Jugendliche erlernen, auf körperliche Gewalt zu verzichten

Jugendliche erlernen, auf körperliche Gewalt zu verzichten

Der Verein „Neue Wege“ unterstützt finanziell ein Anti-Aggressionstraining im Kinder- und Jugendhaus. Im Juni gibt es vier Workshops.

Wülfrath. Aus drei Richtungen werden Kräfte gebündelt, um ein Präventionsprojekt gegen Gewalt zu finanzieren. Vom Verein „Neue Wege“ gehen 890 Euro an das Kinder- und Jugendhaus Wülfrath (KJH), das an die Abteilung Kinder- und Jugendförderung der Stadt Wülfrath angegliedert ist. Das Spendengeld fließt in vier Workshops, die ab Juni im KJH abgehalten werden.

Iris Meisenbacher betreibt seit 21 Jahren in Ratingen ein Institut für Konfliktmanagement, Sicherheit und Selbstverteidigung. In ihren Seminaren für das KJH geht es vorwiegend um Deeskalations- und Anti-Aggressionstraining. „Sie richten sich überwiegend an junge Menschen, die dem Kinder- und Jugendhaus sehr verbunden sind“, sagt Meisenbacher. Die vier Workshops sprechen drei definierte Zielgruppen an. Zum einem die Mädchen: „Es wird die Selbstbehauptung der Mädchen geweckt und Abgrenzung gegenüber Übergriffen erlernt, ob verbaler oder körperlicher Art“. Die Jungen werden in zwei Zielgruppen aufgeteilt.

Ein Workshop soll erlebnisorientiert Stärken deutlich machen. Er richtet sich vor allem an Kandidaten, die sehr durchsetzungsfähig sind: „Bei Jungs mit Macho-Positionen möchten wir schauen, wo sich diese Stärke auch woanders angliedern lässt“, sagt Meisenbacher. Die Trainerin bringt zum Anti-Aggressionstraining gerne gepolsterte Handschuhe mit, in die die Jungen gerne hineinschlagen dürfen.

Wegen Gewaltdelikten verurteilte Jugendliche sollen Iris Meisenbacher ihre Kraft demonstrieren, ihre Wut zeigen, die ihnen bei der Straftat überrannte. „Was hattest du damals gespürt, als du kräftig ausgeteilt hast?“, fragt Meisenbacher dann die Jugendlichen.

Eher zurückhaltende Jungen werden einem gesonderten Workshop zugeteilt. In einem vierten und letzten Workshop werden alle Teilnehmer, ob Mädchen oder Jungen, in einer Gruppe vereint. „Das soll der Gemeinschaft hier im Jugendhaus dienen“, fügt Meisenbacher hinzu.

Damit die Arbeit der Trainerin finanziert werden kann, gab der Verein Neue Wege die Summe von 890 Euro hinzu. Meisenbacher. Der Verein ist mittlerweile mehr als zehn Jahre alt. Gegründet wurde er von vier Jugendgerichtshelfern, die für Mettmann, Heiligenhaus, Haan und Wülfrath tätig waren. „Wir treten an, um Jugendkriminalität möglichst zu verhindern“, sagt die Vorsitzende Silvia Böhm. In erster Linie geschehe dies durch präventive Arbeit, die der Verein auch im KJH unterstützt. Falls Jugendliche schon straffällig wurden, helfen reaktive Maßnahmen. „Wir prüfen, welche Möglichkeiten sinnvoll sind, damit die jungen Leute nicht erneut straffällig werden“, so Silvia Böhm weiter. Sie ist im Jugendamt Wülfrath als Amtsvormund sowie Beistand und im Rat der Stadt Mettmann im Jugendhilfe-Ausschuss aktiv. „Als das KJH uns bat, mit einem Zuschuss weitere Workshops mit Iris Meisenbacher mitzufinanzieren, sagten wir natürlich zu. Unser Verein arbeitet seit neun Jahren mit Frau Meisenbacher zusammen, und wir erachten ihre Arbeit als sehr wichtig“.

Angela Sprink, Leiterin des KJH, fügt hinzu: „Unsere Pädagogen werden in den Workshops auch anwesend sein. Mit den Jugendlichen stehen wir lange in Beziehung und durch die Workshops von Frau Meisenbacher erhoffen uns einen erweiterten Zugang zu ihnen“.

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