Kathedrale: Kulturtempel mit Nischen

Zwar freut sich Kulturmacher Bernd Kicinski, wenn die Kathedrale ausverkauft ist. Doch dafür schielt er nicht nur auf Populäres. So ist in Schlupkothen auch Raum für Literatur.

Wülfrath. Er lacht. Er winkt ab. Er schüttelt den Kopf. „Nee. Zu mehr Kultur komme ich nicht.“

Unternehmer (Tischlerei, Innenausbau) und Kulturmacher Bernd Kicinski hat in der Freizeit nur ganz selten Gelegenheit dazu, mit der Familie eigenen kulturellen Wünschen nachzukommen.

„Am liebsten Musicals“, nennt er sein favorisiertes Ziel, wenn es dann doch mal klappt. „Dafür ist unsere Bühne in Schlupkothen aber zu klein“, fügt er hinzu und lächelt wieder.

Kicinski hat allen Grund, gut gelaunt zu sein. Das Programm für die Kathedrale des Kommunikations-Centers kann vielfältiger und praller kaum sein. Insgesamt 43 Veranstaltungen stehen in den kommenden zwölf Monaten an.

Gut möglich, dass noch die ein oder andere dazu kommt. „Dann gibt es Extra-Flyer“ — wie für das Boogie-Woogie-Gastspiel Jörg Hegemann und Patrick Ziegler am kommenden Sonntag.

Auf insgesamt neun Köpfe ist das Kultur-Team Schlupkothen angewachsen, das die 35 Kulturtermine und sechs Trödelmärkte organisiert — Tendenz steigend. Dagegen stagniert die Zahl im „Kulturadel“, dem Förderverein des Kulturprogramms.

Für den Beitrag von 150 Euro pro zwölf Monate kann man diesem beitreten — und hat dann freien Eintritt in alle Veranstaltungen. Doch gerade mal eine Handvoll fühlt sich diesem Adel zugehörig. „Schade eigentlich“, findet Kicinski.

Die Besucherzahlen dagegen haben sich stabilisiert. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich zehn oder 20 Leute in der Kathedrale verloren haben. Viele Veranstaltungen sind mit mehr als 100 Gästen ausverkauft.

Dass der Zuspruch anhält, darauf setzt der 47-Jährige. Aber er geht dafür nicht auf „Nummer sicher“. 19 neue Künstler und Acts sind in diesem Jahr zum ersten Mal im Kulturkalender vertreten. Auch Lesungen und Literatur findet sich darin wieder, nachdem diese kulturelle Spielart zuletzt weniger gefragt war.

Kicinski: „Wir wollen breit gestreut mit unserem Angebot sein. Dazu gehören auch Lesungen. Das wollen wir hochhalten und fördern.“ Zum Beispiel schon am 18. Januar, wenn Klaus Grabenhorst Gedichte und Geschichten „Von der Liebe“ — so der Titel des Abends — erzählt.

Neu dabei ist auch „Frau Koster“, eine Kabarettistin. Bei ihr geht es am 15. Februar „um die Macht“. Ihr erscheint regelmäßig Angela Merkel im Badezimmerspiegel.

Vielversprechend hört sich ebenso Wolfgang Kalb an, der am 15. April bei seiner Kathedralen-Premiere dem traditionellen Blues widmet. Schon davor, am 3. April, kann Kicinski Blues- und Boogie-Granate Ben Waters präsentieren.

In Wülfrath und Umgebung alles andere als neu und unbekannt sind Olli Henrich und Jens Rösel. Als „Das Dynamische Duo“ touren sie durch die Republik. Sie spielen am 21. Oktober aber zum ersten Mal in der Kathedrale. Da darf das Kultur-Team schon mal überlegen, ob es da nicht auf eine Bestuhlung verzichtet. Wer kann bei dem Duo schon sitzenbleiben?

Mit Musikfreunden (28. Oktober), „Deutsche Sänger“ (30. September) und den „Scheibenwischern“ (5. Februar) fehlen weitere lokale Akteure nicht.

Am 29./30. Juni steigt dann das „1. Schlupkothener Musik’s“ — ein zweitätiges Open-Air mit sechs Bands. Namen verrät Kicinski nicht. „Noch nicht.“ Sagt’s und lächelt — mal wieder.

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