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Judo-Stadtmeisterschaften: Der sanfte Weg zum Titel

Judo-Stadtmeisterschaften: Der sanfte Weg zum Titel

Bei den Stadtmeisterschaften der Judoabteilung des TB Wülfrath haben die jungen Judoka ihre Leistungen gemessen.

Wülfrath. „Jetzt zehnmal eindrehen“, fordert Betreuer Maurice Püchel (15) rund 30 Kinder zwischen sieben und 14 Jahren in weißen Judoanzügen auf. Eifrig versuchen die Jungen und Mädchen, sich mit entsprechenden Schritten gegen den Bauch des Partners zu drehen und diesen dabei noch auf den eigenen Rücken zu ziehen.

In der Turnhalle der Lindenschule fand am Samstag die Stadtmeisterschaft der Judoabteilung des TB Wülfrath statt. Und während die Trainer noch damit beschäftigt waren, die Kinder nach Gewicht und Größe in Gruppen einzuteilen, machten sich die Nachwuchssportler schon einmal auf der neuen gelb-blauen Matte warm.

Judo sei eigentlich ein Sport für jede Altersstufe, erzählt Abteilungsleiter Roland Thömmes. Bei den Stadtmeisterschaften würden aber die jüngeren Kinder Gelegenheit bekommen, das erste Mal auf der Matte gegeneinander anzutreten. „Das erfordert Mut und trainiert die Fähigkeit, auch mit Niederlagen klarzukommen“, weiß er.

Judo bedeute auch „sanfter Weg“, und müsse ohne Tritte und Schläge auskommen. Außerdem sei ein respektvoller Umgang mit dem Partner oder Gegner wichtig — was auch durch die Verbeugung vor oder nach dem Kampf zum Ausdruck komme.

Auffallend bei der Stadtmeisterschaft ist der Jungenüberschuss. Nur vier Mädchen sind dabei. Die Zwillingsschwestern Madita und Lovis (7) stört das schon ein bisschen. Vor allem Lovis ist davon nicht begeistert. Schwester Madita (7) macht Judo aber immer noch viel Spaß. „Wenn ich kämpfe und gewinne, dann finde ich das gut“, sagt sie. „Mohammed ist mein Lieblingstrainer“, schwärmt sie. Da beide zwischen 24 und 25 Kilogramm auf die Waage bringen, müssten sie eigentlich gegeneinander kämpfen. „Wir kämpfen aber lieber gegen Jungen, sonst streiten wir uns“, sind sie sich einig.

Die Gruppen mit jeweils vier Kindern sind eingeteilt. „Ein Kampf dauert ungefähr drei Minuten und jeder aus der Gruppe kämpft gegen jeden“, erklärt Trainer Uwe Püchel den aufgeregten Sportlern, bevor es endlich losgeht. Es geht darum, den Gegner im Haltegriff zu bezwingen, oder ihn auf die Matte zu werfen und dort lange genug festzuhalten.

Als erstes tritt Ole (7) gegen Tian (8) an. Beide versuchen, den Gegner durch engagierte Beinarbeit zu Fall zu bringen. „Zieh!“, motiviert der Trainer zusätzlich. Schließlich liegt Ole am Boden und Kampfrichterin Nicole Püchel entscheidet, dass Tian den Kampf gewonnen hat.

Bei Ole fließen Tränen. „Es geht vor allem darum, Erfahrung zu sammeln“, tröstet die Kampfrichterin. Und bis sich die kleinen Judoka sich wie ihr Sohn Maurice auf den Weg zum Kader des Deutschen Judobundes machen können, ist es für viele von ihnen noch ein weiter Weg.