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Jonas lernt in der Wohngruppe fürs Leben

Der 19-Jährige absolviert beim Verein Pro Mobil ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die Begleitung von Menschen mit Behinderung machte auch ihn fitter für den Alltag.

Jonas lernt in der Wohngruppe fürs Leben
Foto: Simone Bahrmann

Wülfrath. Nachdem Jonas Kalski im vergangenen Jahr sein Abitur am Wülfrather Gymnasium erworben hatte, wusste der Tönisheider nicht so recht, was er machen sollte. „Wegen des Abi-Stresses war ich zu spät dran, für meinen Wunsch-Ausbildungsplatz als Industriekaufmann“, sagt der heute 19-Jährige. Studieren kam für ihn aber noch nicht infrage, ebenso wenig bloßes Herumsitzen. Er machte sich auf die Suche und wurde beim Verein Pro Mobil in Wülfrath fündig.

Nur einen Steinwurf weit entfernt von der alten Schule steht er seit dem 15. August 2015 in der teilstationären Wohngruppe für sieben Bewohner im Alter zwischen 29 und 59 Jahren mit unterschiedlichem Handicap seinen Mann im Zuge eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Dort sammelt er Erfahrungen, soziale Kompetenzen, die für seinen weiteren Weg hilfreich sind.

„Ich habe mich zuvor noch nicht sozial engagiert“, sagt Joans Kalski. Wäsche waschen und falten, Betten beziehen, Gemüse für einen Salat schneiden, dies alles habe er vorher noch nicht gekonnt. „Jetzt bin ich ein Meister darin“, flachst der 19-Jährige. Er ist jetzt absolut alltagstauglich, assistiert Bewohnern wie Bianka Kukla und Thorsten Grossmann bei deren Tagesablauf. Er begleitet sie beim Einkaufen, zum Frisör, zu Vorsorgeterminen, holt Rezepte für sie ab, bereitet mit ihnen die nachmittägliche Kaffeetafel und das Abendessen vor, spielt mit ihnen Gesellschaftsspiele.

Seine Hilfestellung ist auch bei der Toilette, beim Zähneputzen und Duschen gefragt. „Kein Problem für mich. Ich freue mich auf jeden Bewohner, wenn er am Nachmittag von der Arbeit in den Werkstätten für Behinderte des Kreises Mettmann ins Zuhause zurückkehrt“, erklärt Jonas Kalski. Die größte Schwierigkeit habe für ihn anfangs darin bestanden in den richtigen Rhythmus für die Bewältigung seiner Aufgaben zu finden. Doch für die notwendigen Handgriffe habe er in Christian Mayeres einen guten Anleiter gehabt. An 25 Bildungstagen wurde er fürs FSJ qualifiziert. Im Gegenzug für die Fünf-Tage-Woche mit 38,5 Arbeitsstunden gibt es ein Taschengeld von 320 Euro monatlich.

„Die jungen Leute sind für uns ganz wichtig. Wir wollen ihnen andere Perspektiven aufzeigen, ihre sozialen Kompetenzen erweitern“, sagt Ute Feldbrügge, Kreisgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Kreis Mettmann. Der bietet für ein Soziales Jahr oder den Freiwilligendienst alleine 60 Stellen an, die es ab dem 1. August beziehungsweise 1. September wieder zu besetzen gilt. Das FSJ kann Orientierung bieten. Das wird aus Sicht von Wohngruppenleiterin Anke Walther immer wichtiger: „Wer mit 17 oder 18 Jahren das Abi in der Tasche hat, weiß oft noch nicht, wohin die reise im Leben gehen soll.“ Und die Erfahrung von Pro-Mobil-Personalleiterin Alexandra Gravina lautet: „Das FSJ macht sich ausgezeichnet in jedem Lebenslauf für weitere Bewerbungen.“

„Es war kein verschenktes, sondern lehrreiches Jahr. Auch die Freude, die Bewohner zu treffen, werde ich in Erinnerung behalten“, resümiert Kalski seine Zeit in der Einrichtung mit 300 Quadratmetern Wohnfläche, die es seit 1997 an der Kastanienallee gibt. Einen Ausbildungsplatz hat er weiter noch nicht. „Wenn ich nichts finde, studiere ich, wie meine Freunde“, sagt er. Allerdings nichts Soziales, sondern eher Betriebswirtschaft.

Ute Feldbrügge knüpft an Menschen wie Jonas Kalski eine Hoffnung. „Irgendwann gelangen sie in die Entscheiderposition und stellen dann vielleicht auch Menschen mit Behinderung ein“, sagt sie.