweite Vorsitzende des Kinderstadt-Vereins. So sollen zwei Spielgeräte an zwei Nevigeser Kindergärten gespendet werden. Daneben hofft der Verein, dass die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Neviges auch weiterhin im Fokus ihrer Förderung behält.

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