1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Velbert, Neviges und Wülfrath

Neviges: Junge Gastronomen trotzen dem Kneipensterben in Neviges

Neviges : Junge Gastronomen trotzen dem Kneipensterben in Neviges

Ehemalige Eisdiele und Gaststätte auf dem Berg wiederbelebt.

. Innerhalb von zehn Jahren haben 85 gastronomische Betriebe im Kreis Mettmann geschlossen. Zwischen 2007 und 2017 hat damit jede neunte Gaststätte, Kneipe oder Eisdiele zugemacht. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Düsseldorf-Wuppertal beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Landesamts und warnt vor einem weiteren Kneipensterben.

Das hat in Neviges bereits stattgefunden: Neben den einst beliebten Ausflugslokalen „Haus im Wiesengrund“ am Fettenberger Weg, wo sich Landrat Willi Müser und Ministerpräsident Johannes Rau schon mal trafen, oder der „Deilbachmühle“, die vor zehn Jahren einer Brandstiftung zum Opfer fiel, sind im Ort viele Gaststätten verschwunden, etwa die Kneipe „Inne Kurve“ an der Bogenstraße. In den Gaststätten „Stadtschänke“ an der Wilhelmstraße oder der „Stadtwaage“ am Busbahnhof bleiben die Zapfanlagen seit Monaten trocken, das Café Paaß an der Klosterstraße steht auch länger als ein halben Jahr leer.

Trotz des negativen Trends gibt es Gastronomen, die dem Mut aufbringen, neue Betriebe zu eröffnen. Gökcen Malkoc hat das Eiscafé in der Passage an der Elberfelder Straße wieder belebt, aus dem einstigen „Lorenzo“ wurde „Limis“.

Bereits die Eltern tischten in
zwei Wuppertaler Lokalen auf

Und auch im „Berger Stübchen“ an der Jacob-Lüneschloß-Straße, das lange Zeit geschlossen hatte, ist jetzt wieder was los: Antonio Monticciolo sorgt sich seit wenigen Tagen um seine Gäste. Der Junggastronom ist zwar erst 21 Jahre alt, hat das Geschäft quasi mit der Muttermilch aufgenommen: Die Eltern tischten im Wuppertal unter anderem in der Villa Foresta und im Parkschlösschen auf. Vater Lino musste aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten, steht aber dem Sohn beratend zur Seite. „Als ich die Bilder vom Berger Stübchen zum ersten Mal gesehen habe, hat mir das sofort gefallen, weil es klein und rustikal ist“, so der neue Inhaber, der mit seinem Koch eine Speisekarte für jedes Portemonnaie zusammengestellt hat. Neben Pizza, Pasta, Salaten, Fisch und Fleisch will er seine Gäste mit frischen Waren überraschen: „Mal schauen, was der Großmarkt morgens so zu bieten hat.“

Er freut sich aber auch über jene Nevigeser, die sich einfach nur ein Pils oder Alt an der Theke schmecken lassen wollen. „Hier oben gibt es ja sonst nichts“, beschreibt Monticciolo den gastronomischen Notstand im Viertel. „Dabei ist das die perfekte Lage. In den ersten Tagen nach der Eröffnung kamen aus dem Neubaugebiet auf dem ehemaligen Sportplatz viele Familien mit ihren Kindern.“