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Neviges/Langenberg: Initiative bemängelt Unpünktlichkeit

Neviges/Langenberg : Initiative bemängelt Unpünktlichkeit

Die Initiative „S 9 plus“ zieht nach 25 Jahren eine gemischte Bilanz. Sie befürworten den Schienenverkehr, bleiben aber kritisch.

. „Jetzt fahren auf der Linie S 9 die Fahrzeuge, die wir uns vor 20 Jahren gewünscht hätten: komfortabel und mit Toiletten, da kann man nichts gegen sagen“, lobt Frank von Hagen das derzeitige Angebot und schränkt seine Begeisterung sogleich ein: „Bis zum 15. Dezember 2019 war alles ganz passabel, was danach geschah, schreit zum Himmel: Unpünktlichkeit, fehlende Fahrkartenautomaten, das ist verbesserungswürdig.“

In einer Langenberger Gaststätte kamen nach fast 25 Jahren die Mitglieder der Initiative „S 9 Plus“ zusammen, um Bilanz zu ziehen. Als nach langen Hin und Her Anfang der 90er Jahre die Planung einer S-Bahn zwischen Wuppertal und Essen konkreter wurde, bildete sich die Initiative, alles Befürworter des Schienenverkehrs, teils mit profundem Fachwissen. Ihr Anliegen war seinerzeit, dass der von der Deutschen Bundesbahn entwickelte S-Bahnstandard für diese Strecke nicht angemessen erschien und abgewandelt werden sollte.

Bahnübergänge sollten durch Brückenbauwerke ersetzt werden

Die Planungen sahen vor, alle Bahnübergänge durch kostspielige Brückenbauwerke zu ersetzen, was zum Teil geschehen ist, zum Beispiel an der Siebeneicker Straße. Ein gewaltiges Überführungswerk sollte im Kuhlendahl die Bernsaustraße über die Schienen geleiten. „Das hätte die Abluft aus Neviges verhindert“, weiß Heinz Wichelhaus um die Auswirkungen einer solchen Maßnahme für das Kleinklima, mal ganz abgesehen von der Veränderung im Landschaftsbild. Während die Initiative die Entscheider von der nicht vorhandenen Sinnhaftigkeit der einiger Brücken überzeugen konnte, gelang dies bei den Bahnsteighöhen nicht. „Die wurde statt auf 76 Zentimeter für moderne Fahrzeuge auf 96 Zentimeter angelegt, weil die Deutsche Bahn damit Triebfahrzeuge und Waggons aus anderen Regionen hier einsetzen konnte“, so Frank von Hagen, der kritisiert, dass durch diese Entscheidung auch der Güterverkehr verschwand. „Allen Firmen mit Gleisanschluss in Langenberg und Neviges wurde gekündigt.“

Im Ausbauvertrag war ein 20-Minuten-Takt für die S-Bahn vorgesehen. „Wir hatten damals schon Zweifel, ob der für die Ewigkeit hält“, blickt Frank von Hagen zurück. Durch die Einführung der Regionalbahn RB 49 im Dezember wurde die S-Bahnfrequenz zu einem 30-Minuten-Takt. „Dann fährt der Schnellzug hinter den verspäteten S-Bahnen, und der Fahrzeitgewinn ist dahin“, ätzt Frank von Hagen, der befürchtet, dass wegen mangelnder Fahrgäste das Angebot ganz gestrichen wird.

Ein weiteres Ärgernis ist für die Mitglieder der Initiative die Tatsache, dass Anschlüsse für die Busse nicht mehr gegeben sind. Bernhard Vetter regt sich darüber auf, dass die Regionalbahn mit Volldampf durch den seinerzeit neu geschaffenen Haltepunkt Rosenhügel rauscht: „Da wohnen die meisten Nevigeser, und ausgerechnet dort wird nicht gehalten.“

Für die Zukunft wünschen sich die Ehemaligen der Initiative die Beseitigung der Eingleisigkeit zwischen Essen-Überruhr und Essen-Steele, die immer wieder zu Verspätungen führt. „In Velbert sagte man bislang, da müssen sich die Essener drum kümmern. Nein, das ist auch unsere Infrastruktur“, behauptet Frank von Hagen, den außerdem die Langsamfahrstelle in Nierenhof ärgert. Eine weitere Forderung der Initiative „S 9 Plus“ war, das auf die aufwändige Elektrisierung für die Strecke zwischen Essen und Wuppertal verzichtet werden sollte. Stattdessen schlug die Initiative vor, moderne Dieseltriebwagen anzuschaffen, die sich durch eine hohe Fahrdynamik und günstigen Betriebskosten auszeichnen.