Neviges : Kammerchor ist derzeit heimatlos

Am Geburtstag von Mozart gründeten sangesfreudige Nevigeser einen neuen Klangkörper.

Der Kammerchor Hardenberg blickt am heutigen Mittwoch auf sein 40-jähriges Bestehen zurück. Den 27. Januar 1981 wählten die sangesfreudigen Damen und Herren ganz bewusst: Es war der 225. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart. Selbstverständlich gehören die Lieder des musikalischen Wunderkindes aus Salzburg zum festen Repertoire des Ensembles, wenn dann wieder gesungen werden darf.
„Den Sommer haben wir im Freien bei einer Chorkollegin überbrückt, die einen großen Garten hat. Dort haben wir mit weitem Abstand in verminderter Anzahl geprobt. Das war nicht einfach, aber man konnte sich wenigsten mal wieder sehen“, beschreibt der Vorsitzende Andreas Barnkothe im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung das durch Corona stark eingeschränkte Vereinsleben. „Immerhin haben wir noch alle 18 Mitglieder, die auch ihre Beiträge entrichten, damit wir unsere Chorleiterin bezahlen können.“

Seit einigen Jahren werden die sangesfreudigen Nevigeser durch Anna Levina musikalisch angeleitet, die auch den evangelischen Kirchenchor führt. „Da kann man sich immer mal mit einigen Mitgliedern aushelfen, besonders vor Auftritten oder bei Projekten“, beschreibt Andreas Barnkothe die praktischen Auswirkungen der Verbindung.

Der Kammerchor Hardenberg hatte in den vergangenen vier Jahrzehnten zahlreiche Auftritte, so in der ehemaligen Kirche im Siepen, in der Vorburg von Schloss Hardenberg oder beim Freundschaftssingen des Männergesangvereins Wülfrath vor dem dortigen Zeittunnel. Als es an der Stadtkirche Neviges noch den „alternativen Weihnachtsmarkt“ gab, wurde dieser durch den Chor eröffnet. „Ein weiteres Traditionskonzert haben wir immer kurz vor Weihnachten in der Ruhrlandklinik in Essen-Heidhausen, anschließend trafen wir uns bei einem Mitglied zur Weihnachtsfeier“, erinnert sich Andreas Barnkothe wehmütig: „Ich vermisse diese Gemeinschaft“.

„Den letzten Auftritt hatten wir im Februar des vergangenen Jahr in einem Mettmanner Seniorenheim,“ blickt Kassenwart Klaus Lindemann zurück, der zugibt, dass auch er leidet: „Wir vermissen alle das Singen.“ Die 18 Sängerinnen und Sänger widmen sich meistens weltlicher Literatur. Dabei interpretieren sie nicht nur die Lieder von Mozart, Schubert oder Mendelsohn-Bartoldy, sie bringen daneben die Heiterkeit von „Wochenend und Sonnenschein“ herüber, wenn sie mit den entsprechenden Bewegungen die „Comedian Harmonists“ mit deren populären Hits aufleben lassen.

Der langjährige Vorsitzende
Gerhard Gömann zog sich zurück

Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender war Dr. Gerhard Gömann, der sich allerdings mit 80 Jahren aus Altersgründen zurückzog. Als aktives Mitglied aus den Anfangsjahren ist immer noch Gudrun Hallen dabei.

„Der erste Probenraum befand sich im David-Peters-Haus. Wir waren immer da, wo die städtische Musikschule Unterricht abhielt und einen Flügel stehen hatte“, blickt Renate Weinmann zurück. „Irgendwann durfte der Gebäude nicht mehr betreten werden, dann kamen wir in der Realschule An der Maikammer auf Tönisheide unter. Seit dem dort die neue Gesamtschule eingezogen ist, können wir da nicht mehr proben“, so die Sängerin. Der Chor ist „heimatlos“. Im Moment ist das nicht weiter tragisch, da herkömmliche Proben wegen des Lockdowns sowieso nicht gestattet sind.

Der Vorstand hat selbstverständlich die Zukunft nach dem Ende der Coronapandemie im Blick: „Wir stehen mit der Musikschule hinsichtlich eines neuen Probenraums im Gespräch“, versichert der Vorsitzende Andreas Barnkothe.

Sein Dank geht auch an die „hervorragende Arbeit“ des Stadtverbandes Velberter Chöre sowie des Sängerkreises Niederberg mit Blick auf die Unterstützung der Chöre: „So schaffen wir es alle zusammen durch diese Krise und hoffen, bald wieder unser gemeinsames Hobby, das Singen, ausüben zu können.“