Velbert : Huf streicht 229 Stellen in Velbert

Automobilzulieferer erwartet weitere Umsatzeinbrüche – möglichst viele Mitarbeiter sollen freiwillig gehen

Der Automobilzulieferer Hülsbeck und Fürst (Huf) will im Zuge seiner Restrukturierung 229 Stellen in seinen Velberter Werken sowie der Verwaltung und Entwicklung an der Steeger Straße abbauen. Am Dienstag wurde ein Programm gestartet, das den Mitarbeitern bis Ende Januar die Entscheidung für einen freiwilligen Abschied von Huf durch Zahlung von Abfindungen und zusätzlichen Ausstiegsprämien schmackhaft machen soll. Die Stellenstreichungen sollen dann im Laufe des Jahres 2021 erfolgen. Derzeit sind für das Traditionsunternehmen, das mit rund 1500 Beschäftigen im Jahr 2019 noch zu den größten Arbeitgebern der Stadt gehörte, noch circa 900 Menschen in Velbert tätig. Weltweit zählt das Unternehmen derzeit mehr als 9000 Mitarbeiter. „Das ist ein trauriger Prozess, der Standort Velbert wird nicht mehr die große Rolle spielen, Huf verliert weitere Fachkräfte und an Fertigungstiefe“, kritisiert Hakan Civelek, erster Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall Velbert, die Entscheidung der Huf-Geschäftsführung.

Die führt als Grund für den Stellenabbau die Krise der Automobilindustrie an, die die Corona-Pandemie noch verschärft habe. „Entlassungen sind immer das letzte Mittel. Gerade als Familienunternehmen sind wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. Wir haben wir das Freiwilligenprogramm am Standort Velbert gestartet, um einen unvermeidlich gewordenen Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten. Diese Programm wurde gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern in langwierigen, aber sehr konstruktiven Verhandlungen ausgearbeitet“, sagt Unternehmenssprecherin Maria Lahaye-Geusen im Gespräch mit der WZ.

Hülsbeck und Fürst habe sich im Vergleich zu anderen in der Branche bisher in der Covid-19-Krise gut behauptet. „Sicher, wir haben auch die Möglichkeit der Kurzarbeit genutzt, aber dies ist vor allem einer raschen Ausweitung des bereits im Frühjahr 2019 gestarteten Restrukturierungsprogramms geschuldet. Mit umfangreichen Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter in den Werken sowie Maßnahmen zur Kostensenkung konnte das Unternehmen viele negative Folgen der Pandemie kompensieren. Angesichts zu erwartender Umsatzrückgänge in der weltweiten Automobilindustrie und gestiegenen Ergebnisdrucks wird HuF den Transformationskurs beschleunigen. In diesem Zusammenhang wird die Produktion am Stammsitz Velbert umfassend reorganisiert. Auch die Strukturen in Entwicklung und Verwaltung werden weiter verschlankt. Das führt zu einem geringeren Personalbedarf und einem geplanten Abbau von 229 Stellen und war im vergangenen Jahr noch nicht absehbar“, so Lahaye-Geusen weiter.

„Wir können nicht davon ausgehen, dass der weltweite Automobilmarkt in absehbarer Zeit wieder das Niveau vor der Covid-19-Krise erreichen wird“, erklärt Tom Graf, CEO der Huf Group. „Wir stellen uns darauf ein, dass dies noch Jahre dauern wird. Daher müssen wir durch Effizienzsteigerung und weitere Kostensenkungen unsere Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten. Das gilt für alle unsere Standorte weltweit, aber vor allem für Hochlohnstandorte wie unseren Stammsitz Velbert, den wir von diesen Maßnahmen nicht ausnehmen können. Wir bedauern, dass in Velbert ein erneuter Stellenabbau unvermeidlich ist. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern haben wir flexible, sozialverträgliche Lösungen ausgehandelt, um betriebsbedingte Kündigungen so weit wie möglich zu vermeiden“, erläutert Graf. Zu diesen Lösungen gehöre das Freiwilligenprogramm, das neben umfangreichen Abfindungsregelungen zusätzliche Prämien für den Abschluss von Aufhebungsverträgen vorsieht.

IG Metall: Arbeitgeber setzt einseitig auf Personalabbau

Trotz dieses Verhandlungsergebnisses ist die Sitmmung im Betrieb sehr gedrückt. „Jobabbau ist immer keine schöne Sache“, betont Huf-Betriebsratsvorsitzender Uwe Radke. „Wir hoffen zwar darauf, dass das Freiwilligenprogramm jetzt großen Anklang findet, nicht nur bei den älteren Mitarbeitern, die mit Abfindung und Prämie gut in die Rente rutschen können, aber unterm Strich werden Leute ihren Job verlieren“, prognostiziert Radke.

Für ihn und die IG Metall wären auch andere Lösungen denkbar gewesen, um dem Unternehmen in der Krise Luft zu verschaffen. „Leider hat der Arbeitgeber sich bereits im vergangenen Jahr einseitig für den Personalabbau bereits im vergangenen Jahr entschieden und ist nicht auf unseren Vorschlag eingegangen, über befristete Abweichungen vom Tarifvertrag zu einer Lösung zu kommen“, sagt Hakan Civelek.

Der Stellenabbau erfolge jetzt ausgerechnet in der größten Krise der Nachkriegszeit. „Die Top fünf Unternehmen der Elektro- und Metallindustrie in Niederberg haben in den vergangenen zwölf Monaten 1500 Stellen abgebaut, die wenigsten davon über Kündigungen. Befristete Arbeitsverträge liefen aus, Aufhebungsverträge wurden geschlossen und auf Leiharbeiter verzichtet“, weiß Hakan Civelek. Er erhalte im Augenblick viele Anfragen, ob er nicht Firmen kenne, die Metaller einstellen würden. „Meine Antwort ist aber leider immer ,nein’.“