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Wülfrath: Jägerin erlebt ein Gefühl von Freiheit

Wülfrath : Jägerin erlebt ein Gefühl von Freiheit

. „Schießen ist ein ganz kleiner Anteil im Jägerleben.“ Die Wahl-Wülfratherin Sonja Mrstik hat im vergangenen Jahr nach einer zehn Monate dauernden Ausbildung den Jagdschein erworben. Für sie steht ihre Leidenschaft für die Natur im Kreislauf des Jahres und „ein Gefühl von Freiheit“ im Mittelpunkt.

Die 50-Jährige stammt aus Geldern am Niederrhein – genau dort hatte sie schon als Kind Jäger kennengelernt und begleitet. „Der Vater meiner besten Freundin hat uns oft mitgenommen, er war eine prägende Figur für mich“, erinnert sich Sonja Mrstik. Besonders beeindruckt hatte sie die Naturverbundenheit des Mannes. „Er kannte sich in der Tier- und Pflanzenwelt bestens aus und infizierte mich schon als Kind.“

Das Ablegen der Prüfung bei der Kreisjägerschaft Düsseldorf und Mettmann war nicht ohne da ein vielfältiges Wissen in den Bereichen Wildtierkunde, Waldbau, Landbau, Naturschutz, Wildkrankheiten, praktischer Jagdbetrieb, Jagdrecht und verwandte Rechtsgebiete, Waffenkunde und weitere relevante Sachgebiete abgefragt wurde. „Die letzte von den drei erforderlichen Prüfungen war schon eine meiner großen Herausforderungen. Ich habe meinen Schießtrainer zur Verzweiflung gebracht“, sagt Sonja Mrstik mit einem Augenzwinkern. „Du schießt ja wie meine Oma“, bekam sie zu Beginn zu hören.

Hierzu müssen drei Varianten in der Praxis absolviert werden: Drei von zehn Tontauben müssen getroffen werden, die Rehbockscheibe in einem bestimmten Bereich und der „Laufende Keiler“, eine auf Pappe bedruckte Nachbildung, die sich bewegt, ebenfalls in einem abgegrenzten Ausschnitt. Aber auch hier stand sie ihren Mann und die Prüfung war absolviert.

Sonja Mrstik ist beim Hegering Neviges aktiv, hat auch die Möglichkeit, in einem Revier bei Daun in der Eifel auf die Pirsch zu gehen – und sogar an der Müritz mit der ursprünglichen Natur an der Mecklenburgischen Seenplatte. Dort hatten schon gekrönte Häupter und auch der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, gejagt. Dort an der Müritz hat übrigens ihre Freundin aus Kindertagen ihr Revier. „Beim letzten Mal habe ich dort 25 Stück Rotwild, sechs riesige Keiler und einen Fischadler gesehen“, schwärmt die Jägerin, die sich wieder aufs Beobachten der Tiere konzentriert hat. Das kann aber schon mal eng werden. „Im Hürthgenwald habe ich genau auf dem Wechsel gestanden, als der Ruf ,die Sauen kommen‘ ertönte. Ein Wildschwein hatte Sonja Mrstik fast über den Haufen gerannt, es blieb aber bei einem Rempler. „Zum Glück waren das jugendliche Wildschweine um die 30 Kilo“, sagt sie. Ausgewachsene Exemplare bringen es leicht auf 100 Kilogramm, dann sind solche Begegnungen lebensgefährlich. „Richtig glücklich“ war Sonja Mrstik, als sie in der Eifel einer Europäischen Wildkatze bei der Jagd zuschauen konnte.

„Ich habe sehr viel Unterstützung in der Jägerschaft erfahren, und es sind tolle Freundschaften mit viel Vertrauen untereinander entstanden“, beschreibt Sonja Mrstik einen für sie sehr wichtigen Teil dieser Passion. Dieser Zusammenhalt ist ihr sehr wichtig. Engagement kennt und schätzt sie. Sonja Mrstik ist seit gut zwölf Jahren ehrenamtlich beim Zeittunnel tätig. Sie übernimmt Führungen von Schulklassen, macht museumspädagogische Arbeit mit Kindern. Momentan ist dies aber schwierig. Dann sitzt sie halt an der Kasse. Oder wenn die Zeit es zulässt ein bis zweimal pro Monat auf dem Hochsitz. Durchaus mit Büchse. Zwar stehen Hege und Pflege ganz oben auf der Agenda, aber gerade die Jagd auf sogenannte Prädatoren (kleine Raubtiere wie Füchse, Dachse oder Waschbären) hält die Jägerin für sinnvoll, besonders in Hinsicht auf den Artenschutz. Dies wiederum hilft Hasen, Rebhühnern oder Fasanen. Auch gilt es, Überpopulationen von Reh- und Rotwild oder Wildschweinen zu verhindern.

Hat Sonja Mrstik einen besonderen Wunsch? „Wir sind ab und zu in Südtirol im Urlaub. Ich würde gerne das Wild im Hochgebirge beobachten, allerdings nur mit Fernglas. Vielleicht klappt da ja mal was.“