Velbert : Hoteliers zwischen Bangen und Hoffen

Die WZ hörte sich in Velbert um, welche Folgen der November-Lockdown für die Branche hat.

Die Corona-Krise trifft das Gastgewerbe durch den zweiten Lockdown des Jahres mit voller Härte. Auch die Hotels in Velbert dürfen vorerst bis Ende November keine Touristen mehr beherbergen. Übernachtungen sind nur noch für notwendige und nicht-touristische Zwecke möglich. „Doch tatsächlich werden von Unternehmen keine Mitarbeiter mehr angesichts der Pandemie-Lage auf Geschäftsreisen geschickt“, hat Peter Gebhardt, geschäftsführender Direktor des Best Western Plus Parkhotels Velbert, erfahren müssen. Und da Geschäftsreisende beziehungsweise Tagungsgäste normalerweise für 90 Prozent des Umsatzes im Hotel mit 84 Zimmern und acht weiteren im benachbarten Gästehaus auf dem Areal an der Günther-Weisenborn-Straße sorgen, habe man sich dazu entschlossen, vorerst ganz zu schließen. Die meisten der 55 Beschäftigten wurden in Kurzarbeit geschickt. „Derzeit beantworten nur zwei Mitarbeiter im Homeoffice E-Mails und telefonische Anfragen. Hinzu kommen der Hausmeister, der nach dem Rechten sieht, und der Küchenchef, der das Velberter Gänsetaxi am Laufen hält, erklärt der Hotel-Direktor. Auch nach dem ersten Corona-Lockdown habe das Parkhotel mit den geänderten Betriebsbedingungen jeden Monat ein Minus eingefahren. „Unsere Auslastung lag maximal bei 40 Prozent“, verdeutlicht Peter Gebhardt. Das Jahr 2020 hakt er ab und hofft auf den Restart 2021. „Angesichts der Infektionszahlen gehe ich davon aus, dass der November-Lockdown um mindestens zwei Wochen verlängert wird“, sagt Gebhardt. Die Sorge, die Krise nicht zu überstehen, treibt ihn nicht um. „Unsere Branche ist über elf Jahre kontinuierlich gewachsen. Genug Zeit, um Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden“, so der Hotelleiter.

Stüttgens Hotel spricht in der Krise andere Zeilgruppe an

 „Das ist gerade die gleiche unschöne Situation wie beim ersten Lockdown“, sagt Frank W. Stüttgen, der das tradionsreiche Stüttgens Hotel an der Friedrichstraße leitet. „Doch wie bei der ersten Schließung hilft uns jetzt wieder eine Strukturveränderung über die Runden zu kommen“, fügt der Hotelier hinzu. „Der rund 15-prozentige Nachlass auf die Preise für unsere 22 Zimmer führt dazu, dass uns seit zehn Tagen Techniker und Monteure statt der ausbleibenden Geschäftsreisenden das Haus füllen.“ Das Stüttgen sei so in der vergangenen Woche dreimal zu 100 Prozent belegt gewesen.

Von dieser Kundschaft profitiere auch die Küche des Hauses. „Dort und im Wintergarten servieren wir jetzt zwölf bis 15 Abendessen unter Wahrung der notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln“, sagt Frank W. Stüttgen. So würden die weiter laufenden Kosten zwar nicht ganz gedeckt, es sei aber besser, als gar keine Umsätze zu erzielen. Staatliche Novemberhilfen will er nicht beantragen. „Wir stehen das durch. 2019 war für uns ein phänomenal gutes Jahr und Anfang dieses Jahres haben wir noch eine Schippe draufgelegt. Aber jetzt erwarte ich bis zum Ende des 1. Quartals 2021 keine wesentliche Verbesserung mehr.“

Anders sieht die Lage in Neviges aus: „Es ist gar nichts los, es gibt keine Veranstaltungen und deshalb keine Nachfrage nach Übernachtungen.“ Vito Paciello vom Hotel Kimmeskamp schätzt, dass das Hotelgeschäft gegenüber dem Normalbetrieb gerade einmal nur noch fünf Prozent des Umstzes einbringt. Aktuell hat er an der Elberfelder Straße einen Gast: „Ein Software-Programmierer aus dem Ausland, der für eine große Nevigeser Firma tätig ist.“ Bei Handwerkern auf Montage vermutet Paciello, dass sich die auf Gästewohnungen und Privatunterkünfte verlagern. „Da gibt es einschlägige Buchungsportale im Internet.“

Das „Haus Sondermann“ an der Siebeneicker Straße dagegen freut sich über die Nachfrage der Handwerker: „Da bin ich froh, dass die kommen, die sichern meiner Chefin laufende Einnahmen“, so die Hotefachfrau Sabrina Moncada.

Der „Graf Hardenberg“, der erst vor ein paar Jahren an der Bernsaustraße ins Hotelgeschäft eingestiegen ist, kann ebenfalls reisende Bauarbeiter begrüßen. „Drei bis vier Monteure kommen bis in den Januar für drei Tage in der Woche, alles andere ist abgesagt“, beschreibt Elias Georgio die Situation. Dabei gab es im Sommer viele Nachfragen von Touristen, die Neviges und Umgebung erkunden wollten. „Ich stehe mit der Rufnummer meines Betriebes in einem Prospekt über das Neanderland, da rufen die Leute an, das war nicht schlecht“, so der Gastronom, der sich ärgert, dass er seine Gaststätte nicht öffnen darf. „Das Lokal hatte nicht den besten Ruf, ich habe jahrelang investiert und hart daran gearbeitet, das zu ändern. Dann kommt zum zweiten Mal der Lockdown, da bleibt am Ende nichts mehr übrig“, bilanziert Elias Georgio. Im Gegensatz zum Frühjahr bietet er jetzt keinen Außerhausverkauf von Mahlzeiten: „Das lohnt sich nicht, die Nachfrage war nicht groß genug, die Ware wurde schlecht. In dieser Beziehung haben die Imbisse die Nase vorn“, stellt der Wirt fest. Georgio blickt dennoch optimistisch nach vorne und hofft, dass die verordneten Einschränkungen von Erfolg gekrönt sind: „Noch drei Wochen Geduld.“